Krank antreten und die Company schädigen

Was machen künftig subversive Mitarbeiter? Solche, die sich rächen wollen für die ausgebliebene Gehaltserhöhung, das gekürzte Weihnachtsgeld, den letzten – ungerechten – Rüffel vom Chef oder sein ausgebliebenes Lob für gute Leistungen? Sie gehen zur Firma, wenn sie das nächste Mal krank sind. Sie schleppen sich mit letzter Kraft an ihren Arbeitsplatz, schniefen und schnauben dan ganzen Tag vor sich hin – und schädigen damit ihren Arbeitgeber nach Kräften. Und trotzdem freuen sich die unmittelbaren Vorgesetzten und nehmen die Arbeitsleistung dankend entgegen. Und die Unternehmensführung ist stolz auf die vermeintlich niedrige Krankenquote. Manche Chefs verbreiten gar Angst und Schrecken in der Belegschaft, indem sie ausdrücklich klar machen, dass nur Schwachmaten krank zuhause bleiben. Und dass Krankheit noch lange kein Grund sei, keine Arbeit abzuliefern. Je nachdem wie hoch die Kündigungswellen gerade so schlagen, verfehlen die Worte ihre Wirkung nicht – nach aussen, sind sie freilich nie so gesagt worden, Waren höchstens ein Witz. Schon klar.

Präsentismus heisst übrigens dieses Phänomen, wenn Kranke meinen, trotz ihres Gesundheitszustands zur Arbeit gehen zu müssen. Und dieser Präsentismus beschäftigt schon seit einigen Jahren die Wissenschaftler, die die Motive der Betroffenene erforschen. Ob sie kommen, weil sie fürchten, andernfalls ihren Job zu verlieren?

Hin wie her, die Unternehmensberatung Booz & Company hat sich des Themas angenommen und ausgerechnet, dass der Posten Krankheitskosten in den Unternehmen zu zwei Drittel durch diesen Präsentismus erst entstehen. Dass es fürs Unternehmen besser wäre, der Mitarbeiter bleibt einfach zuhause und pflegt seine Gesundheit. Denn im Schnitt haben die Unternehmen je Mitarbeiter pro Jahr 1.199,– Euro Verlust durch Fehlzeiten des Arbeitnehmers – das sind die sichtbaren Kosten – ein Drittel. Nochmal 2.398,– Euro kommen obendrauf,   also 66 Prozent, gerade weil der Kranke ins Büro kommt: Nicht nur weil seine Arbeitsqualität sinkt, sondern weil gleichzeitig seine Fehlerquote steigt, ebenso wie die Unfallrate.Insgesamt kostet jeder kranke Mitarbeiter die Firma im Jahr 3.598 Euro.

Und damit nicht genug: Die Genesung verzögert sich, der Betroffene riskiert chronische Erkrankungen bis hin zum Burnout. Und gerade der dauert erfahrungsgemäß Monate.

Der volkswirtschaftliche Schaden – so rechnen die Münchner Berater vor – beträgt jährlich 129 Milliarden Euro nur für den Produktivitätsausfall, wenn man eine Fehlzeit von 15,4 Tagen zugrunde legt.

Erschreckend ist auch, welche Krankheiten wie häufig auftreten: Elf Prozent entfallen allein auf psychische Verhaltensstörungen, Tendenz: stark steigend.

Zur Studie: http://www.booz.com/de/home/Presse/Pressemitteilungen/pressemitteilung-detail/49542837

Der Corporate-Health-Award vom Handelsblatt:

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/strategie/gesunde-mitarbeiter-zahlen-sich-aus/3295322.html

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/strategie/sind-die-leute-gesund-freut-sich-der-chef/2546480.html

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