40 Prozent mehr psychisch Kranke in den Unternehmen

Die Krankschreibungen aus psychischen Gründen haben um 40 Prozent zugenommen, vermeldet der sogenannte Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK). Weil sich die Arbeitswelt verändert hat, und zwar zum Negativen. Arbeitsverdichtung allerorten, immer mehr Arbeit für immer weniger Angestellte. TK-Vorstandschef Norbert Klusen listet auch noch die Zunahme der Zeitarbeitsverträge auf, die Steigerung des Arbeitstempos – auch durch ständige Handy-Erreichbarkeit und massenhaft Mails. Aber auch die Tatsache, dass der Arbeitsrhythmus immer weniger selbstbestimmt sei.

Vor allem: Patienten mit psychischen Erkrankungen sind – so die Studie – meist sehr lange arbeitsunfähig, oft mehrere Monate. Die Fälle, in denen Mitarbeiter länger als sechs Wochen ausfallen, sind allein in 2009 im Vorjahresvergleich um zehn Prozent gestiegen.

Des weiteren: Psychopharmaka wurden im vergangenen Jahr 30 Prozent häufiger verschrieben als vor zehn Jahren, Herz-Kreislauf-Präparate sogar mehr als doppelt so oft. Auf das Konto der veränderten Demografie und dem gestiegenen Durchschnittsalter geht nur ein Drittel dieser Steigerung. Die Zahl der Frauen, die Antidepressiva einnehmen, hat sich verdoppelt. Bei Männern liegt die Steigerung sogar bei fast 120 Prozent.

Und noch etwas zeigt die TK-Studie: Arbeit hat doch heilende Wirkung. Auch wenn die populäre Ansage ab den 70-er Jahren eher gegenteilig lautete. So hat die TK in dieser Studie auch herausgefunden, dass Arbeitslose heute im Schnitt 20 Tage arbeitsunfähig sind – und damit um 25 Prozent häufiger als noch vor zehn Jahren. Der durchschnittliche Arbeitslose fiel 2009 um 81 Prozent öfter aus als Berufstätige. Arbeitslose Frauen bekamen doppelt so viele Antidepressiva wie berufstätige Frauen verschrieben. Arbeitslose Männer lagen sogar um 200 Prozent über dem Volumen der Männer mit Job.

TK-Chef Klusen wünscht sich mehr betriebliches Gesundheitsmanagement in den Unternehmen: Arbeitnehmer seien bei besseren Arbeitsbedingungen zufriedener und leistungsfähiger. Die entsprechenden Vorteile für Unternehmen: Weniger Fluktuation, weniger Fehlzeiten und höhere Produktivität.

Der TK-Gesundheitsreportbasisert auf der Auswertung der Daten von 3,4 Millionen Beschäftigten  und Bezieher von Arbeitslosengeld I.

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