An der langen Blackberry-Leine – beim Kindergartenfest und überhaupt

Sind Smartphones, Notebooks und Diensthandys für Führungskräfte eine moderne Fußfessel oder  ein Befreiungsschlag? Das ist die große Frage. Denn: 77 Prozen der Fach- und Führungskräfte haben heute das Gefühl, für ihren Job rund um die Uhr erreichbar sein zu müssen, ergibt eine Umfrage unter 1 200 Fach- und Führungskräften durch das Online-Portal Placement24. Und immerhin jeder zweite Befragte (51 Prozent) reagiert auf diesen Psychodruckk und kontrolliert deshalb am Wochenende auch regelmässig sein Diensthandy sowie seine Mails. Jeder dritte tut das nur in Ausnahmefällen.

Das kann durchaus von Vorteil sein: Einerseits entsteht manches Problem gar nicht erst, wenn man direkt eingreifen kann – und man spart sich somit viel Zeit, die man sonst zur späteren Problemlösung gebraucht hätte. Andererseits sind die hochgezogenen Augenbrauchen von Ehepartner und Kiddies, wenn man in der Freizeit zum Blackberry greift und ganz plötzlich heftig tippt, auch eine Psycho-Belastung. Ganz abgesehen davon, dass man selbst ja auch in seiner Erholungs- oder wenigstens Company-freien Zeit gestört wird. Denn Arbeit gibts ja auch im Privatleben genug – mit der eigenen Versorgung und womöglich der einer ganzen Familie. 37 Prozent der Manager empfinden die Blckkberrys & Co. denn zumindest auch als Unterstützung, weil sie flexibleres Arbeiten ermöglichen. Notwehrmaßnahmen? Klar kommunizieren, wofür man am Wochenende erreichbar ist – und wofür nicht, rät Placement24. Und vor allem: Anrufern klarmachen, wo sie einen gerade erreichen – auf dem Kindergartenfest, an der Ikea-Kasse in der Warteschlange oder beim Getränkemarkt auf dem Parkplatz beim Herumhieven der Wasserkästen. Dann verstehn sie zumindest, warum man gerade nicht mal mitschreiben kann.

Was die Sache jedoch zusätzlich erschwert – ausser dass die Grenzen zwischen Privatleben und Beruf immer weiter verschwimmen: 83 Prozent der Manager leiden inzwischen unter der Arbeitsverdichtung, die auch sie – in den oberen Etagen – nun erreicht: Stehen doch für – oft immer mehr – Arbeit immer weniger Menschen zu ihrer Erledigung zur Verfügung. Die Entlassungswellen der vergangenen Jahrzehnte zeigen inzwischen ihre deutlichen Spuren. Sprich, die Belastung des Einzelnen ist enorm gestiegen. Experten für Betriebsgesundheit wie der Bielefelder Wissenschaftler Badura beobachten ja bereits den rasanten Anstieg von Psycho-Erkrankungen in den Unternehmen und prophezeien weitere Zunahme.

Unerledigte Arbeit und gleichzeitig unausgeschöpfte Wachstumspotenziale in den Firmen sind längst die Folge. Ebenso wie immer laxerer Umfgang mit Sicherheitsvorschriften – egal ob in Krankenhäusern, wo es direkt um Menschenleben und Patientengesundheit geht oder aus Sparwahn. Und das hat Folgen, die zwar erst Jahre später ans Tageslicht kommen, aber dafür umso vehementer – siehe Berliner S-Bahn oder anscheinend auch die BP-Katastrophe.

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