Vier von zehn Mitarbeitern in Deutschland suchen einen neuen Arbeitgeber

Was ist los mit den Angestellten in Deutschland? Sind sie kollektiv auf der Flucht vor ihren Arbeitgebern? Zumindest 41 Prozent? Denn „41 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland bemühen sich aktiv um einen neuen Job“.

Dass besonders viele Leute auf der Suche nach neuen Jobs seien, las man in der jüngeren Vergangenheit eher in Untersuchungen, die auf Online-Jobportalen durchgeführt wurden. Sprich, wo ohnehin schon eher eine Zielgruppe wechselbereiter Leute zu finden ist. Doch diese vorliegende Umfrage kommt von der GFK, der Gesellschaft für Konsumforschung beziehungsweise GFK International Employee Engagement Survey von GfK Custom Research, und befragt wurden von Februar und April 2011 insgesamt 30.556 Arbeitnehmer in 29 Ländern durch Online-, Telefon- oder persönlichen Interviews. Im Detail misst das GfK Employee Engagement, wieweit sich die Menschen mit dem Unternehmen identifizieren, ihr Engagement sowie die Bereitschaft, bei dem bisherigen Arbeitgeber zu bleiben.

Das Ergebnis lässt aufhorchen. Und besonders sollten die Personaler aufhorchen, wenn sie denn tatsächlich nächstens viel Arbeit bekommen. Nicht nur weil sie den allseits beklagten Facharbeitermangel in Griff bekommen müssen, sondern dann obendrein auch noch Ersatz für viele ihrer heutigen Leistungsträger suchen müssen. Und nach all den Entlassungsrunden der vergangenen Jahre dürften in den Belegschaften nicht mehr allzu viele Mitarbeiter sein, die noch wirklich missliebig sind. Im Klartext: Man verliert diejenigen, die man eigentlich nicht mehr verlieren will – jetzt.

Der einzige Trost: Wenn im Schnitt 41 Prozent der Mitarbeiter eine neue Unternehmensheimat suchen, dürften ja auch Kollegen von der Konkurrenz auf Stellensuche sein – die kann man dann ja versuchen, anzuheuern.

Dann wird sich natürlich aber auch zeigen, welche Unternehmen begehrter sind als andere – sei es weil die Arbeitsbedingungen besser, die Vorgesetzten besser ausgewählt und geschult sind, das Betriebsklima freundlicher ist oder schlicht besser gezahlt wird – und welche Unternehmen in den vergangenen, bitteren Jahren besonders viel Vertrauen in ihrer Belegschaft eingebüßt haben.

Weltweit hat die Umfrage weniger hohe Zahlen von Wechselwilligen ergeben: International ist es jeder vierte, der beabsichtigt in den nächsten zwölf Monaten seinen Job zu wechseln. Und 25 Prozent von denen würden für einen besseren Job auch ins Ausland gehen.

Die wenigsten Wechsel-Wütigen haben Brasilien und Belgien: In diesen Ländern suchen nur 15 Prozent der Mitarbeiter eine neue Firma.

Übertroffen werden die Deutschen von den Kolumbianern mit 55 Prozent und den Amerikanern mit 47 Prozent.

Erstaunliches Ergebnis: „Selbst die USA und Kanada, also Länder, für die das alte Klischee vom Desinteresse an einem Leben im Ausland gilt, stehen vor der Tatsache, dass ein Fünftel ihrer Arbeitskräfte (also 21 beziehungsweise 20 Prozent) in ein anderes Land abwandern würden.“

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