CNN-Kultmoderator über die neue Freudlosigkeit der Dienstreisen

Nichts mehr zu lachen auf Business-Trips?

Dieser Tage hat man als Wirtschaftsmoderator nicht viel zu lachen – noch weniger, wenn man auf Geschäftsreisen ist. Mal angenommen, man darf überhaupt einen Business-Trip antreten, dann wird die Reise von vornherein so kurz wie möglich gehalten. Statt der gewohnten Business Klasse darf man nur Holzklasse fliegen und die Sterne der Hotels, in denen man absteigt, sind längst verblasst: Eine Welle der Budgetkürzungen, die sich überall bemerkbar macht!

Auch wenn wir uns noch so beschweren: „Wie zum Teufel soll ich denn meinen Job machen? Per Video-Konferenz etwa?”, es hilft nichts…
Richard Quest
CNN-Kultmoderator Richard Quest exklusiv für handelsblatt.com
Und glauben Sie mir, ich habe jede Ausrede versucht, die es gibt: “Ich muss schließlich arbeiten, wenn ich ankomme…” und: „Ich bin knapp 1,90 m groß, ich habe einfach nicht genug Platz in der Economy Klasse…” und der beste Trick: „Die Economy Klasse war ausgebucht, da musste ich in der Business Klasse fliegen…!”

Aber mal ehrlich: viele von uns fliegen Business, weil wir es können und sitzen in den bequemen (sprich teuren) Sitzen, weil wir es dürfen. Und wir schlafen in 5-Sterne-Hotels, weil niemand sich bisher die Mühe gemacht hat, unsere Abrechnungen genau anzuschauen. Nun hat der Spaß ein Ende – und wahrscheinlich ist das auch einmal an der Zeit.

Unsere kollektive Heuchelei, dass wir den Atlantik unmöglich in der Economy Klasse überqueren können, wenn wir die Firmenkreditkarte durchziehen, aber durchaus zweiter Klasse reisen, wenn es aus der eigenen Tasche bezahlt wird, zeigt unsere Doppelmoral. Wir haben nicht erkannt, um mit den Worten des ehemaligen britischen Premiers Harold MacMillan zu sprechen, „wie gut wir es hatten”. Oder mit anderen Worten: „wir haben abgesahnt, solange es ging.”

Selbstverständlich gibt es Geschäftsreisende, die so oft Ozeane überqueren, wie andere ihre Bettwäsche wechseln und einen ruhigen Schlaf in einem bequemen Bett auf gut 10 000 Meter Höhe verdienen. Diese Strecken zählen zu den Ausnahmen: Flüge über den Pazifik bzw. von Australien/Asien nach Europa, bei denen allein die lange Flugzeit eine angenehme Reise rechtfertigt. Ich kann immer noch nicht fassen, wie manche Menschen ihre fünffachen Reisekosten bei Flügen in der Business Klasse von weniger als sechs Stunden rechtfertigen können…

Die Masche mit den Hotels ist allerdings noch weitaus frecher. Wir erfinden die lächerlichsten Ausreden, nur um in überteuerten Hotels übernachten zu können, die als Statussymbole gelten. Ich versichere Ihnen – in einem guten 3-Sterne Hotel finden Sie einen ebenso ruhigen Schlaf, wie in einem 5-Sterne Luxushotel (auch, wenn es ihr Ego über Nacht verletzen sollte!)

Im 3-Sterne-Hotel würde es heißen: „Hallo, Herr Degradiert… schön, Sie wieder zu sehen. Wie immer freuen wir uns, Sie bei uns begrüßen zu dürfen.“ Dann würde eine Wasserflasche in Ihrem Zimmer knallen, auf dem Weg zum Abendessen würden Sie fröhlichen gegrüßt werden und nach dem Auschecken würde man sich an Ihren Namen erinnern. Und ich garantiere Ihnen, Sie würden Ihren Kollegen von einer wunderschönen kleinen Unterkunft erzählen, die Sie entdeckt hätten und wo Sie so vorzüglich behandelt wurden.

Das tatsächliche Problem ist nicht, dass wir unsere Egos stündlich aufpoliert bekommen wollen, sondern dass die Reiseindustrie mit uns gespielt hat, wie ein Profi-Geiger seine Stradivari. Elite-Mitgliedschaften in „Über-Treue“-Programmen, alle schick verpackt im Fachjargon wertvoller Steine und Metalle: Gold, Platin, Diamant…

Ich kann Sie mit den Zähnen knirschen hören, während Sie das hier lesen. „Brutus, Verräter,” schreien Sie. Aber ich kann’s verkraften…

Natürlich habe ich ein Problem… Wie kann ich leugnen, diesen Artikel geschrieben zu haben, wenn die guten Zeiten zurückgekehrt sind und ich vor dem Elite-Check-in stehe oder mich in einer 5-Sterne-Suite wiederfinde? Nicht so leicht…

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