Kostenkiller auf dem Pulverfass, Beispiel: Deutsche Bahn

Wie es zu den Pannen in Serie bei den Klimaanlagen der Züge kommen konnte? Dass man am falschen Ende gespart habe, diese Erkenntnis kommt rasch – und lag wohl auch auf der Hand. Die Tageszeitung „Express“  jedenfalls wartet – zwar anonymisiert, aber dafür recht konkret – mit einem 54-jährigen Mechaniker namens Hermann M. (Name geändert) auf , der als Mechaniker im Bahnbetriebswerk Hamburg-Eidelstedt ICE-Züge gewartet hat. Oder besser gesagt, nicht warten durfte, zumindest nicht so oft wie es eigentlich seine Pflicht war und so gründlich, wie es eigentlich vorgeschrieben war: „Wegen des Kostendrucks wurden die Wartungsintervalle verlängert. Immer weniger Personal muss immer mehr erledigen“, schilderte der anonyme Zeuge. Und dass das nicht funktionieren kann und dass nicht mal der Betriebsrat seine entsprechenden Warnungen hatte hören wollen.
Und dass die Arbeit dann als erledigt abgezeichnet werden musste, die gar nicht erledigt werden kann. Und zwar „auf Druck von oben“. Damit der Zug schnell wieder weiter fahren konnte.

Schlimmer noch: Selbst bei „größeren Mängeln“ gebe es einen „nie dagewesenen Wartungsstau“ – selbst in  sicherheitsrelevanten Bereichen. http://www.express.de/news/politik-wirtschaft/insider–bahn-trickst-bei-der-wartung/-/2184/4409470/-/index.html
So hatte auch der Fall der Berliner S-Bahn gelegen. Da hatte man laut Presseberichten den pflichtbewussten Mitarbeitern „Wahrnehmungsprobleme“ vorgeworfen. Wenig originell, handelt es sich doch nur um abgedroschene, auswendig gelernte Phrasen aus irgendwelchen Arbeitsrecht-für-Arbeitgeber-Handbüchern.

http://blog.handelsblatt.com/management/2010/02/25/pr-trick-wenn-anwalte-gutachten-persilscheine-sein-sollen/ Auch hier war auf Weisung von oben das nicht getan worden, was Gesetzespflkicht gewesen wäre. Mit demselben Ziel: Kosten sparen.

Das ist auch gelungen, aber leider nur zunächst – und eigentlich muss es jeder Führungkraft einleuchten, dass diese Managementmethode nicht lange gutgehen kann. Und dass sie damit ihren Job und am Ende sogar Schadenersatzzahlungen an ihre Company riskieren. Denn die wird ganz schnell die bösen Buben hängen – schön sichtbar für Kunden und Geschäftspartner -, beteuern, man habe nichts kaputtsparen wollen und die Kosten-Killer persönlich zur Kasse bitten.  Bei der Berliner S-Bahn mussten die verantwortlichen Manager rasch ihren Hut nehmen. Der Schritt steht bei der Deutschen Bahn noch aus.

Merke: Kosten-sparen kann jede Putzfrau. Eigentlich. Aber die richtigen Kosten streichen, das erfordert intensives Nachfragen, Checken und Umorganisieren. Oder manchmal auch ganz die Finger davon lassen, der Sicherheit zuliebe etwa. Und wer nur noch die Prämien-Euros in den Augen hat und seine langfristige Veranwtortung für die Firma darüber ganz vergisst, der hatte dazu wohl vorher keine Lust mehr, so scheint´s. Die schnelle Streich-Nummer erschien verlockender.

Nur: bei Image-Skandalen wie in den beiden vorliegenden Fällen richten dann plötzlich andere über sie, die Kosten-Helden. Diese nächsthöheren Manager stehen dann selbst plötzlich unter Druck und erheben plötzlich ihren Zeigefinger und lassen den Kosten-Spar-Star von gestern fallen wie die berühmte heisse Kartoffel.

Ketzerische Frage: Mussten die so eingesparten Kosten in den beiden Fällen vor allem deshalb so hoch getrieben werden, damit Unternehmensberater bezahlt werden konnten, die zu eben diesen Kostenmassnahmen zuvor rieten?

Experten raten zu neuen Spielregeln: Dass Wartungsarbeiten nur noch von Externen auszuführen seien – und nicht mehr von denen, die Kosten-Spar-Interessen verfolgen

http://www.focus.de/reisen/urlaubstipps/bahn/deutsche-bahn-wieder-probleme-mit-der-kuehlung_aid_530617.html

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Alle Kommentare [2]

  1. Nööööööööt!

    Auch externe haben Kosten-Spar-Interessen. Was dagegen hilft, sind klare SLAs. (Service Level Agreements). Und Partner, die nicht nach 6 Monaten pleite sind, oder die Mitarbeiter so schlecht bezahlen und so sehr unter Druck setzen, dass sie durch einen Lucifer-Effekt zu Fälschungen oder Schlamperei getrieben werden.

  2. Es ist nicht nur die Wartung. Leider. Auch im Namen des Arbeitnehmerschutzes verdursten Bahnpassagiere.

    Ich bin gestern in einem dieser überhitzten ICEs von Wien nach Würzburg gefahren. Nachdem im Bord-Bistro eine Innentemperatur von 40 Grad erreicht war, wurde es geschlossen. Unglücklicherweise befanden sich alle Getränkevorräte des Zuges dort. Das Zugpersonal konnte und durfte keine Getränge mehr verkaufen, obwohl viele Fahrgäste richtig Durst hatten. Bloss weil es irgendwelche Vorschriften dem Bahnpersonal verbieten, in einem Wagon mit über 40 Grad zu arbeiten. Wie perfide ist das?

    Hier sind die Details: http://www.briegleb.com/sebastian/28/bahn-klima-katastrophe/