Über 100 Jahre alt muss der Blumenversender Fleurop werden – um jetzt das beste Geschäftsergebnis zu erzielen, was er je hatte. Mit zweistelliger Zuwachsrate. 3,1 Millionen Mal verschickten die Deutschen im vergangen Jahr Blumensträuße für 66,2 Millionen Euro, vermeldete die Nachrichtenagentur AFP.
Bis dahin klingt es nicht aufregend, doch bei genauem Hinsehen wundert einen doch das ein oder andere Detail:
1. Über eine halbe Million Euro des Umsatzes entfiel auf Gutschein-Karten, die die Empfänger irgendwann selbst einlösen sollen. Da würde mich echt interessieren, wie hoch bei Fleurop die Quote, der nie eingelösten Gutscheine ist? Ich tippe auf mindestens zehn Prozent, eher mehr. Viel mehr.
http://www.wiwo.de/blogs/management/2010/08/31/gutscheine-nerven-und-sind-ein-immenses-risiko/
Für Fleurop als Unternehmen ein Super-Deal: Nicht nur ein zinsloser Kredit, oft ein Geschenk – für den Gutschein-Aussteller.
Und weiter:
2. „Knapp 400 000 hochwertige Motivkarten“ sollen zum guten Geschäftsergebnis beigetragen haben.
Klar gab´s immer schon zu einem Fleurop-Geschenk-Strauß eine Karte. Aber das jetzt, muss was anderes sein, was ganz Besonderes. „Hochwertige Motivkarten“ – was kann das sein? Original-Künstler-Karten mit Signatur?
3. Dann der Preis vom Durchschnitts-Blumenstrauß: 30,20 Euro – das sind nach alter Rechnung – verzeihen Sie, aber mein Gehalt zum Beispiel wird bis heute so und nicht anders umgerechnet – 60,40 Mark. Das kommt mir sehr viel vor, so für einen Blumengruß. Nicht, dass ich mich nicht auch über Blumen freue, keine Frage. Aber die Steigerungsquote dieser Bluemenstraß-Verkaufspreise würde mich schon mal interessieren, so im 10-Jahres-Vergleich.
4. Und dann vermeldet Fleurop ein Umsatz-Plus von 11,8 Prozent – ausgerechnet im Firmenkundengeschäft.
Wie kann das bloß zustande kommen? Dass ich das letzte Mal Empfangssträuße beim Pförtner für neue Mitarbeiter en gros liegen gesehen habe, ist viele Jahre her. Mich deucht, zumindest diese Sträuße scheinen aus der Mode gekommen zu sein. Zum Ausstand bekommt auch keiner mehr Blumen, dazu verlassen auch viel zu viele Mitarbeiter die Firmen. Dienstjubiläen haben auch nicht mehr die Bedeutung wir früher. By the way: Dass mir jemand stolz seine Firmen-Uhr zum 20-Jährigen Jubiläum gezeigt hat, ist auch 20 Jahre her.
Aber vielleicht können sie es mir ja auch erklären? Zu welchem Anlaß oder wofür die Firmen über 11 Prozent mehr für Blumen von Fleurop ausgeben? Sind es geschenkte Blumen? An wen bloß? An diejenigen Geschäftsfreunde, denen früher – als von Compliance noch keine Rede war- ein Wochenende auf Mallorca samt Ehefrau spendiert wurde?
Sollte ein Zusammenhang zwischen Compliance-Regeln und mehr Blumensträuße von Firmen bestehen?
Oder haben schon dermassen viele Angestellten böse Krankheiten und Burn-Outs, dass sie alle Blumen-Genesungswünsche bekommen? Zu den gestiegenen Zahlen der Krankheitsraten sowie Fehltage und die Zunahme psychischer, langwieriger Erkrankungen würde es passen.
Oder müssen sich die Geschäftsleute so oft entschuldigen und Blumen zur Wiedergutmachung schicken?

Vielleicht haben sich ja auch nur die Werte verändert. Wer weiß.. vielleicht weiß man ja jetzt die Geste eine Schönen Blume zu verschenken einfach mehr zu schätzen 🙂