Schneller arbeiten – indem man andere mundtot macht

Auch eine Arbeitsmethode. Eine Arbeitsmethode, um zügig voran zu kommen. Man spricht möglichst viel Fachchinesisch – damit das Gegenüber vor lauter Ehrfurcht schweigt, der andere sich schnell durchsetzen und sein Programm durchziehen kann. Ausgerechnet bei Ärzten und Patienten haben die Wissenschaftler der Uni Bochum das nachgewiesen.Wo Ärzte doch besonders auf Patienten eingehen sollten. Und Krankenkassen doch die „sprechende Medizin“ so hochhielten. Gefördert haben Kassenärztliche Vereinigungen und Krankenkassen stattdessen das Gegenteil: Honoriert wird unmenschliche Behandlung. Wer viele Patienten in wenig Zeit durchschleust, sie so selten wie möglich zu Gesicht bekommt, große Praxis-Einheiten bildet, nur die billigste Medizin verordnet, wenig andere Untersuchungen veranlasst undsoweiter, bekommt das höchste Honorar.

Und wie stellen die Mediziner sicher, dass die Patienten sich nicht festetzen und dieses Honorarziel vereiteln? Sie schleudern ihnen Fachchinesisch um die Ohren – um sich rascher durchzusetzen. Ihr Herrschaftswissen zementieren die Ärzte mit unverständlichen Begriffen. Untersucht wurden 52 Düsseldorfer Hausarztpraxen, die Probanden gaben sich als Kopfschmerzpatienten aus. Unterbrechungen durch die Patienten liessen die Mediziner einfachnicht zu. Wie? Indem sie schneller und lauter sprachen. Warum? Unter Stress und Druck wie dem ewig vollen Wartezimmer erschien dieses Verhalten den Medizinern als effektivstes Mittel.

Nebenbei bemerkt: Politikern, die maximal 30 Minuten Wartezeit in Arzt-Wartezimmern garantieren wollen, kommt dies natürlich entgegen. Denn solche Orga-Maximen setzen ja voraus, dass man nicht auf den Einzelfall eingeht. Den Einzelfall, der etwas mehr Zuwendung braucht, warum auch immer.

Und dass die Methode – andere mundtot machen und sich selbst durchsetzen durch den Gebrauch von unverständlichen Fachausdrücken oder Fremdworten – auch woanders klappt, ist kein Geheimnis. Und nicht nur im Medizinbetrieb.

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Alle Kommentare [2]

  1. Und je schneller und schlechter Patienten behandelt werden, umso langsamer werden sie geheilt und müssen dauernd wieder zum Arzt. Die damit verbundene Belastung der Mediziner steigt und natürlich auch die Kosten für die Allgemeinheit der Versicherten. Schuld daran sind die von monströsen Verwaltungsapparaten regierten Krankenkassen selbst. Und der „freischaffende“ Arzt muss dieses Spiel zum Nachteil der Patienten mitmachen, damit die Quartalsabrechnung bei der KV durchgeht und Geld zum reinkommt.