Der Marathon der verschenkten Werbe-Chancen

Warum nur verpassen so viele Unternehmen aus Düsseldorf die günstige Gelegenheit, bei der Bevölkerung an ihrem Standort für sich ordentlich die Werbetrommel zu rühren?  Falls sie doch noch mal Fachkräfte brauchen. Oder eine Behörden-Genehmigung für irgendetwas, wo vielleicht Anwohner zustimmen müssen. Oder einfach, weil sie ihre Produkte an den Mann bringen wollen. Beim Düsseldorfer-Marathon-Lauf hat es vor allem die Metro Group verstanden, sich gut in Szene zu setzen. An jedem Läufer stand  der Name des Handelsriesen über der Startnummer auf jeder Brust. Man sah überall nur Metro, Metro, Metro.

Gerade bei Düsseldorfern als Rheinländern ist klar, sie nutzen gnadenlos jede Gelegenheit zum Feiern: Und wenn es am Rande eines Marathons ist mit x kleinen und größeren Partys. Samba in Oberkassel, Jazz-Band mit -zig Ständen als Charity-Event auf der Fritz-Wüst-Straße im Zooviertel. Beides hat schon Tradition. Und es ist fast ein wenig drollig, wenn die Anwohner irgendwo mitten auf der Marathon-Strecke Tische und Stühle und Grill an den Straßenrand tragen, Fähnchen zwischen den Bäumen aufhängen, Texte auf Schilder malen zum Anfeuern unbekannter und bekannter Läufer, Freunde dazu einladen und das Ganze selbst bei Regen durchhalten.  Gute Laune, Jubel, Trubel, Heiterkeit. Rheinland eben. Auch ohne Karneval.

Und um wieviel mehr hätten sich viele gefreut, wären Teams ihrer Company – gut erkennbar mit einheitlichem Dress in den Firmenfarben undsoweiter – vorbeigelaufen. Zum Vorzeigen: „Guck mal, meine Kollegen…“ – und stolz sie hätten drauf sein können. Grade in der Krise. Die Henkel-Läufer hatten zwar – immerhin – halbwegs gut erkennbare Shirts an (siehe Foto oben).  Aber wäre es nicht besser gewesen – neuer Brand hin oder her – das gute alte Persil-Grün zu nehmen, für jeden weithin erkennbar? Und dafür gleich eine Riesenhorde von Mitarbeitern zu mobilisieren? So schwer kann das nicht sein, würde es die Personal- oder die Marketingabteilung – am besten beide zusammen – für sich erkennen. Und die ganze Klaviatur entsprechender Massnahmen spielen. Das muss beileibe nicht teuer sein, aber ehrlich sollte es rüberkommen. Das wäre in den meisten Firmen schon ein großer Schritt nach vorn.

Der Versicherer Ergo, der Mobilfunkanbieter Vodafone – wo waren die zum Beispiel? Wenn, dann waren sie nicht gerade üppig, vielleicht nur punktuell vertreten. Schade. Gerade wo sich der Versicherer in der Landeshauptstadt so sehr unbeliebt gemacht hat, als er erzwang, dass er ein Grundstück im Düsseldorfer Norden gleich neben Künstlerwohnheim und historischem Friedhof bekam, um sein angeblich unverzichtbares Rechenzentrum darauf zu bauen. Wenn nicht, ziehe man weg – samt

Gewerbesteueraufkommen und Arbeitsplätzen. Das zog. Ein hässlicher Klotz wurde es, der seither die Gegend verschandelt und – so munkeln die Düsseldorfer – nicht mal als Rechenzentrum genutzt werde.

Auch Vodafone hätte allen Grund gehabt, sich beliebt zu machen: Die örtlichen Sportvereine, die anfangs noch um Unterstützung baten, bekamen damals die besonders eigenwillige Abfuhr: Man konzentriere sich als Sponsor auf nur einen Verein – Manchester United. Und irgendwann fragen die lokalen Sportvereine dann auch nicht mehr an.

Air Berlin, die Stadtwerke Düsseldorf  und auch die Stadtsparkasse fielen positiv auf, Trimed auch.

Das Fazit? Lokale Präsenz ist für Firmen wichtig. Besonders bei so positiven Anlässen. Wenn nicht mal die Anwohner ihrer Stammsitze ihnen Symphathie entgegen bringen, wer dann?

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