Die Pünktlichkeit des alten Boehringer – Hall of Fame der Familienunternehmen

Firmengründer Albert Boehringer wird Gerechtigskeitssinn, Milde und schwäbische Sparsamkeit nachgesagt, hiess es bei der Handelsblatt-Veranstaltung Hall of Fame der Familienunternehmen am Mittwochabend in München im „The Charles Hotel“. Dort wurde er posthum vor 120 Gästen geehrt. Und: Boehringer besaß eine silberne Taschenuhr, mit der er höchstpersönlich die Pünktlichkeit seiner Mitarbeiter überprüfte. Eines Tages gehörte sein Schwiegersohn zu den Zu-spät-Kommenden, der grüßte Boehringer, doch der Schwiegervater erwiderte seinen Gruß nicht. Stattdessen soll er gesagt haben: „Prokuristen, die zu spät kommen, grüße ich nicht.“  Manchmal ist es gewiß nicht leicht, mit der Familie nicht nur das Privatleben, sondern auch noch den Arbeitstag zu teilen.

http://www.handelsblatt.com/rd/flash/hall-of-fame/index.html

Auch interessant war, was man über den Laureaten Heinrich Weiss von SMS Group erfuhr: Nicht nur dass er Autorennen fuhr. Er selbst gab preis, dass er „immer versucht, seine Geschwindigkeit zu drosseln“. Denn: „Der Vogel, der dem Schwarm zu weit vorausschaut, wird abgeschossen“, zitierte Weiss ein altes chinesisches Sprichwort. Schade auch,  und schade auch, wenn man sich schon im Vorhinein danach richtet oder richten muss.

Weiss ging hart mit der Politik ins Gericht: „Dax-Vorstände sind pflegeleichter für die Politiker als selbständige Unternehmer.“ Und dass Politik heute überwiegend PR sei statt harter Sacharbeit. Seine Erfahrung als Familienunternehmer sei: „Wenn man Mitarbeiter richtig behandelt und pflegt, ist der Konkurrenzvorteil relativ schnell erreichbar“. Bei ihm gebe es Prämien nur fürdas Betriebsergebnis,  dann habe man vollkommene Interessensidentifikation.Zumindest ist das Profit-Center-Denken damit nicht mehr im Vordergrund und so manchem „ich-bin-dafür-nicht-zuständig“-Arbeits-Abwehrer der Wind aus den Segeln genommen.

Bankier Friedrich von Metzler hatte an dem Abend in München nicht nur die Sympathie des Publikums ob seines guten Benehmens und warmherzigen Auftretens – wer geht schon bei einer großen Veranstaltung gleich auf viele auf Fremde zu, spricht sie freundlich an, schüttelt ihnen die Hände und stellt sich höflich vor, ohne Gastgeber zu sein? – sondern vor allem wegen seiner Bescheidenheit. „Ich nehme die Auszeichnung auch für meine Vorfahren in Empfang, sie waren mir stets ein Vorbild“, beteuerte er glaubhaft. Und sagte am Ende seiner Rede – völlig unüblich für einen Geehrten: „Ich danke, dass Sie mir zugehört haben.“ Das hatte Klasse.

Rolf Nonnemacher, Vorstand der WP-Gesellschaft KPMG und Sponsor, sprach es auch in seiner Laudatio aus: „Personenkult ist ihm fremd, er würde sich nicht über andere erheben.“  Und: „Charakter, Charakter, Charakter – das waren die Werte, die schon seinem Vater wichtig waren.“ Bseonders bemerkenswert: Dass sich die Boni für die Angestellten inseinem Bankhaus nur an der Kundenzufriedenheit bemessen.

Summa summarum ging es zu wie bei einer richtigen Familie: Beim abgedunkelten Licht während der Filme über die Geehrten nickte der ein oder andere ein. Man klopfte sich vertrauensvoll immer wieder gegenseitig auf die Schultern, nahm sich in den Arm, liess die Hand des anderen gar nicht mehr los – oder ass sogar (vertieft ins Gespräch) das bereits angebissene Dessert eines anderen mit dessen Gabel auf, obwohl man es eigentlich nur kurz für ihn halten sollte.

Aber eins habe ich vermisst: Im Vorjahr gab Emil Underberg für jeden der Gäste eins seiner kleinen traditionellen kleinen Fläschchen aus, die in Packpapier eingewickelt sind. In beeindruckenden, hochstiligen Gläsern mit einem kleinem Kelch, so dass es richtig feierlich war zusammen mit seiner Ansprache – das hätte ich zu gerne noch einmal erlebt.

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