Die Damen mit weißem Bändchen sind nur für den HMI-Vorstand

Vor 20 Jahren stellte mancher Arzneimittelhersteller grundsätzlich keine weiblichen Vertreter ein – weil diese schließlich nicht mit den Ärzten ins Bordell gehen könnten. Eine derart abgelehnte Naturwissenschaftlerin – mit guter Figur, nettem Antlitz und langen blonden Haaren – war fassungslos. Die erste Lektion in Punkto späteres Berufsleben war schon mal ernüchternd für die junge Doktorin der Chemie.

Dank AGG würde ihr das heute wohl nicht mehr passieren – zumindest der Teil der Geschichte nicht, dass man ihr hinter vorgehaltener Hand irgendwann den wahren Ablehnungsgrund verrät.

Vertriebsmitarbeiter bei der Hamburg Mannheimer International (HMI) hätte sie aber wohl auch nicht werden können, zumindest nicht bis 2007. Denn ein Vorfall in Ungarn aus diesem Jahr amüsiert bis schockiert heute ein Zeitungsbericht über die Hamburg Mannheimer International nicht nur die Twitter-Gemeinde, der spektakulär ist:  http://www.wiwo.de/unternehmen-maerkte/sex-orgie-als-belohnung-466724/

Die Event-Verantwortlichen dieser HMI – dem Vertriebsarm der Hamburg Mannheimer, die viele noch aus der legendären Werbung mit Herrn Kaiser kennen – hatten sich ein ganz besonderes Bonbon für ihre besten Vetriebler zur Belohnung fürs Vertickern der Policen ausgedacht (Frauen scheint es unter den guten Vetrieblern in dem Unternehmen nicht zu geben – womit wir wieder das Thema Frauenquote streifen). Über 100 Vertreter  der Hamburg Mannheimer Versicherung – inzwischen ist diese in der Ergo aufgegangen –   wurden von ihrer Company nach Budapest eingeladen und dort auf Konzernkosten im historischen Gellert-Heilbad mit einer Sex-Orgie belohnt. Die Szenerie muss schier unvorstellbar gewesen sein: 20 bis 100 – die Zahl scheint nicht festzustehen – käufliche Damen wurden geboten. Die mit dem weissen Bändchen am Arm waren nur für den Vorstand und die Top-Top-Vertriebler. Was die speziell auszeichnete? Das „Handelsblatt“ jedenfalls verrät es heute nicht.

Dann gab es noch welche mir rotem Band oder gelben, je nachdem ob sie als Hostessen oder Gewerbliche da waren. Um es kurz zu machen: Die Herren standen Schlange vor den aufgestellten Feldbetten, je Einsatz bekamen die Frauen einen Stempel auf den Arm – manche sammelten bis zu zwölf Stempelaufdrucken ein.  Alles heute genau nachzulesen in „Deutschland Wirtschafts- und Finanzzeitung“, dem „Handelsblatt“, – mit etlichen vorsorglichen Hinweisen auf beweisfeste eidesstattliche Versicherungen von Zeugen.

Dabei waren die Veranstalter so vorsichtig gewesen: Damit die Sache nicht an die Öffentlichkeit und verräterische, eindeutige Beweise in falsche Hände gerieten, waren die HMI-Vertriebskanonen  wohl am Eingang des Gellert-Bads gefilzt worden – auf Fotoapparate und Foto-Handys. So weit hatten die Organisatoren der Sause also wohl doch gedacht: Dass man hervorragend die Kollegen, Chefs oder gar Vorstände damit erpressen kann – anschliessend. Wegen der „weiblichen Überraschungsgäste“, die dann kommen sollten.

Auf der Hauptversammlung hat denn auch ein Aktionär wohl Nikolaus von Bomhard als frühere Muttergesellschaft der HMI mit der Frage konfrontiert, ob es denn zutreffe, dass die Hamburg-Mannheimer ihre besten Vertreter in Budapest mit Prostituierten versorgt habe? Bomhards Antwort muss schliesslich ein „ja, da ist was schiefgelaufen“ oder so ähnlich gewesen sein. Und ungerührt soll er gewesen sein.

Das Finanzamt hat den Wert der Orgien-Reise für die Teilnehmer (viele sind auch heute noch bei Ergo/HMI) später als geldwerten Vorteil in Höhe von 3000 Euro eingestuft. Was die Ehefrauen dazu gesagt haben, ist nicht bekannt.

In der Mitarbeiterzeitschrift „Profil“ stand anschliessend Beziehungsreiches über den Event „Sachen gibt´s, die gibt´s gar nicht“ und wie wunderbar es sei, ein „HMI-Freak“ zu sein.

Andere Unternehmen gehen da cleverer vor und laden zu Incentive-Events grundsätzlich die Ehefrauen mit ein. Der Scheidungsquote dürfte es dienen und der Loyalität zur Firma auch.

Hin wie her: Die Frauenquote scheint bitte nötig zu sein. Spätestens bei der Überlegung, ob man für Vorständinnen auch Männer organisiert, wäre den Event-Spezialisten wohl ein Licht aufgegangen.

Wenngleich die Frauenquote ja offenbar an dem Abend in Ungarn ja zumindest gestimmt haben muss.

PS: Der Ergo ist die Angelegenheit jetzt doch irgendwie peinlich laut „RP online“ und sie versucht, sich davon zu distanzieren – was nicht so einfach sein dürfte. Bauernopfer und Hinweise auf austauschbare Unternehmenswerte, die vielleicht plakativ am Eingang hängen und die eine clevere Agentur irgendwo zusammengeschrieben hat, können da nicht reichen.

http://www.rp-online.de/wirtschaft/news/unternehmen/Ergo-distanziert-sich-von-Sex-Party_aid_999966.html?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=wirtschaft

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