Der Mörder ist immer der Gärtner – der Verräter meist der Mitarbeiter

Es ist schon fatal: Die eigenen Mitarbeiter bedeuten für die Unternehmen und die Unternehmenslenker das größte Risiko. Das belegte erst kürzlich eine großangelegte Umfrage vom Handelsblatt und Corporate Trust, dem Münchner Unternehmensberater für Sicherheitsdienstleistungen: 7 000 Unternehmen waren gefragt worden, 741 offenbarten sich und heraus kam, dass weder Hacker noch Konkurrenten die Bedrohlichsten sind. Konkurrenten sind es nur in 13 Prozent der Fälle. In 25 Prozent aller Fälle saß der Feind in den eigenen Reihen, sprich es war der eigene oder die eigenen Mitarbeiter. Ausgerechnet.Der, dem man trauen können sollte. Der, vor dem man sich am schlechtesten schützen kann und den man aber immer dringend braucht, um feindliche Attacken abzuwehren.
Kein Wunder also, dass die Unternehmen nicht bereit sind, darüber zu sprechen und sich schon dreimal nicht in der Presse wieder finden wollen. Keins.
Auch nicht die Liechtensteiner Banker – die es einfach nicht verhindern konnten. Im Falle Zumwinkel/Liechtenstein, wo es ebenfalls ein Mitarbeiter war, der anscheinend jetzt mehr als 1 000 Kunden seines eigenen Brötchengebers, der Bank, ans Messer geliefert hat. Indem er ihre Daten mitgehen ließ. Über die Motive des Untreuen lässt sich trefflich spekulieren: Ob man ihm jahrelang die Gehaltserhöhung verweigert hat? Ob man ihn ungerecht behandelt hat? Ob er einfach nur geldgierig war und die Gelegenheit genutzt hat? Oder alles zusammen?
Ein „Informant“ ist es auch in einem anderen spektakulären Fall, der „schwerwiegende Vorwürfe“ gegen Franjo Pooth erhebt, den Ehemann von Verona Feldbusch. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Insolvenzverschleppung. Untersucht wird in diesem Zusammenhang auch, ob der 38-Jährige private Rechnungen aus der Firmenkasse bezahlt hat: Eine Schwimmweste für den Sohn Diego, Bräunungscreme und Restaurantbesuchen von Verona. Und dass Verona Feldbusch bei ihrer Hochzeit vor drei Jahren gesagt hat, dass sie sich mit den Kosten dafür „nie auseinandergesetzt hat“ und dass ihr Ehemann Franjo sehr gut verdiene: „Er regelt das alles aus seinem Büro.“
Ob der „Informant“ ein Angestellter von Franjo Pooth ist? Zumindest spricht einiges dafür – wenn er sich in der Buchhaltung seiner Firma so gut auskennt, dass er so genaue Detailangaben macht.
http://www.handelsblatt.com/news/Default.aspx?_p=200038&_t=ft&_b=1355603Die Handelsblatt-Studie zum Herunterladen: http://bc1.handelsblatt.com/news/loadbin/ShowImage.aspx?img=1567932
http://www.ftd.de/karriere_management/management/:Dein%20Feind%20Mitarbeiter/319744.html
http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/artikel/693/159262/
http://www.rp-online.de/public/druckversion/regional/duesseldorf/duesseldorf-stadt/nachrichten/536912

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Alle Kommentare [2]

  1. Sehr geehrte Frau Tödtmann,
    Ihren Ausführungen kann ich zustimmen. Das die befragten Unternehmen nicht in der Presse erscheinen oder überhaupt dieses Manko erwähnt wissen wollen, lässt auf eine höhere Dunkelziffer an Ereignissen schließen, als zugegeben wurde. Und dazu fällt mir ein Sprichwort ein, welches meine Großmutter des öfteren verwendet hat. „Wie du in den Wald rufst, so schallt es heraus“. Mitarbeiterführung ist nahezu eine Kunst und die Zufriedenheit der MA ein hohes Gut. Oft wird dies außer Acht gelassen.

    Einen schönen Tag wünsche ich Ihnen

  2. In den USA werden Informanten gesetzlich geschützt und auch von den Unternehmen selber. Dies sind dankbar wenn die Kriminalität in den eigenen Reihen aufgeklärt wird.
    Warum dies hierzulande verpönt ist, die Frage darf sich jeder selber beantworten.

    Das berühmte Schweigen ist von der Mafia her bekannt und Verräter werden getötet.
    Die Frage ist: Was für Unternehmen wollen wir?

    Ist der Staat die Mafia? Also ich erhielt regelmäßig meine korrekte Steuererklärung (nach Einspruch) vom Finanzamt. Der Staat sind wir alle, die Bürger.

    Wirtschaftskriminalität ist aufzuklären und nicht zu vertuschen.

    Ausserdem ist das noch rein materiell. Die Spitze lässt sich vielleicht mit Zwangsprostitution beschreiben. Erst ausbeuten dann abschieben und wer sind die Kunden?

    Kommt in den Unternehmen vor: Illegale Arbeiter wandern über die Autobahn zum Messebau. 2 wurden überfahren und sind tot.
    Andere erhalten keinen Lohn und sollten so ohne Lohn abgeschoben werden. Es gibt Menschen die sich eingesetzt haben, dass diese Leute vor der Abschiebung ihr Gehalt bekommen. Doch wie hoch ist die Dunkelziffer. Wundert es, wenn diese abgeschobenen Menschen in Ihrem Heimatland gegen Deutschland wettern und letztendlich Rache fordern? Oder sind es andere die dies tuen? Es kommt alles zurück. Die Frage ist, wer badet es aus? Die Verursacher?

    Mariana Mayer