Headhunter sind die Meister des angedeuteten Halbsatzes

„Um es gleich zu sagen: Ich bin ein großer Fan von Personalberatungen. Und: Ich bin davon überzeugt, dass ihre Funktion – gerade trotz Internet – wichtiger ist und wird denn je. Dass sich aber dieser Job nachhaltig verändert hat, scheint bei vielen noch nicht angekommen zu sein. Überholtes Aufgabenverständnis und Attitüde überdeckt verlorene Substanz. Arroganz toppt Ignoranz: ein Hauch  von altem Adel, Heiratsschwindler und Privatbankier – vor der Krise – liegt in der Luft. Die Meister des angedeuteten Halbsatzes bedienen sich skurriler Methoden, um sich selber mehr Gewicht zu geben. Und das normale „Vermittlungs-Volk“ zittert wie das Kaninchen vor der Schlange.

Müdes Jagen  

Personal-Beratung wird apostuliert – müdes Jagen praktiziert. Kopfprämien sollen im voraus bezahlt werden. Dabei ist gar nicht klar, ob das Wild – sprich der Kandidat – überhaupt auf der Lichtung erscheint. Und auch wenn ein Elch gesucht wird, tut´s doch auch die Lieferung eines Ziegenbocks, oder?

Und wie heisst dann die Entschuldigung? „Mehr geht eben nicht, Unternehmen, Markt, Image…sie wissen schon, alles schwierig“. Phrasen von „wir hören zu, lernen kennen, liefern passgenau…“ zerplatzen wir Seifenblasen und versuchen eine Magie zu erzeugen, die lediglich dazu dient, viel in etwas hinzuinterpretieren, wo eigentlich gar nichts ist. Und die Kandidaten? Sie spielen mit. Was sonst. Oder präziser formuliert: die Karrieristen, die Blender, spielen mit.

Die, die es könnten, fallen durch´s Rost, weil sie wahrscheinlich nicht genügend spannend sind auf der Oberfläche. Doch wer sucht schon nach Tiefgang?

Kandidaten als gestanzte Profile

Man weiss dabei gar nicht – wer ist Henne, wer ist Ei? Fest steht, die Personalberater fördern diesen Zirkus – aber alle beteiligen sich daran. Die Unternehmen erwarten gestanzte Profile. Personalberater liefern die gestanzten Profile und die Menschen, die das verstanden haben, geben eben solche gestanzten Profile ab. Und was kommt dabei raus? Viel zu wenig.

 Das muss sich ändern: Unabhängig von Krisen wird die Beschaffung und das Behalten qualifizierten Personals die zentrale Zukunftsaufgabe der nächsten Dekade. Dabei kommt einem qualifizierten Personalmanagement eine ganz wesentliche Bedeutung zu. Hierin könnten wirkliche Personalberater eine zentrale Rolle spielen. Employer Branding zählt, nichtAbschussprämien. Auf Jäger, die nur Spass am Schiessen haben, können wir dabei getrost verzichten. Da ist das Internet dann einfach humaner.

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