Anonyme Chef-Bewertungen im Internet

Je härter die Zeiten umso mehr leiden die Umgangsformen? Die Webseite www.bizzwatch.de könnte auf lange Sicht so mancher Führungskraft, der die gute Kinderstube fehlt, Manieren beibringen.Auf der Seite werden nämlich Chefs bewertet – damit einerseits Arbeitnehmer frühzeitig Klarheit bekommen, bevor sie in einem neuen Unternehmen anheuern. Und damit Unternehmen andererseits sich selbst an genau derselben Stelle präsentieren können. Oder sie können eben nachlesen, wie ihre Führungskräfte in den Augen der Mitarbeiter und vor allem der Ex-Mitarbeiter wegkommen und entsprechend reagieren, um ihr Unternehmensimage zu pflegen. Denn: „Mitarbeiter verlassen immer ihren Vorgesetzten, nie das Unternehmen“, urteilte schon Management-Coach und Bestseller Autor Reinhard Sprenger.
Das Entscheidende an Bizzwatch: Diese Bewertungen betreffen nicht nur ganz allgemein Firmen wie BMW, Henkel und Konsorten – Rankings der beliebtesten Arbeitgeber gibt es auch längst. Bei www.kununu.de ist so etwas schon länger nachzulesen. Aber wie das Sozialverhalten, die Führungsqualität oder die Glaubwürdigkeit der einzelnen Vortuner ist, das ist ebenso interessant wie die Benotungen der Lehrer auf www.spickmich.de . Ähnlich wie die Lehrer könnten sich also bald auch einzelne Chefs aufbäumen gegen das, was ihnen ins Internet-Stammbuch geschrieben wird. Die Gymnasiallehrerin aus Moers, die den Weg durch die Instanzen gegen ihre Note 4,3 angetreten hat, bekam zwar gerade vom Bundesgerichtshof eine Abfuhr. Anonyme Meinungsäußerungen im Netz seien zulässig, konstatierten die Zivilrichter. Doch heute ließ die Dame durch ihren Anwalt wissen, dass sie nunmehr vors Bundesverfassungsgericht ziehen will: Weil ihr „Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung verletzt sei und weil ihre Daten ohne ihre Einwilligung in dem Internet-Portal verwendet“ würden. Da stellt sich die Frage nach der Konsequenz – sollte diese Lehrerin plötzlich obsiegen.
Jedenfalls: „Die schnell wachsende Transparenz durch das Internet macht auch vor Arbeitgebern und Chefs nicht Halt“, urteilt Headhunter Uwe Schuricht von Change Group in Berlin. Gute Unternehmen und gute Vorgesetzte bräuchten sich deshalb auch nicht zu fürchten vor diesen öffentlichen Bewertungen. Wichtig sei nur, dass weder Beleidigendem noch übler Nachrede oder strafrechtlich Relevantem Vorschub geleistet werde.
http://meedia.de/web-special/neue-sites/detailansicht/artikel/deu/1734.html

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Alle Kommentare [7]

  1. Man muss sich erst an die Idee der Bewertung gewöhnen, aber es sind ja schließlich auch „nur“ Meinungsäußerungen einzelner, die man glauben kann oder nicht. Als solche muss man sie auch verstehen, denke ich. Genauso machen wir das ja auch bei Hotels, bevor wir buchen. Da ist die Bewertung schon gang und gäbe und regt längst niemanden mehr auf.

    Ich hab bizzwatch.de gerade mal ausprobiert. Die Kategorien zum Bewerten sind vorgegeben,ganz nett gemacht. Beleidigungen oä. kann man gar nicht eingeben. Man bekommt als Ergebnis einen ganz guten ersten Eindruck, aber es ist sicher nicht repräsentativ.

  2. Erst mal herzlichen Dank an Claudia Tödtmann für den Artikel über bizzWatch.de. Ich denke, es wird ganz gut deutlich, was bizzWatch.de bietet, was es bezweckt und was das Portal von anderen unterscheidet.

    Das Zitat von Reinhard Sprenger „Mitarbeiter verlassen immer ihren Vorgesetzten, nie das Unternehmen“ trifft unseren Ansatz perfekt: Unternehmen sind People-Business, Menschen prägen die Firma. Das wollen wir in der Kobination von Firmen-Bewertung und Chef-Bewertung abbilden.

    Ein Punkt geht aber noch ein wenig unter. Die Chefbewertungen sind nicht isoliert zu betrachten, sondern fließen in die Gesamtnote des Unternehmens ein, in dem der Chef beschäftigt ist. Dazu haben wir eine Formel entwickelt, die Faktoren wie Unternehmensgröße, Anzahl der bewerteteten Kriterien, Alter der Bewertungen und einiges mehr berücksichtigt.

    Probiert es einfach aus, ihr werdet sehen, dass das Bewerten einfach funktioniert, schnell geht und Spaß macht. Bitte habt ein wenig Nachsicht, falls es an der ein oder anderen Stelle noch nicht ganz rund läuft: BizzWatch ist gerade erst gestartet und wir verbessern die Seite jeden Tag. Falls Euch etwas auffällt, mißfällt oder besonders gut gefällt, mailt uns einfach: info@bizzwatch.de

    Wir freuen uns über jede Anregung.

    Viele Grüße
    Euer bizzWatch-Team

  3. ein anderer Ansatz zur Beurteilung einer Führungskraft ist bei Hallo-Chef in Form des 360-Grad-Feedback zu finden: http://www.hallo-chef.de/360-grad-feedback.php5 . Dieser Anbieter bietet Online eine Vorgesetztenbeurteilung an, die in der Basis-Ausführung sogar kostenlos ist. Das Feedback muss aber vom Chef initiiert werden und der Vorgesetzte entscheidet, ob und wie er die Ergebnisse seinen Feedback-Gebern mitteilt.

  4. eine prinzipiell gute Idee. Allerdings darf die Aussagefähigkeit der Bewertungen stark bezweifelt werden, da die Bewertungen ja zufallsgesteuert und in der Regel in zu geringer Anzahl eingehen werden.
    Wie will man Gefaälligkeitsbewertungen und „Eigenlob“ auscchliessen?

  5. Die Idee klingt gut. Es ist aber fraglich, ob die Bewertungen irgendeine Aussagekraft haben. U.a. wird die Anzahl der Beurteiler zu gering sein. Trotzdem viel Erfolg.