Raschelraschel, blabla, ringring – die eingepreiste Fehlerquote

Konzentration auf anspruchsvolle Arbeit – womöglich welche, die Mitdenken erfordert – und die normalen Geräusche in einem Großraumbüro schliessen sich gegenseitig aus: Dabei sind es heute nicht mehr die Nadeldrucker, sondern das Sprechen. Dazu kommen Papierrascheln, Klappern auf der PC-Tastatur und vor allem die vielen Klingeltöne der Telefone in allen möglichen nervigen Varianten. Zumal: Wer denkt schon daran, sein Telefon leiser zu stellen – aus Rücksicht auf die anderen -, wenn er weggeht oder gar tagelang auf Dienstreise ist? Ganz extrem sind diejenigen, die sich selbst einen Kopfhörer aufsetzen, um ungestört zu sein – aber dafür ihr eigenes Telefon 40 mal klingeln lassen. Sie hören es ja nicht einmal.

Hin wie her: Der ganz normale Schallpegel liegt, so rechnet Markus Meis vom Hörzentrum Oldenburg im Fachblatt „Creditrefom 5/11“ vor, zwischen 50 und 60 Dezibel. Und wieviel legt die Arbeitsstättenverordnung für vorwiegend geistige Tätigkeit fest? Eine Obergrenze von 55 Dezibel.

Noch mehr Details gefällig? Deutlich verständliches Gerede verschlechtert die Leistung bei vorwiegend geistiger Tätigkeit schon ab 35 Dezibel. Die Erklärung des Hör-Experten Meis: Je besser das Gesprochene verstehbar ist, umso stärker konzentriert man sich ungewollt darauf.

Welchen Schluss müssen also die Bewohner von Großraumbüros ziehen, wenn die Entscheidung für diese moderne Massen-Menschenhaltung fällt (natürlich immer von denen, die  nicht selbst dort hausen müssen)? Dass die Company  von Ihnen nicht mehr vorwiegend geistige Tätigkeit erwartet. Oder eben keine Arbeit mehr mit hohem Qualitätsanspruch – sprich, Sie dürfen ruhig Fehler machen. Ist ja gar nicht Ihre Schuld. Mehr noch: Ist eingepreist.

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