Mettenheimer verlässt Freshfields mit Kurs auf die Privatbank Edmond de Rothschild

 

Konstantin Mettenheimer verlässt Freshfields. Der 57-jährige Jurist wird „deutscher Chairman der Gruppe Edmond de Rothschild und in dieser Funktion für alle Geschäfte der Privatbank hierzulande verantwortlich sein“, schreibt das Branchenblatt „Juve“ auf seiner Webseite.

Konstantin Mettenheimer, Ex-Partner und Welt-Chef bei Freshfields

Konstantin Mettenheimer, Ex-Partner und Ex-Welt-Chef bei Freshfields

Eine Pressemitteilung von Freshfields blieb leider aus. Das scheint für ausscheidende Partner eine Hausregel zu sein.

Aber vermutlich wird´s ja zu seinen Ehren eine rauschende Abschiedsparty geben samt Klienten und Wegbegleitern. Stolze 25 Jahre lang, war Freshfields Mettenheimers berufliche Heimat, die anfangs für ihn noch Westrick und Eckholdt hieß und später – als Traditionskanzlei Frankfurter – mit Freshfields fusionierte.

 

Mettenheimer ist bei einer Privatbank wunderbar vorstellbar. Ein souveränes Auftreten wie er es hat, haben nicht viele Advokaten. Deshalb wurde er auch damals ausgeguckt, um die Fusion mit den Briten zu managen. Als einer von zwei Welt-Chefs: Wegen seiner lockeren Art, weil er die Kunst des Small Talks beherrscht. Bekannt ist er als guter Tänzer und hat auch schon anderen partnern Stücke der Comedian Harmonists vorgesungen.

 

„Sagen Sie nichts und schon gar nichts über zwei Minuten“

Sehr schön war sein Auftritt bei den „Juve“-Awards, als er auf die Bühne der Alten Oper in Frankfurt kam, um vor rund 1000 Branchenkollegen einen Preis entgegen zu nehmen. Und weil an der Stelle lange Reden fehl am Platze sind, kam er gleich auf den Punkt. Er solle hier nichts sagen, und schon gar nichts über zwei Minuten, habe ihm sein Pressesprecher eingeschärft. Und statt irgendetwas von Dankbarkeit ans Team zu faseln, erzählt der Grandsigneur beschwingt, dass schon seine Großmutter auf genau diesen Brettern aufgetreten sei. Ist er doch auch selbst auch in Frankfurt, in Sachsenhausen, geboren.

So richtig überraschend ist Mettenheimers Entscheidung nicht. Als er sich anschickte, Co-Weltchef zu werden für die Law Firm mit ihren 5000 Mitarbeitern, sprach er es gleich aus. Dass er es für möglich hielt, nach seinem Organisationsjob gar nicht mehr zurück ins Anwälte-Glied zu treten, sondern etwas ganz Neues zu beginnen. Ganz woanders.

Ihm war es damals bewusst, dass viele Managing Partner nach ihrem Job nicht mehr problemlos wieder an der Mandanten-Front Fuß fassten, sondern – manchmal nach einem Himmerfahrtskommando – ihre Sozietät verliessen. Denn auch wenn sie einen guten Job gemacht hatten: Dankbarkeit wird ihnen nicht entgegen gebracht. Und wenn sie erst mal ohne Mandanten wieder ganz von vorne anfangen müssen – denn die haben sie ja oft abgegeben an die Kollegen -,  waren sie eben erst mal nicht so profitabel wie die anderen. Sie seien `nicht mehr integrierbar´gewesen, sagten die Kollegen dann zur Erklärung, wenn sie nach dem ausgeschiedenen Managing-Partnern befragt wurden. Aber das Urteil galt jemand ganz anderem und ist auch schon länger her.

