„Nit gschimpft ist gnug globt“

Wie viele Gesundheiten haben Sie denn noch so? Nur die eine? Keine Ersatzgesundheit im Kofferraum? Dann sollten Sie vielleicht doch mehr darauf acht geben.

Sind Sie zum Beispiel eine Führungskraft? Nach dem „Fehlzeiten-Report“ des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (Wido) marschieren sie an durchschnittlich 8,3 Tagen ins Büro, auch wenn sie so krank sind, dass sie eigentlich ins Bett gehören. Und halten sich auch noch für Helden. De facto melden sie sich an nur 4,8 Tagen im Jahr krank. Wie sagte meine Ex-Vorgesetzte immer: „Der Friedhof ist voller unersetzlicher Leute.“

Fast jeder zehnte Krankheitstag ist psychisch bedingt

Doch weiter im Text: Steil ansteigend ist die Zahl der Krankmeldungen wegen psychischer Krankheiten. Die Ursachen sind laut Wido: Stress, Überlastung und Chefs, die zu wenig Anerkennung zollen. Die Wissenschaftler werteten zehn Millionen Daten von Erwerbstätigen aus: Seelische Störungen verursachten schon im vergangenen Jahr, 2010, 9,3 Prozent aller Fehltage im Job. Im Jahr zuvor waren es 8,6 Prozent.

 

Viele Krankheitstage gehen direkt auf das Konto der empathieloser Vorgesetzter

Eine Erkenntnis der Untersuchung ist jedenfalls für Unternehmen höchst aufschlussreich: 54 Prozent der Beschäftigten werden selten oder nie von ihrem Vorgesetzten gelobt. Und wer nicht gelobt wird, wird öfter krank. Wido-Geschäftsführer Helmut Schröder urteilt: „Das mangelnde Loben fördert weder das Wohlbefinden am Arbeitsplatz nochden Unternehmenserfolg.“ Wer Anerkennung erhalte, habe weniger gesundheitliche Beschwerden und identifiziere sich häufiger mit demeigenen Unternehmen, so Schröder. „Doch vieleChefs verhalten sich nicht entsprechend.“ Ihr Motto scheint aus dem Schwabenland zu kommen und  folgendermaßen zulauten: „Nit geschimpft istgnug globt,“

Häufigster Grund für Krankmeldungen: Rückenschmerzen

Im Schnitt waren die AOK-Kassenversicherten im vergangenen Jahr 17,6 Tage krank (0,3 Tage länger 2009). Die meisten Krankheitstage (24,2 Prozent) entfielen davon auf Muskel- undSkeletterkrankungen, an der Spitze dabei Rückenschmerzen. Ihnen folgen akute Verletzungen (12,9 Prozent) undAtemwegserkrankungen (zwölf Prozent). Auf dem vierten Platz stehen die psychischen Erkrankungen – mit derBesonderheit, diass sieviel länger dauern. Schröder: „Sie verursachen pro Jahr 23 Arbeits-Unfähigkeits-Tage unddamit die längsten Ausfallzeiten.“ Zum Vergleich: Wer Atemwegserkrankungen hat, bleibt im Schnitt nur6,4 Tage zuhause.

 

Je nach Branche sind die Fehlzeiten sehr unterschiedlich: Die Faustformel: Je mehr der Job körperlich beansprucht, umso länger die Ausfallzeit. SindStraßenreiniger und Müllmänner im Jahr durchschnittlich 30 Tage krank, sind es bei Hochschullehrern gerade mal 4,8 Tage.

 

Die Falschen werden zum Chef befördert

Das Fazit dieser Erkenntnis ist freilich – wieder mal – ,dass die Beförderungspraxis in den Unternehmen nicht stimmt. Es werden nie die besten Teamplayer befördert, sonder immer nur die Ehrgeizigsten, wer sich am besten selbst zu verkaufen weiß nach oben und diejenigen, die die besten Schraubendreher, Sachbearbeiter undsoweiter der Truppe sind. es wäre mir neu, dass danach geschaut, wird, wer einen guten Chef abgeben würde.

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Alle Kommentare [3]

  1. Die Psychomechanik beim Gaul ist weitgehend bekannt. Wer am besten beim Reiten klar kommt kriegt einen Pott.

    In der Firma sollte man gute Werte haben und nicht nur ein Ziel anvisiren – des Geldes wegen. Zugegeben wir alle müssen Essen, aber Lecklie und Peitsche war doch teilweise von Nietzsche, dessen Leben endete unglücklich.

  2. Die Fakten und Zusammenhänge sind nicht ganz neu und kommen auch nicht ganz überraschend. Umso erschreckender ist, dass diese Entwicklung offensichtlich an Geschwindigkeit und Bedeutung weiter zunimmt.
    Die Frage, die sich daraus ergibt, ist:
    Wie lassen sich diese aus deutlichem Fehlverhalten von sogenannten Führungskräften entstehenden Probleme beheben?
    Und vor allem: Wie lässt sich dieses Fehlverhalten selbst ausschalten?

  3. Wie kann man das Fehlverhalten der Führungskräfte abschalten?

    Garnicht. Man kann immer nur sich selbst ändern, bzw. das eigenen Verhalten ändern – was auch immer das in dem Falle bedeutet an
    Änderungserfordernis.
    Mein Motto: Wahrnehmen, Achtsamkeit und Langsamkeit, um eigene Veränderungsschritte zu gehen.