Erst schlamm, dann grün und nun gelb

Die Fälscher werden immer gerissener. Der Kosmetikbranche bereitet der Vertrieb von Grauimporten und gefälschten Produkten übers Internet immer mehr Sorgen. Die Zahl der Beschlagnahmen durch den Zoll ist allein im vergangenen Jahr um 145 Prozent gestiegen: Von 9622 auf 23 713 Fälle. Bei den Parfums und Kosmetik mach dies immerhin einen Warenwert von 2,2 Millionen Euro aus, resümiert Martin Ruppmann, Geschäftsführer des VKE Kosmetikverbands. Zu unterscheiden sind Original und Fälschung kaum mehr. Ruppmann berichtet, dass die Fälscher immer raffinierter vorgehen: Da werden die Flakons, die Zerstäuber oder die Flüssigkeiten jeweils in einem anderen Container transportiert, so dass Fälschungen für Zöllner kaum zu erkennen sind. Zusammengefügrt werden die einzelnen Bestandteile dann erst am Ziel. Ruppmann berichtet: „Die Plagiate kommen heute nicht nur in kleineren Post-Paketen ins Land. Oft verschicken die Fälscher die Plagiate zusammen mit Originalprodukten in ein und demselben Karton ins Land.“

Ebay & Co. machen Fälschern das Verkaufen leicht

Die Herkunftsländer der Fälschungen sind nicht nur China und Indien, sondern auch  die Türkei und die Ukraine. Die Plagiate sind so täuschend ähnlich, dass sie kaum mehr unterscheidbar seien, so Ruppmann. Ihn ärgert besonders, dass die Fälschungen oder Grauimporte fast alle über Plattformen wie Ebay an den Mann und die Frau gebracht werden. Und diese Plattform-Betreiber reagiereten bislang zwar kooperativ, aber immer erst im Nachhinein – nie prohylaktisch.

28 Prozent der Kunden kaufen Düfte, Cremes und Schminke im Netz

Dabei ist der Onlinehandel insgesamt auch für die Kosmetikzunft nicht mehr wegzudenken. Douglas beispielsweise hat heute seine größte Filiale im Internet, berichtet Stephan Seidel, Präsident des VKE-Kosmetikverband und Geschäftsführer von Clarins in Starnberg. Habe sich die Parfümeriekette aus Hagen ursprünglich ein Ziel von fünf Prozent des Umsatzes übers Internet vorgenommen, so sei dieses inzwischen längst erreicht.

Welche Vertriebskanäle heute ansonsten die wichtigsten sind für die hochpreisigen Crems und Düfte? 81 Prozent der Konsumenten kaufen in Drogeriemärkten, 46 Prozent in Parfümerien wie Douglas, 45 Prozent im Supermarkt, 35 Prozent beim Discounter, 28 Prozent im Internet und 15 Prozent in der Apotheke. Nur sieben Prozent der Kunden kaufen ausschließlich im Internet.stephanseidel-farbig

Was gerade Trend ist? „Schlamm war im vergangenen Jahr, grün ist´s grade und gelb wird es diesen Sommer“, sagt Seidel. Gemeint ist der Nagellack und seine Modefarben. Er trug mit seiner Renaissance dazu bei, dass die dekorative Kosmetik im Geschäftsjahr 2010 eine Zuwachsrate von 3,5 Prozent hatte. Insgesamt erzielte die mittel- und höherpreisige Kosmetik im vergangenen Jahr 1,752 Milliarden Euro Gesamtumsatz – und hat seit Jahren erstmals wieder einen Mengenzuwachs. Die pflegende Kosmetik und insbesondere die Gesichtspflege kam dabei auf ein Plus von 2,9 Prozent im Vorjahresvergleich. Die Körperpflege – die 2009 noch dramatisch eingebrochen war – legte 4,9 Prozent zu,  Damen-Düfte um zwei Prozent und Herrenkosmetik um rund sechs Prozent. Regoional ist besonders die Rhein-Ruhr-Schiene ein Umsatzschwerpunkt, wenngleich insgesamt ein „Nord-Süd-Gefälle herrscht“ erzählt Seidel.

 

                                                                                                                                                                              Stephan Seidel, VKE-Präsident

 Nur bei Reisen herrscht eine höhere Kosumlust

Positiv sind auch die Erwartungen für 2011: Immerhin 75 Prozent der Parfümerien, die zum VKE gehören, rechnen mit steigenden Umsätzen und 19 Prozent mit gleich bleibenden Umsätzen. Seidel erwartet für dieses Jahr knapp drei Prozent Umsatzsteigerung.Laut dem neuen, sogenannten Kosmetik-Index, der Anschaffungsneigung, Ausgabe- und Verzichtbereitschaft der Kosumenten abbildet, ist die Konsumstimmung für Kosmetikprodukte (Düfte, Gesichstpflege- und Schminkprodukte) dieses Jahr auf überdurchschnittlich hohem Niveau – noch vor Wellnessbehandlungen (Massagen, Kosmetikbehandlungen), Bekleidung und Accessoires. Getoppgt werden sie nur von Reisen.

Steigen soll das Werbevolumen:  50 Prozent der Unternehmen gehen von einer Steigerung aus, 31 Prozent investieren zumindest ebensoviel wie im Vorjahresvergleich und nur sechs Prozent wollen weniger für Werbungs ausgeben als vorher. Bevorzugt werden dabei das Internet und die Printtitel, TV ist dagegen auf dem Rückzug. Diese Werbe-Absichten sind aber nicht unbedinngt Trendaussagen: Hängt es doch einfach davon ab, wieviele Markenrelaunchs gerade anliegen oder neue Produkte eingeführt werden müssen.Sorgenfrei sind die Kosmetikprofis trotz Ihres neuen Optimismus jedoch nicht: Die ständigen Rabattaktionen der Branche, die gestiegenen Rohstoffpreise und gar Rohstoffengpässe machen ihnen Kopfzerbrechen.

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