ManagerINNEN können ja ruhig die Bahn nehmen

Das würde man einem Mann nicht bieten, oder jedenfalls habe ich noch nie bei einer Business-Einladung – bei der normalerweise vorwiegend Herren sind – etwas Vergleichbares gesehen:

Da lädt eine internationale Top-Kanzlei ein zu einer Executive Woman-Veranstaltung und setzt sich gleich in den Fettnapf. Die Sache ist gut gemeint, es soll um Frauenquoten gehen – dies Thema ist seit der Beschlussfassung der Nationalversammlung zur Frauenquote in den Top-Etagen in Frankreich am vergangenen Donnerstag eigentlich endgültig überholt und war schon vorher nur noch etwas für ganz besondere Diskussions-Feinschmecker, denn wer nicht völlig borniert ist, stellt die Frage nicht mehr.

Ein Event von Frauen für Frauen, und vermutlich auch nicht gerade für Hausfrauen. Oder doch?

Möchte man jedenfalls meinen, ich kenne die Gästeliste nicht – aber ein Absatz lässt tief blicken:

Statt einer Anfahrtsskizze oder dem Hinweis auf reservierte Plätze oder  reservierte Plätze samt Verköstigung für die Fahrer oder einem Parkservice steht da Folgendes gedruckt:

„Aufgrund der schlechten Parkmöglichkeiten empfehlen wir die Anreise mit Öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Taxi“ Sie erreichen“ das Ziel „mit der U-Bahnlinie xy und einem fünfminütigen Fußweg…“

Wie bitte? Ist das die Womens-Elite? Die zu Fuß und per Bahn kommt? Und das Ganze spätabends im Dunkeln retour? Am besten noch mit hochhackigen Pumps, um nicht underdressed zu sein? Und im Kaschmirmantel in der U-Bahn? Danke, vielen Dank für so viel Verständnis und Fürsorge, oder kurz: Ihr Interesse.

In all den Jahren, in denen ich die Promi-Rubrik mit den Interviews mit Managern namens „Arbeitsplatz“ verantwortet habe, ist mir nur ein (!) einziger Top-Mann begegnet, der freimütig erzählte, dass er mit der Hamburger S-Bahn allmorgendlich zur Arbeit fährt.

Die Mensch-Werdung beginnt mit dem Firmen-Parkplatz

Im Gegenteil. Als ich auf der größeren Hochzeit eines Top-Anwalts neben einem ebensolchen als Tischdame sass – er wusste nicht, wer ich bin, dass und welchen Job ich habe – , musste ich erleben, wie der Herr mich ganz plötzlich ignorierte.

Bis ich verstand, was der Grund war: Ich hatte gerade erzählt, dass ich auf dem Weg zur Arbeit in die City in der Bahn dies oder jenes erlebt hatte, oder dort immer eine Zeitung las, was auch immer. Und schwupps, war ich unten durch bei dem Bonner Juristen, der bis dahin so gern von seinem Blick aus seinem Wohnzimmer auf den Golfplatz erzählte. Ich war seiner nicht würdig. Ich musste  ja wohl einen völlig subalternen und fremdbestimmten, unwichtigen Job haben – denn sonst würde mir mein Arbeitgeber doch selbstverständlich einen Parkplatz bereit halten, so seine Denke.

Ich habe den Herrn nicht aufgeklärt. Vielleicht erkennt er sich ja jetzt wieder. Er hatte mich sicher für die mitreisende Ehefrau meines Mannes gehalten, die wohl hinzu verdienen müsse. Damit´s reicht. Seine Frau nämlich hatte die andere Option gewählt und hielt ihm zuhause den Rücken frei.

Merke: Gattinnen von Top-Juristen arbeiten nicht, sondern halten den Rücken frei

So wie die meisten Ehefrauen von Top-Anwälten, wie mich erst vor wenigen Wochen ein Münchner Anwalt belehrte. Ich hatte gewagt, es für möglich zu halten, dass auch Top-Juristen-Gattinnen einem eigenen Beruf nachgehen könnten. Sogar dann, wenn Kinder da sind.

Hin wie her: Ich habe weiss Gott viele Einladungen dieser Art gesehen, aber so ein Passus ist mir noch nie begegnet. Auch nicht bei einem Frauen-Event.

Haben Top-Kanzleien keine Praktikanten oder Referendare?

Bedeutet das nicht vielmehr Folgendes: Die Kanzlei möchte sich zwar irgendwie auch bei Frauen positionieren, aber  Geld für Parkplatz-Miete, für kurzfristiges Aufstellen von Schildern wie bei einem Umzug oder für einen Parkservice mit ein paar Studenten ist dann doch nicht da? Hat eine so renommierte Kanzlei nicht auch ein paar Praktikanten oder Referendare, die den Top-Gästinnen diese kleine Sorge mal abnehmen könnten? Wo bleibt das Business Behaviour? Etikette-Trainerin Gabriele Schlegel kann da sicher mit Vorschlägen helfen.

Schließlich haben sich die geladenen Damen nicht diese entlegene, autounfreundliche Location selbst ausgesucht. Nicht mal einkalkuliert, wann wieder Schnee und Eis die Republik heimsucht. Soll man dann auf 10-Zentimerter-hohen Prada-oder Weitzman-Pumps durch Regen oder Schnee staksen?

Sollte es da wirklich keine Parkplätze geben, kann man zur Not in der Kanzlei den Aperitiv nehmen und einen Shuttle arrangieren.

Oder liegt es etwa am Budget, das für eine Laydies-Veranstaltung einfach gar nicht erst so großzügig bemessen wurde?

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