Die Arag gibt mehr für Kündigungsprozesse aus

Welches Wunder: Da verkündet die Rechtschutzversicherung Arag, dass immer mehr Arbeitnehmer jetzt um ihren Job vor Gericht kämpfen. Und dass es in 2009 für die Versicherung aus Düsseldorf 25 Prozent teurer wird als bisher.
Dabei: Schon die entsprechenden Formulare vom Arbeitsamt versuchen Entlassene seit Jahren dazu zu bringen, erst mal gegen den Ex-Arbeitgbeber einen Kündigungsschutzprozess zu führen – bevor sie Stütze bekommen. Wer sich dem fügt, klagt also auch erst mal.
Zudem haben so langsam auch die Letzten begriffen, dass diejenigen, die die 40 Jahre überschritten haben, bei der Jobsuche so gut wie keine Chance zu haben, wenigstens mal ein Vorstellungsgespräch zu erreichen. Von einer Anstellung mal ganz zu schweigen. Was bleibt also anderes übrig, als um den Arbeitsplatz erbittert zu kämpfen? Um ja auf dem Karussel zu bleiben.So gesehen sind 25 Prozent höhere Kosten für Kündigungsschutzverfahren nicht viel.

Erstaunlich nur, dass die Arbeitsgericht noch keine neuen Quoten vermeldet haben: Die Qouten ihrer geschriebenen, tatsächlich gefällten Urteile. Enden doch bislang die allermeisten Kündigungsschutzprozesse – über 90 Prozent – mit einem Vergleich. Das ist für Arbeitsrichter der gemütlichste und zeitsparendste Weg, müssen sie doch dann kein seitenlanges Urteil schreiben, sich nicht vorher entsprechend in den Fall eindenken und womöglich mühsam, zeitraubend in der Fachliteratur nachblättern undsoweiter. Da ist es doch effizienter, um nicht zu sagen einfacher, gleich einen Vergleichsvorschlag zu machen.Verbunden mit der unverhohlenen Drohung, den der bockig ist – und ein Urteil will – verlieren zu lassen.
Siehe der einschlägige Stern-Titel vor einigen Monaten, der zu dem Ergebnis kam, dass es mit dem Arbeitsrechtsschutz in Deutschland lange nicht so weit her ist wie immer behauptet. Ein deutsches Märchen?
Und was ist mitdem Gewissen der Arbeitsrichter? Das beruhigen sie vermutlich mit den anscheinend so hohen Abfindungen, die da gezahlt werden, um sich vom Recht freizukaufen. Von denen erst mal der Fiskus seinen Obulus bekommt und die dann doch so schnell zerinnen – ohne dass ein neuer Job in Sicht ist.

Würden Arbeitgeber öfter zu Unrecht Gekündigte zurück bekommen – ohne die Möglichkeit, sie zur Strafe in den Keller zu setzen, würden sie selbst vielleicht manchem Problem eher mutig ins Auge schauen und selbst oder rechtzeitig eine Lösung finden.

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