Sie entscheiden – auch durch Untätig-bleiben

Manche dürfte das Hörbuch von Reinhard Sprenger  „Die Entscheidung liegt bei Dir!“ bitter enttäuschen. Diejenigen nämlich, die am liebsten jammern, ohne wirklich handeln zu wollen. Und diejenigen, die sich in ihrer Opferrrolle gut gefallen – viel zu gut, um etwas daran zu ändern. Es ist doch ganz bequem, immer anderen die Schuld in die Schuhe zuschieben, statt selbst Verantwortung zu übernehmen. Denen nämlich hält der Managementautor und Führungsprofi aus Essen – er lebt das halbe Jahr in den USA und ist inzwischen in die Schweiz ausgewandert – den Spiegel vor: Dass es keineswegs so ist, dass sie nicht anders können. Dass man immer auch anders kann – aber das einem eben nur der Preis zu hoch ist. Und das ist einer der Kernpunkte: Dem Betroffenen selbst ist nur der Preis zu hoch, den will er nicht bezahlen – und das ist auch seine Entscheidung. Die hat er getroffen und kein anderer, wie er vielleicht sich selbst und anderen vorgaukelt. Dass man zum Beispiel nicht bereit ist, einen ungebliebten Job – vielleicht einen Beamtenposten – aufzugeben, weil man eben gar nicht den Preis zahlen mag: nicht mehr am Monatsende sein sicheres Gehalt in immer gleicher Höhe auf seinem Bankkonto vorzufinden. Dass dem eine Entscheidung zugrunde liegt, die man längst getroffen hat.

Die man vielleicht getroffen hat, indem man nicht gegengesteuert hat. Aber auch das war eben eine Entscheidung. Und dass Glück keine Glückssache ist, sagt Sprenger, sondern das Ergebnis eigenverantwortlichen Handelns. Manchmal könnte er etwas menschenfreundlicher daherkommen, ein klein wenig warmherziger und nachsichtiger. Aber an Konsequenz, Entschlossenheit und Durchsetzungsfreude mangelte es ihm persönlich noch nie – jedenfalls nicht, seit ich ihn kenne. Und  diese Kraft und so viel Mut bringt eben doch nicht jeder auf, egal wie sehr man sich anstrengt.

Und noch ein Aspekt kommt bei ihm zu kurz: Dass man machnal Rücksichten nehmen muss – und deshalb Kompromisse eingeht und nicht nur so handelt, wie es einem persönlich gerade passt.

Wunderbar ist es aber vor allem, den Autor Reinhard Sprenger selbst zu hören, wie er aus seinem Buch vorliest. Seine unverwechselbare Stimme – mit dem leichten rheinischen Dialekt („Die Entscheidung liegt bei dir! Wege aus der alltäglichen Unzufriedenheit“ Campus Hörbuch 2010, http://www.amazon.de/Die-Entscheidung-liegt-bei-Unzufriedenheit/dp/3593392194/ref=sr_1_4?ie=UTF8&s=books&qid=1273100298&sr=8-4

Das Buch erschien damals in erster Auflage 1997. Doch Sprengers Ausführungen sind  heute ebenso aktuell wie damals. Und kurzweilig allemal.

 

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Alle Kommentare [2]

  1. Interessante Art zu denken, muss ich sagen.

    „Und noch ein Aspekt kommt bei ihm zu kurz: Dass man machnal Rücksichten nehmen muss – und deshalb Kompromisse eingeht und nicht nur so handelt, wie es einem persönlich gerade passt.“

    Ich bin auch der Meinung, dass man Kompromisse eingehen muss, aber letztendlich muss man nach seinen Aussagen nur bereit sein die Konsequenzen zu tragen, dann kann man alles tun.

    Wenn man nun einen Kompromiss eingeht, dann verzichtet man auf einen bestimmten Teil seiner Meinung und Ansichten und gewinnt eine Übereinkunft. Ist man dazu nicht bereit, dann muss man eben die Konsequenzen tragen.

    Daher ist die Frage „Kompromis ja oder nein?“ wohl bei seinen Überlegungen fehl am Platze.