Ahnungslose Personaler irren im Nebel

Fragen sie doch mal Kollegen aus der Personalabteilung, ob Sie wissen, wie es in ihrem Unternehmen zugeht. Wieviel Überstunden in der Company geschoben werden, wie hoch die Fluktuationsquote ist oder wie sich die Gehälter entwicklen.

Die Unternehmensberatung Steria Mummert Consulting hat mal die Probe aufs Exempel gemacht und heraus kam Erschütterndes: Die Personalabteilungen in den deutschen Unternehmen können kaum etwas sagen über diese wichtigen Kennzahlen – Überstunden, Fluktuation, Gehalter – der eigenen Belegschaft. Entweder haben Sie die daten nicht oder können Sie nur unter großem Aufwand beschaffen, hat Steria Mummert herausgefunden.

Noch komischer dabei: 90 Prozent der Manager haben dieses Bild von den eigenen Personalern und trauen ihnen die Kenntnisse auch nicht zu. 

Steria Mummert scheint die Schuld bei der Arbeitsweise zu suchen: „In drei von vier Unternehmen müssen die Mitarbeiter in den Personalabteilungen wichtige Kennzahlen manuell erstellen. Die Folge: Durch den erheblichen Arbeitsaufwand liegen viele Daten oft erst mit großer zeitlicher Verzögerung vor.“ Darüber würden sich auch zwei Drittel der befragten Manager beklagen.

Wenngleich: Im Vor-PC-Zeitalter gabs auch schon Personalabteilungen und große Unternehmen: Auch da gabs sicher gut und schlecht organisierte. Am Hilfsmittel liegt es da sicher nicht. Oder wenn, dann nur marginal. Zunächst mal muss man den Themen überhaupt Aufmerksamkeit schenken und de Notwendigkeit erkennen, es mal genau wissen zu wollen.

Im Zeitalter in und nach den großen Kündigungswellen zwecks Erstarkung der Unternehmen haben auch die Personalabteilungen gelitten, wurden reduziert und ihnen wurden die Aufgaben weggenommen, um sie von Externen angeblich besser und billiger durchführen zu lassen. Wer die Materia aus der Hand und aus dem Haus gibt, braucht sich dann nicht mehr wundern, wenn anschließende keiner mehr einen Plan hat – und auch nicht mehr das Interesse. 

Zurück zur Studie: „Zudem schleichen sich bei manueller Bearbeitung Fehler in die Daten ein. Auch gibt es Schwierigkeiten, weil die jeweils ermittelten Kennzahlen nicht einheitlich sind – ein Problem, mit dem 56 Prozent der Unternehmen zu kämpfen haben.“

Gemeint sind sämtliche Kennzahlen, die für Personalabteilungen wichtig sind, wie der Krankenstand, durchschnittliche Überstundenzahlen oder Durchschnittsgehälter von Führungskräften. Selbst darüber, wann welcher Mitarbeiter das Unternehmen verlässt oder dort anfängt, soll laut Studie dazu gehören, wo Personalern der Überblick fehlt.               zimmermann_bjorn

Fazit des Steria-Mummert-Beraters und Personalprofis Björn Zimmermann: „Die Personalabteilungen leben mit einer ständigen Unschärfe und sind oft nur sehr eingeschränkt berichtsfähig.“

Seine Erklärung für diese kuriosen Zustände: „Der Fokus der Systeme liegt häufig immer noch ausschließlich auf der Personalabrechnung.  Strategische Personalplanung? Ein ander Mal. Planungen, um den droheneden Demographiefolgen rechtzeitig entgegen zu steuern? Fehlanzeige.

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