Anwaltstag in Düsseldorf: Mit Rattematäng und Espressogeist-Tipps

Der Deutsche Anwaltstag - dieses Mal in Düsseldorf

Der Deutsche Anwaltstag – dieses Mal in Düsseldorf

Wenn der Deutsche Anwaltstag seine Auftaktveranstaltung in der Altstadt im „Goldenen Ring“ ansetzt, so bietet das zwar jede menge Lokalkolorit mit Rheinblick und Altstadtkulisse – aber ist zugleich eine große Herausforderung für Frauen mit ihren Absätzen: überall nur Kopfsteinpflaster und im Gitter im Lokaleingang bin alleine ich gleich zweimal steckengeblieben mit meinen – gar nicht hohen geschweige denn Pfennig-Absätzen. Nicht nur dass man kaum drauf gehen kann, die Contenance zu bewahren, wenn man stecken bleibt – das ist schon eine Leistung.

Aber vermutlich kann sich kaum ein Herr der Schöpfung, der diese Location ausgesucht hat, diese Härten für Anwältinnen und andere Teilnehmerinnen vorstellen – woher auch?

 

Frauen keine Mangelware

Auffällig ist aber, dass viele Frauen beim Get-Together des Deutschen Anwaltvereins (DAV) dabei sind, das ist bei Veranstaltungen der Großkanzleien immer ein ganz anderes Bild. Und schwupps ist frau beim Thema: Die Frauenquote ist ein Muss, wenn, weil und solange das neue Scheidungsrecht gilt, das für Frauen in der tradiierten Hausfrauenrolle doch eine ziemliche Verschlechterung bedeutet. Familienrechtlerin Anke Willuda-Bischoff aus Düsseldorf erzählt: sie hatte erst einen Fall, in dem ein Mann seiner Frau – die beiden hatten drei Kinder – im Ehevertrag zusagte, dass ihr 50 Prozent seiner Einkünfte zustehen, bis sie eines Tages wieder so viel verdient wie er. Die fairste aller denkbaren Lösungen, findet Willuda.

 

Anwältinnen Anke Willuda und xy aus Düsseldorf - beide von der Erbrechts- und Familienrechts-Front

Anwältinnen Anke Willuda-Bischoff (l.) und Margit Weber aus Düsseldorf – beide von der Familien- und Erbrecht-Front

Woher die Besucher so kommen ist schon erstaunlich, aus Niesky beispielsweise. Nie gehört. Sie auch nicht? Das ist eine sächsische Kleinstadt im Landkreis Görlitz. Sechs Autostunden hat die Anreise für den Anwalt dorther gedauert. Und man ist – das ist tatsächlich die erste Bemerkung über die Stadt am Rhein – entsetzt über die unglaublich vielen Baustellen. Die U-Bahn-Baustellen eben, der abgerissene Tausendfüßler – die frühere Hochbrücke mitten in der City – und der Tunnelbau am Hofgarten. In der Ballung schockiert es sogar Auswärtige und die können es nicht fassen, dass die Altstadtstrassen voller Menschen mit einem Glas Altbier in der Hand stehen, und sie kaum durchkommen.

 

Vom Köbes Rattematäng

Das war die Ratinger Straße, die Rättemateng, wie es im Düsseldorfer Platt heißt. Das kommt von dem französischen Rue de matin – Straße des Morgens – und so heißt auch der Kräuterlikör, von dem jeder Gast ein Mini-Fläschchen vom Köbes eins zugeteilt bekommt. Als es kam, hatte das Get-Together seinen Namen längst verdient. Für viele der Anwälte eine Art Klassentreffen mit Urgesteinen der Szene wie dem Ex-Generalbundesanwalt Kay Nehm oder Martin Huff, Ex-Chefredakteur der NJW und heutiger Geschäftsführer der Rechtsanwaltskammer Köln.

Und von dem netten Anwalt aus Niesky habe ich nicht nur erfahren, dass er im München acht Semester lang Kirchenrecht studiert hat, sondern auch Tipps bekommen: Er schwört auf Espressogeist von der Edelbrennerei Liebl im Bayerischen Wald .

Und ich lerne in der Runde, dass es auch so etwas wie Vogelbeergeist gibt – der sehr polarisieren soll – und Eibenbrand. Aus dem Fleisch des Baums, an dem sonst alles giftig ist, wie der Sachse sagt.

 

Rättemateng-Kräuterlikör

Rättemateng-Kräuterlikör

Wo sind die Großkanzleien?

Wer übrigens merkwürdigerweise nicht vertreten war im „Goldenen Ring“: die Großkanzleien.

Zumindest nicht durch einen ihrer Managing Partner oder Rainmaker. Namhafte Anwälte gibt es schließlich genug in Düsseldorf, der Stadt mit den zweitmeisten Top-Kanzleien in Deutschland – nach Frankfurt. Aber als Gastgeber haben sie mit Abwesenheit geglänzt. Warum?

 

DAV1

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