Die unauffälligen Körperverletzungen im Job

Fast doppelt so viele Krankheitstage sind es, die Call-Center-Mitarbeiter erleiden müssen – verglichen mit anderen Büro-Arbeitnehmern. Konkret: Wer den ganzen Tag unzufriedene Kunden an der Strippe ertragen und still sitzen muss, kommt auf 23,3 Krankheitstage. Andere Büro-Mitarbeiter fehlen nur 12,3 Tage im Jahr.
Erforscht hat das nun die Techniker Krankenkasse (TK) in ihrem Gesundheitsreport anhand einer Auswertung der Krankendaten von 3,5 Millionen Versicherten.
Was die genauen Gründe für diesen enormen Unterschiede sind? Viel höhere psychische Belastung, Schichtdienste und einseitige körperliche Belastung durch das lange Sitzen sind die Faktoren, die die Gesundheit dieser Arbeitnehmer beschädigen.
Fragt sich nur, wer etwas unternimmt, um den Geplagten zu helfen? Um die Arbeitssituation zu entschärfen und die Gesundheitsbeschädigungen abzumildern? Denn dass manche Arbeitssituationen deutlich belastender sind als andere ist lange bekannt. Wissenschaftliche Studien bestätigen es längst – nur Taten folgen nicht.
Nachhelfen wird womöglich erst die Demographie – eines Tages. Wenn nicht mehr genug Leute zu finden sind für diese Jobs. Also auf sehr lange Sicht. Oder kennen Sie eine Initiative für menschenwürdigere Arbeitsbedingungen hierzulande? Oder kämpft die TK, und ich hab´s nur noch nicht bemerkt?
Die ebenso gesundheitsschädlichen Großraumbüros jedenfalls werden – so hörte ich kürzlich von einem Büromöbelindustrie-Experten – massgeblich gepusht von der Büromöbelindustrie. Weil sie dank des Trends zur Gruppen-Mitarbeiterhaltung endlich auch viele neue Großraumbüromöbel verkaufen können wie etwa die Spezialcontainer – und viele Stellwände.
Und diejenigen, die über diesen Einkauf entscheiden, müssen ja schließlich auch nicht selbst den ganzen Tag lang, Woche für Woche, Monat für Monat und Jahr für Jahr so dicht beieinander sitzen. Können mal in Ruhe nachdenken, haben nicht ständig einen hohen Lärmpegel zu ertragen und verstehen sogar die Worte ihrer Anrufer am Telefon. Und haben auch keinen Mittelmanager im Nacken, der ständig kommt und den Druck unterm Kessel ordentlich erhöht, indem er laufend nach den Arbeitsergebnissen fragt. Öffentlich natürlich, coram publicum. Weils noch viel besser kommt.

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