Familie versus Firma

Wenn Mitarbeiter eine Familie haben ist es eben doch etwas ganz anderes als ein Hobby wie Angeln oder Musik-machen. Dass und wieso Unternehmer, Unternehmenslenker, Vorgesetzte das hierzulande nicht einfach akzeptieren können – als zum Leben dazu gehörend – ist rätselhaft. Haben sie denn selbst alle keine Kinder, keine Eltern, keine Geschwister – und stehen völlig bindungslos und allein im Raum? Frei und ungebunden – nur um sich von der erstbesten Company vereinnahmen zu lassen mit Haut und Haaren? Rund um die Uhr? Quasi versklaven? Die jungen Leute, die jetzt die Universitäten verlassen, husten ihnen eins. Die lassen sich auf solche vereinnahmende Firmen-Wesen nicht ein, sondern verlassen sie einfach – zugunsten einer anderen, netteren Firma.Das berichtete mir vor wenigen Tagen ein Unternehmensberater mit viel Erfahrung, Menschenkenntnis und potenten Auftraggebern.

Eine Untersuchung des Bundesfamilienministeriums und dem Institut für Demoskopie Allensbach von Renate Köcher bestätigt diese Beobachtung aus der Praxis: Nur mickrige fünf Prozent aller Arbeitnehmer finden, dass die Anstrengungen der Unternehmen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf (was ist das eigentlich für ein dämlicher Ausdruck?) genug tun. Umgekehrt kritisieren 95 Prozent der Mitarbeiter, dass die Firmen zu wenig dafür tun, dass sie auch in der in Europa üblichen Form mit ihren Angehörigen zusammenleben können.

Nur sechs Prozent der Unternehmen haben eigene Kinderbetreuungs-Möglichkeiten. 19 Prozent der Arbeitgeber glauben, sie könne  das Leben ihrer Angestellten ausblenden und sich von dem Menschen-Kuchen nur das Stück herausschneiden, das sie gerade mal haben möchten. Nur die Sonnenseite bitte, die Regentage können Sie behalten – danke.

24 Prozent der Eltern gaben denn auch an, dass sie Job und Leben nur schwer übereinander bekommen. 39 Prozent der Männer wünschen sich mehr Zeit für ihre Family – und schuld daran ist in 79 Prozent der Fälle zu viel Arbeit in der Firma.

Die Befragtenbasis bildeten 2843 Einzelinterviews.

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