 

Und ein renommierter Anwalt einer anderen Kanzlei, der aber ungenannt bleiben möchte, ordnet ein: „In den USA ist es ein ganz normaler Vorgang, dass verdiente Partner in Unternehmensleitung oder zu Regierungsstellen wechseln.“

Die vergangenen Jahre bei Freshfields als Managing Partner nach der Fusion waren sicher alles andere als ein Spaziergang. http://www.handelsblatt.com/karriere/nachrichten/grosskanzleien-freshfields-sortiert-maechtig-partner-aus/2773218.html

 

30 Anwälte geschasst und 50 degradiert

Mindestens 30 Partner lernten in der Zeit, dass eine Anwälte-Partnerschaft in diesem High-End-Beratungsgeschäft – so nennen sich die Top-Kanzlei-Bewohner gerne selbst – in Deutschland nach der Jahrtausendwende durchaus nicht mehr lebenslänglich währt.

Jedenfalls nicht für die Partner, die weniger profitable Bereiche beackern oder weniger lukrative Mandate. Mancher, der damals vor sechs Jahren nicht von Bord gehen musste, aber degradiert wurde, hielt still. Froh, selbst nicht enttarnt worden zu sein. Denn wer das war, darüber schwieg Mettenheimer eisern. Aber rund 50 Runtergestufte waren es in Deutschland, erzählte er damals. Und wichtig war ihm: „Wer was für ein Partner ist, soll auch nicht identifizierbar sein, weder extern noch intern“, betont er im „Handelsblatt“. Weder getrennte Mail-Verteiler noch Partner-Treffen sollten die Herabgestuften verraten. Denn Höflichkeit ist Mettenheimer, – der im Sternzeichen des Schützen geboren ist und denen man die Eigenschaft zuschreibt – , wichtig.

Schlechtes Benehmen ärgert ihn richtig – und auch das das ist alles andere als selbstverständlich in seiner Zunft, in der man allzu oft seine Ellenbogen braucht. Dann greift der Ex-Bundeswehr-Offizier auch selbst zur Kaffeekanne, wenn jemand, der noch kein Partner ist, von einem anderen Partner übergangen wurde beim Einschenken. Dann giesst Mettenheimer bei der nächsten Runde dem Übergangenen zuerst ein. Demonstrativ.
Der Berufsstand der Anwälte hat sich in den vergangenen 15 Jahren stärker geändert als in 500 Jahren zuvor, bilanzierte Mettenheimer damals vor sechs Jahren. So wie er den Verlust von Arbeitsplätzen bedauerlich fand und menschlich nicht schön, aber nicht verwerflich. Denn das Wegrationalisieren von Arbeitsplätzen geschehe schließlich um des Ganzen willen.

Mettenheimer hatte sich einiges vorgenommen, als er als Manging Partner antrat. Dass die Profitabilität steigen sollte. Dass er den Umsatz genau messbar machen wollte, „wo verdient wird und wo nicht“. Und dann rechnete er vor, dass ein Anwalt in Deutschland die Arbeitskraft einer halben Sekretärin beanspruche, sich in London aber drei bis vier Anwälte eine Sekretärin teilen würden. Dass er „loyal, zuverlässig und gradlinig“ sei, stehe schon in seinen Zeugnissen, erzählte Mettenheimer mal über sich selbst.

 

Gastro-Kritik in sieben Punkten – wie aus der Pistole geschossen

Letzteres erlebte auch die Kellnerin im damals frisch eröfneten Düsseldorfer Hotel Interconti, die ihn arglos fragte, ob alles recht gewesen sei und ob es ihm geschmeckt habe? Er lieferte ihr aus dem Stand und wie aus der Pistole geschossen eine perfekte Gastro-Kritik. Klar strukturiert in sieben Punkten. Lobendes wie Kritisches im selben freundlichen Ton. Unaufgeregt wie bestimmt. Und er hatte mit jedem einzelnen Punkt recht.

Links:

http://www.handelsblatt.com/karriere/nachrichten/grosskanzleien-freshfields-sortiert-maechtig-partner-aus/2773218.html

http://bit.ly/ZxJ3tb

http://www.freshfields.com/profiles/Konstantin_Mettenheimer/?Region=germany&language=de

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