Nachtreten gilt nicht. Auch nicht bei Managern. Warum wird die Führungsfähigkeit von Managern nur bewertet, wenn sie abtreten?

Da haben wir´s wieder: Das, was alle machen, wenn keine Zivilcourage mehr erforderlich ist. Angeklagt wird der Manager erst, wenn man nichts mehr riskiert, wenn der Angeklagte ohnehin schon am Boden liegt. Da haben wir´s wieder: Das, was alle machen, wenn keine Zivilcourage mehr erforderlich ist. Angeklagt wird der Manager, erst, wenn man nichts mehr riskiert, wenn der Angeklagte ohnehin schon am Boden liegt. Wenn man nur noch auf ihn draufzutreten braucht, aber nicht mehr stürzen muss. Dann enthüllt plötzlich Hinz und Kunz, oder in diesem Falle die „Frankfurter Rundschau“ bis zur „Süddeutsche Zeitung“ die ganze Palette der Journaille, dass – dieses Mal – Stefan Aust, der „Spiegel“-Chefredakteur, einen schlechten Führungsstil hat. Und dass das auch einer der Hauptgründe ist, warum er seines Amtes nicht mehr walten soll. Da reibt man sich umso mehr die Augen. Die Belegschaft, die Redaktion, deren Schreiber wahrhaft nicht zu den Schwachmatikern gehören oder als Opportunisten und Linientreueste bekannt sind, sollen sich jahrlang unterdrückt haben lassen, ohne sich zu wehren? Wohlgemerkt, wir sprechen hier nicht von Leuten, die sich aus irgendeinem speziellen Grund nicht wehren können. Wir sprechen von hellen Köpfen, guten Analytikern, denen kaum die passenden Worte gefehlt haben dürften in all den Jahren. Dass guter Führungsstil des Managements aufs Unternehmensergebnis durchschlägt, ist erwiesen. Doch da können sich die Management-Schreiber die Finger wund schreiben: Umgesetzt wird so eine banale Erkenntnis auf breiter Front nicht. Konseuquenzen? Keine. Oder steht in irgendwelchen Top-Manager-Verträgen, wie ihr Führungsverhalten auszusehen hat? Und dass sich genau daran ihre Tantieme bemisst? Dass sie dafür mehr Geld bekommen, wenn weniger gute Leute kündigen?
Wenn ein Top-Manager seinen neuen Job antritt, ist von seinem Führungsstil und dessen Relevanz fürs Unternehmen und den neuen Job jedenfalls selten die Rede. Kleines aktuelles Beispiel gefällig? John Tain, der neue Merrill-Lynch-Vorstandschef – der Investmentbank, die gerade ihrem Ex-Chef mangelnde Führungsfähigkeit vorwarf bei seinem Abgang – wird wortreich beschrieben. Nur über seine Führungsfähigkeit liest man nichts. Wohl aber, dass er viel Geld bekommen soll für seinen neuen Job: für die nächsten fünf Jahre mindestens 45 Millionen Dollar, und wenn er den Merrill-Lynch-Aktienkurs beflügelt, können es sogar weitere 125 Millionen Dollar (85,3 Millionen Euro) werden, so rechnet etwa welt.online vor. Aber kein Wort davon, was er im Gegensatz zu seinem Vorgänger an Managementfähigkeiten mehr drauf hat oder mit seinen Mitarbeitern anders machen will als der.
Würde Merrill Lynch irgendetwas produzieren, wäre es wohl nicht so tragisch. Aber bei einer Investmentbank? Wo der Kontakt der Mitarbeiter zum Kunden nicht ganz unerheblich ist?
http://newsticker.welt.de/index.php?channel=wir&module=dpa&id=16179514 .
http://www.handelsblatt.com/News/Karriere/Koepfe/_pv/doc_page/2/_p/200811/_t/ft/_b/1352934/default.aspx/der-ueberraschende-abschied–des-stefan-aust.html
Mehr Courage von den Spiegel-Redakteuren hätte sich auch Stephanie Nannen gewünscht:
http://www.abendblatt.de/daten/2007/11/19/817942.html

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Alle Kommentare [2]

  1. Leider werden die Herren in der Top-Verdiener-Klasse als Vorbild rangezogen.
    Denn die Führungsqualitäten in den unteren Etagen sind meist nicht besser.
    Obwohl bei manchen Unternehmen eine geringe Mitarbeiterfluktuation als Prämienziel verankert ist!

  2. Stefan Aust wird über die Mitarbeiter KG gestolpert sein, deren hinderlichen Einfluß auch auf die redaktionelle Arbeit er immerhin so weit einzudämmen in der Lage war, daß der Verlag mit seinem Flaggschiff nicht noch schlechter dastehen mußte als ohne diesen Chefredakteur.
    Daß die Kollegen überall und um ihn herum sich die Finger wund schreiben, muß nicht verwundern. Immerhin ließ Aust sich seine Ecken und Kanten in der Länge der Zeit nicht ganz abschleifen. Das hinterläßt Eindruck. Hinzu kommt oft die Erkenntnis eigener Unzulänglichkeit und natürlich – weit verbreitet – der gute alte, profane Neid. Da läßt sich wacker meckern.