Wenn angelsächsische Titel nur noch nerven

Erinnern Sie sich an die Straßen-Umfrage unter Kosumenten, was wohl der Douglas-Slogan „Come in and finde out“ bedeuten möge? Fast keiner wusste die richtige Antwort und die Fehlvorstellungen der Menschen waren oft das Gegenteil von dem, was sich der Kosmetikhändler gewünscht hatte. Zwar rauschte die Umfrageergebnisse damals öffentlichkeitswirksam durch den Blätterwald, aber geändert hat sich – nichts.

Ausser dass manch ein Journalist bei der WM statt Public Viewing sich zu den Begriffen Rudelgucken oder Gruppengucken verstieg, was wenigstens witziger klang.

Die Titelhuberei auf englisch ist eher fortgeschritten. Man fragt sich immer, wenn man so eine Visitenkarte erhält, auf der ein Titel auf englisch und dann auch noch ellenlang – gleich aus bis zu fünf Worten im schlimmsten Fall – steht, was der Betreffende eigentlich tatsächlich macht oder zu sagen hat. Oder ob der Titel eigentlich aussagen soll, dass es sich um einen Blechorden handelt. Einer, mit dem der Arbeitgeber seine letzte Bitte um Gehaltserhöhung billig abbügelte und der arme Teufel nun noch obendrein mit so einem lächerlichen Titel geschlagen ist.

Jetzt hat das Online-Karriereportal Monster.de rund 2400 Internetnutzer gefragt, und heraus kam das mutige Bekenntnis: 42 Prozent der Befragten finden englische Ausdrücke „nervig und unnötig“. 48 Prozent finden sie in Ordnung, soweit sie nicht überhand nehmen und nur noch zehn Prozent wünschen sich jedenfalls im Job mehr Anglizismen, weil sie den Berufsalltag vereinfachen. Was für manchen Mikrokosmos ja auch durchaus zutreffen mag, aber eben die ganz Deutschlands Berufswelt. Das ist ein Unterschied.

www.monster.de

Übrigens: Die deutsche Sprache ist so reich an Worten, dass selbst Deutsche immer wieder neue Worte dazulernen können, wenn sie nur wollen – in ihrer eigenen Muttersprache. Erst vor kurzem war ein Kollege basserstaunt über das Wort „sybillinisch“. Er hatte es noch nie gehört. http://www.fremdwort.de/suche.php?term=sybillinisch

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Alle Kommentare [2]

  1. In der Tat, die englischsprachigen Titel sind manchmal wohl eher gut für den Schein, denn für das Sein. Die Beurteilung liegt aber nun mal im Auge des Betrachters, insofern gibt es ja vielleicht Hoffnung, dass Mittelstand und jüngere Unternehmen sich dem Trend nicht anschließen. In Konzernen ist Englisch oft eh schon (Achtung Anglizimus!) „working language“…

    Beispiel, dass mir mal in einem deutschen Unternehmen unterkam:
    Senior Vice President of Operations Department EMEA

    EMEA steht übrigens für Europe, Middle East and Africa – so wurde mir sicherhaltshalber noch gesteckt. Nun ja…

  2. Solange englische Titel oder besser Tätigkeitsbeschreibungen in einem tatsächlich vorhandenen internationalen Berufsumfeld verwendet werden, ist dagegen nichts einzuwenden. Bei Geschäftstreffen wird dann ohnehin das Englische die überwiegend verwendete Sprache sein.