Wer weg darf aus der Firma, wird produktiver

Die Zahl der Burn-Out-Fälle steigt stetig, Mobbing ist mitnichten ausgerottet, innere Kündigung ein Dauerthema seit Jahrzehnten und die Loyalitätsquote eine der niedrigsten europaweit. Das Wort Kollegialität ist komplett aus der Mode gekommen – im Gegenteil: Karriereratgeber leiten die Leser an, anderen keine Hilfestellung zu geben, in ihn Zeit zu investrieren  und stattdessen lieber pünktlich Feierabend zu machen. Nebenbei bemerkt: Kein Wunder, dass sich Ausländer, die nach Deutschland verschickt werden, den hiesigen Arbeitsalltag als eiskalt empfinden, menschliche Wärme und Humor vermissen.

Dazu passt, was die Unternehmensberatung Steria Mummert Consulting kürzlich erforscht hat: Mobile Arbeitsplätze – sprich, wer zuhause, unterwegs beim Kunden oder in anderen neuen Modellen arbeitet, ist deutlich zufriedener als die Kollegen im Büro. Und zwar um 15 bis 25 Prozent. Damit nicht genug: Gleichzeitig steigt seine Produktivität um 25 Prozent und sinken die Kosten um 16 Prozent.

Die derzeitige Realität sieht anders aus: Nur drei bis sieben Prozent der Arbeitnehmer arbeiten ausschließlich mobil. Bis jetzt.  „Diese Zahl wird in den kommenden Jahren rasant steigen: 2020 könnte der Anteil der sogenannten Mobile Workers bereits bei 20 Prozent liegen“, glaubt Alexander Kaszubiak, Berater bei Steria Mummert Consulting. „Denn durch die wachsende Vernetzung der Wirtschaft werden solche mobilen Arbeitsplätze für die Unternehmen immer wichtiger. Die Mitarbeiter sollen zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.“


Konkret: Immer mehr Unternehmen schicken ihre Mitarbeiter zu Arbeitseinsätzen bei ihren Lieferanten. Auch Dienstleister – Professional Services – arbeiten längere Zeit im Büro ihrer Kunden, um deren Projekte zu unterstützen.

Doch so positiv die Studienergebnisse auch klingen mögen, so lassen sich doch an den Steria-Mummert-Ergebnisse die Folgen der konstanten Arbeitsverdichtung der vergangenen Jahre, des Kostenspar-Wahns und der reduzierten Belegschaftszahlen bei gleichzeitig gestiegenen Aufgaben ablesen. Dass viele Leute lieber ihre Kollegen, den Chef und die Firma überhaupt lieber von hinten sehen.


Und ein steht auch fest: Wer schwer an seiner Karriere bastelt, wird schon dafür sorgen, stets an den Rockschössen des Chefs zu hängen und ihm so oft es geht nah zu sein. Denn wer wirklich viel Arbeit weg schafft, hat dafür gar keine Zeit. Die Chefs werden also trotz aller Forschungsergebnisse dieser Art nicht einsam werden in ihren Büros.

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