Wie ein unberechtigter Vorwurf eine große Law Firm zerstörte: Der Fall Haarmann Hemmelrath

Der größte Kanzleizusammenbruch Deutschlands hätte nicht sein müssen: Ein falscher Vorwurf trieb die Großkanzlei Haarmann Hemmelrath in den Ruin. Und genau davor ist auch kein anderer Dienstleister sicher, keine Anwaltssozietät, keine Unternehmensberatung und keine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft – ein Lehrstück.
Die Geschichte klingt wie ein Alptraum. Nur dass die Protagonisten nicht mehr daraus aufwachten. Allein wegen einer einzigen Klage zerbrach ausgerechnet die große, renommierte Anwaltskanzlei Haarmann Hemmelrath & Partner (HHP). Sie konnte ihren eigenen Niedergang nicht aufhalten. Jetzt wurde sie viele Jahre später rehabilitiert und bekommt eine Millionensumme Schadensersatz – wie viel, darüber wurde Stillschweigen vereinbart.
Der Stein kam ins Rollen, als die Werhahn-Gruppe als Mandant von Haarmann Hemmelrath ihre eigene Kanzlei vor fünf Jahren wegen Falschberatung verklagte. Die Oberfinanzdirektion Düsseldorf hatte die Steuersparkonstruktion, die HHP ausgeklügelt hatte, nicht anerkannt. HHP hatte die Werhahn-Tochter Märkische Bau Union beim Verkauf von Unternehmensteilen beraten und ein Konzept entwickelt, wonach keine Steuern anfallen sollten. Dennoch schickte das zuständige Finanzamt Neuss nach einer Betriebsprüfung drei Jahre später der Werhahn-Gruppe einen Steuerbescheid über 480 Millionen Euro.
Deshalb beauftragte die Werhahn-Gruppe die Kanzlei Clifford Chance und verlangte 430 Millionen Euro Schadensersatz wegen Falschberatung von HHP. Zwar lenkte das Finanzamt noch im November 2004 ein. Doch die Kanzlei kam ins Wanken, die Klagen vor Gericht gingen weiter: Da atomisierte sich eine der Top-Ten-Law-Firms, die 21 Büros in aller Welt hatte. Über 1 000 Mitarbeiter arbeiteten dort, keine andere deutsche Kanzlei war so groß. Doch nachdem das Damokles-Schwert der horrenden Schadensersatzklage über der Kanzlei schwebte, verließen immer mehr Partner die Sozietät. Schließlich beschloss die Kanzlei selbst ihre eigene Liquidation im Dezember 2005.
Die Tragik dabei: HHP hatte von Anfang an recht und keinen Fehler gemacht – das steht heute fest. Das Ganze geschah, obwohl diese Kanzlei eine der Renommiertesten im Steuerrecht war. Einen „kometenhaften Aufstieg“ attestierte das Fachblatt „Juve“ HHP und nannte sie den „Star unter deutschen Steuerrechtskanzleien“. Sie war es, die Vodafone bei der feindlichen Übernahme von Mannesmann beraten hatte.
HHP passierte, was auch jedem anderen Dienstleister passieren kann: jeder Anwaltssozietät, jedem Unternehmensberater oder Wirtschaftsprüfer. Und das Bemerkenswerteste daran ist: Niemand kann sich vor so einer Klage eines Klienten schützen – und der entsprechenden Presse.
Im Falle HHP endete es jetzt mit einem Vergleich. „Irgendwann muss Schluss sein“, kommentiert Wilhelm Haarmann. Man habe „keine Lust mehr zum Prozessieren. Und es war alles andere als nötig, den Prozess gegen HHP zu eröffnen.“ Heute sitzt er im selben Frankfurter Büro und am selben Schreibtisch wie zu HHP-Zeiten und berät in Sachen Steuerrecht – aber in einer Kanzlei mit rund 20 Leuten statt über 1 000.

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Alle Kommentare [3]

  1. hoffenbtlich sterben sie alle, diese Betruegeranwaelte,
    2tens, zeigt dieser Fall, wie
    weit deutschland aks rechtsstaat
    haufenweise versagt !!!!

  2. Meinst du also ?

    >>hoffenbtlich sterben sie alle, diese (Stelle von Redaktion aus juristischen Gründen unkenntlich gemacht) -anwaelte,
    >>2tens, zeigt dieser Fall, wie
    >>weit deutschland aks rechtsstaat
    >>haufenweise versagt !!!!

  3. Wie bitte??????

    1000 Top Juristen verlieren Ihren Job. Einer der Besten Steuerrechtler Deutschland wird diffamiert, von einer inkompetenten Steuerbehörde. Und Du findest dass gut?