Warum Angestellte mehr Stress haben als Chefs

„Vorstände sind gar nicht gestresst. Die haben ihre Leute, auf die sie alles delegieren können“, erklärte mir schon vor Jahren ein kluger Headhunter.  Jetzt bestätigt ihn eine Untersuchung der Harvard University: Nicht die Manager in den Führungsetagen leiden unter Stress, sondern diejenigen, die geführt werden – und keine anderen Mitarbeiter führen.

http://www.pnas.org/content/early/2012/09/19/1207042109.abstract?sid=64da7386-04a7-4cf4-932e-0253862683ca

Denn: Führungskräfte haben Entscheidungsspielraum, sprich Freiheit, Autonomie und Kontrolle über andere Menschen. Sie haben das Sagen – und das entschädigt sie etwa für viel Arbeit oder die Verantwortung.

Leiden tun dagegen die nachgeordneten Mitarbeiter eben weil sie nachgeordnet sind. Weil sie keinen Einfluss haben, keine eigenen Gestaltungsspielräume undsoweiter. Im Klartext: Wer entscheiden darf, fühlt sich einfach gut und das macht viele Arbeit wett. Wer dagegen fremdbestimmt arbeitet, nur die Direktiven anderer ausführt, aber ansonsten ein mündiger, aufgeklärter Bürger ist, leidet unter der Bevormundung und genau das löst Stressgefühle aus. So, als werde er gradezu erniedrigt. Dass das nicht glücklich machen kann, ist klar. Zumindest nicht im 21. Jahrhundert und für Leute mit Abi und Studium oder einer anderen hochqualifizierten Ausbildung.

Denn wünschen sich Unternehmen auf dem Papier stets „unternehmerisch denkende Mitarbeiter“, so wollen sie das natürlich keineswegs – würde es doch nur den Betriebsablauf stören. Und genau dieser Widerspruch, im Job alles haarklein vorgeschrieben zu bekommen und Fehlentwicklungen zum Beispiel eben durchaus zu erkennen – aber nicht aufhalten zu dürfen – , löst bei den Menschen Stress aus.

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