Sie sind Chef und können nicht führen? Macht gar nichts

Führungsqualität? Warum soll das wichtig sein? Das Thema finden Unternehmenlenker wie ihre Manager offenbar total unwichtig. Noch.

Zutage fördert diese bornierte bis menschenfeindliche Einstellung eine Untersuchung der Hochschule Osnabrück. Die Wissenschaftler Carsten Steinert und Dominik Halstrup, beide Professoren für Pertsonalmanagement,  befragten die Entscheidungsträger von 118 Unternehmen mit über 400 Mitarbeitern sämtlicher Branchen von Diestleistung, Finanzen, Handel, Industrie und produzierendes Gewerbe. Das Fazit der Personalmanagement-Profis: Schlechte Personalführung wird toleriert, Hauptsache das operative Ergebnis des Unternehmens stimmt. http://www.pressemitteilungen-online.de/index.php/schlechte-fuehrung-wird-toleriert-wenn-die-zahlen-stimmen/

Was sind die Hauptgründe für die Trennungen von Führungskräften? fragten die Wissenschaftler. Für die meisten – 82 Prozent – der befragten Unternehmen ist schlechtes Führungsverhalten für sie kein Anlass, sich von jemanden zu trennen. Die Hauptgründe für Trennungen dagegen sind für fast 50 Prozent „persönliche Gründe“ oder – für 42 Prozent – ein „schlechtes operatives Ergebnis“.

 

Das Thema Wertschätzung ist den Unternehmen egal

Dem Thema Personalführung bringen die Unternehmen also nur geringe Wertschätzung entgegen. Entsprechend sieht die Beförderungs- und Besetzungspolitik in den Unternehmen aus: Viele Chefs sind in Menschenführung gar nicht ausgebildet – und lehnen – um das Dilemma perfekt zu machen – Fortbildungsmassnahmen und Seminare dazu ab. Und weil´s die Unternehmensführung mit der fähigkeit zur Menschenführung nicht wichtig nimmt, bleibt´s auch so. Eine wissenschaftliche Untersuchung der Hochschule Osnabrück belegt es jetzt auch.
Fraglich ist nur, ob das noch lange so bleibt: Zum einen dürfte die Demographie dafür sorgen, dass die Unternehmen nach Jahren auf dem hohen Roß und mit Angstmanagement umdenken und sie auf den Trichter kommen, Personal ebenso aufmerksam zu pflegen. Etwa so gewissenhaft  wie ihre Maschinen. Oder haben Sie schon mal einen Vorgesetzten erlebt, der täglich gegen seinen Computer tritt oder auf den Fotokopierer eindrischt? Mißhandelt er dagegen Menschen – verbal oder durch respektloses, ungezogenes  Verhalten – , und setzt sie unter Psychodruck, ist das nicht so tragisch.

Zum anderen dürfte die drastisch ansteigende Quote der Burn-Out-Fälle und Psychoerkrankungen den Unternehmen irgendwann zu teuer und unbequem werden. Wenn sie schon die Reibungsverluste in schlecht geführten Abteilungen (Stichwort: innere Kündigung) lieber nicht zur Kenntnis nehmen.

 

Mittel-Manager finden Führungsqualität sinnlos

Die Erkenntnis des Wissenschaftler Steinert erschreckt: Wenn die Führung für das Top-Management keine Rolle spielt, fühlt sich die mittelere Ebene schlecht behandelt, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Die Folge: Die meisten Mitarbeiter sehen keinen Sinn darin, Führungsqulität zu entwickeln.

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Alle Kommentare [2]

  1. „Führungskräfte sehen nicht mal einen Sinn darin, gut führen zu können. Sie verweigern sich sogar bewusst entsprechenden Seminaren und Fortbildungen. “ – diese Logik ist schon erstaunlich.

    Die sogenannten „Führungskräfte“ (Unwort des Jahrzehnts?) dürfen in Konzernen nicht führen, da die elementare Befähigung fehlt: heuern und feuern. Das Heuern macht nämlich die HR-Abteilung und der Einkauf (bei externen MA). Das Feuern ist praktisch unmöglich (dt. Arbeitsgesetze). Was kann aber ein Chef bewegen, wenn er kaum über seine Teams entscheiden kann?

    „Führungsqualität“ ist der nächste Unbegriff, der eher zu einer Kaffeefahrt passt. Wie messen Sie diese „Qualität“? An der Anzahl besuchter „Führungsseminare“? Nein – im Ernst?!

    Und: können Sie mir sagen, wieso die „Führungsqualität“ schlecht sein, wenn das operative Ergebnis doch stimmt?! Warum soll man „führen“ – um ein warmes Nestgefühl in der Firma zu erzeugen?! Unfassbar…

    Unternehmen werden durch motivierte Einzelpersonen vorangetrieben, und wenn diese an ihrem Ziel (ihrer „Vision“ – auch so’n Management-BS) festhalten, dann führen sie.

    Generell nerven diese Wortspielereien, denn es geht doch einfach darum, ökonomisch maximal erfolgreich zu sein, und nicht um „Arbeitsplätze“, „soziale Verantwortung“ und ähnlichen Quatsch. Es sei denn, wir geben den Kapitalismus auf (wie weit sind wir davon entfernt?)

    „Why business people speak like idiots“ ist ein Buch für solche Gelegenheiten. Als Hörbuch übrigens einfach köstlich.