Duz- und Grüß-Offensiven aus dem Allgäu

Kennen Sie dieses rheinische „Du“? Es ist das „Du“, das dem Bofrost-Fahrer bei seinen Stammkunden permanent rausrutscht. Das nimmt keiner tragisch, ist nur nett gemeint.

Dann gibt es das Arbeitgeber- oder Vorgesetzten-„Du“ im Rheinland. Da weist der Chef seine Mitarbeiterin an: „Du, Frau Terpentin,  mach mal das und das…“. Ob das nett ist, oder einfach nur herablassend, darüber kann man sich trefflich streiten. Es soll eins jedenfalls nicht sein: Kumpelig, verbrüdernd oder irgendwie auf Augenhöhe. Im Gegenteil.

Dann gibt es noch diese besondere Mischform, das Hamburger „Du“, bei dem es heisst „Stefan, können Sie mal bitte den Kugelschreiber rübergeben?“ Man traut sich nicht, wirklich Du zu sagen, die sichere Distanz aufzugeben, will aber trotzdem nett sein. In der Oberstufe haben die Lehrer uns so genannt, Claudia und „Sie“. Damit fühlten sie sich wohler. Auch gut, war eh´ihr einsamer Entschluß.

Jetzt kommen aber Duz- und obendrein auch noch Grüß-Offensiven aus dem Allgäu. Taufkirchen und Oberstaufen wollen die Herzen ihrer Touristen erorbern, indem sie ihre Einwohner zum Grüßen der Besucher anhalten, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Mit Anstecknadeln mit „Hallo“ drauf und großen Transparenten beispielweise. Denn – so erklärt der Taufkirchner Bürgermeister Jörg Pötke der dpa – das „Grüß Gott“ läge vielen Taufkirchnern auf der Zunge zwar, sie trauten sich aber nicht, es auszusprechen. So schüchtern hat man als Rheinländer die Bayern nie zuvor empfunden, aber die werden´s besser wissen voneinander. Wenn sie sich denn noch einig werden, denn unumstritten ist die Aktion gemeindeintern nicht.

Die Oberstaufener dagegen eröffnen in den nächsten Tagen sogar zwei verschiedene Service-Schalter an der Touristen-Information: Wer geduzt werden will, nach rechts, die anderen nach links. Oder andersherum.

Wofür das? Lässt sich absehen, was die Mehrzahl der Touristen lieber hat, will man überlegen, ob man künftig in Oberstaufen die  Feriengäste grundsätzlich duzen will. Für ausländische Gäste wärs sicher ein großer Schritt nach vorn. Ein Fettnapf weniger mit der schwierigen deutschen Sprache und Grammatik.

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