Schöne neue Vodafone-Welt – in Lörick

Manchmal muss man sogar ein Baugerüst erklimmen, um auf eine Pressekonferenz zu kommen – heute bei Vodafone war es so. Und heftig geregnet hat´s auch noch. Vorgestellt wurde Vodafone Campus, die künftige neue Deutschland-Zentrale für 5000 Mitarbeiter in Düsseldorf-Lörick. 30-40 Prozent der Menschen können einen Parkplatz beim Arbeitsplatz bekommen, entweder unterm Haus oder mit etwas Fußweg gegenüber. Manche Eltern können ihre Kiddies in der Firmen-Kita Seesternchen unterbringen. Alle arbeiten künftig offen und transparant: Chefs wie Mitarbeiter haben gleich viel Platz, im Schnitt jeder zehn Büro-Quadratmeter. Toiletten undsoweiter sind darin nicht anteilig mit hineingerechnet, versichert Vodafone-Geschäftsführer Personal Dirk Barnard. Will man ihn sprechen, braucht man dann auch keinen Termin mehr bei einer Vorzimmerdame, sagt er.  Und weil Arbeit in der Telco-Zunft nicht mehr nur von einem Schreibtischstuhl aus passiert, sondern die Mitarbeiter mit ihren Laptos und Ipads mal im Stille-Bereich, der Bibliothek im Turm nebendran, oder im Innenhof unter Bäumen und mit Wasserspiel arbeiten, gibt in der neuen Zentrale nicht nur 5000 Stühle, sondern weitere 4000 Sitzplätze in Konferenz-Zonen und -räumen, Filz-Telefonzellen oder Filz-Sitzschachteln, Kaffee-Ecken und nicht zu vergessen  in der Kantine. Barnard selbst ist nur noch 20 Prozent seiner Arbeitszeit an seinem Platz, hat er ausgerechnet. Die andere Zeit ist er im Haus unterwegs, auf Meetings oder auf Dienstreisen.  Lärm soll absorbiert werden Das große Thema – und auch eine der 1100 Mitarbeiter, die schon inspizieren kamen – ist die Lärmdämmung: Selbst die großen Bilder an der Wand mit grünen Bambusrohren sind auf schallschluckendem Stoff gedruckt. Papiere sind – dem Trend der 90-er jahre immer noch folgend – verpönt. Alles soll in die PC´s wandern – dahin, wo Staatsanwälte oder Kartellwächter sie per einfacher Stichwortsuche ebenfalls am besten finden. http://blog.wiwo.de/management/2011/12/07/schreddern-sie-blos-nichts-sie-bringen-sich-um-ihre-eigenen-beweise-wenn-das-kartellamt-vor-der-tur-steht/#more-642696Nur juristische Abteilungen und für diejenige mit Datenschutzbedürfnissen gibts Vertrauenszonen. Die Glaskästen für Besprechungen der Personalabteilung etwa mit Mitarbeitern sollen noch mit Milchglas ausgestattet werden. Damit nicht jeder, der wütend ist oder in Tränen ausbricht dem Rest der Belegschaft ein Schauspiel als Stummfilm bietet.  Kaffeeküchen-Novitäten Interessant wirds in der Kaffeeküche: Aus den vermeintlichen Wasserhähnen von Grohe kommen Mineralwaser – man kann vorgeben ob mit viel oder wenig Bubbels – oder kochendheißes Teewasser. Selbst in den Toiletten soll nicht einfach Wasser aus dem Hahn kommen, sondern Luft wird beigemischt – zum Wassersparen beim Händewaschen. Unterm Strich haben´s die Vodafonies dann mit solcherlei Annehmlichkeiten – auch Fitneßcenter und Gesundheitscenter sind geplant – nicht schlecht. Aber wer für die Bindung an seinen Arbeitgeber auch eine eigene Zone braucht, wo er auf seinen zehn Quadratmetern der Schloßherr sein darf mit Fotos, Plakaten, Aufstellerchen oder einfach viel Arbeitsmaterial und Papier, sprich ein Individualist, der könnte keine Lust haben, sich total dem Design unterzuordnen. Und wirklich nötig ist es ja auch icht, denn anders als in der Bankfiliale an der Ecke oder beim Passamt, herrscht ja auch kein Besucherverkehr in großem Ausmaß. Und ob es wirklich die Kreativität des Einzelnen fördert, wenn er sich nur noch ins vorhandene Designs einzufügen hat wie ein Chamäleon, das muss nicht so sein.