Ein Musterbeispiel gelungener PR hat gerade der Düsseldorfer Stahlhersteller Schmolz + Bickenbach hingelegt: Das Unternehmen war schon auf bestem Wege, eine Art Emmely-Fall zu provozieren und sich ein Buhmann-Image einzuhandeln. Der Fall lief nach dem Muster: Firma will langjährigen Mitarbeiter über 50 Jahre loswerden und pickt sich einen Vorfall heraus, den er bei einem anderen Kollegen durchgehen lisse oder ihm allenfalls eine Abmahnung aussprechen würde. Mitarbeiter kämpft aber plötzlich um seine Rückkehr in den Job- statt sich auf die Abfindung einzulassen, die das Gericht im Gütetermin vorschlägt. Schließlich ist auch der Richter froh, wenn er kein Urteil schreiben muss.
Der Düsseldorfer Fall des Glühers ging schon tagelang durch die Lokalpresse und sorgte für Stimmung. Die Gewerkschaft hatte deutlich Position bezogen und unterstützte den Mitarbeiter öffentlichkeitswirksam. Konkret ging es nicht um eingelöste Leergutbons wie beim Tengelmann-Fall, sondern um eine – angeblich – gestohlene Milchtüte. Die allerdings nicht mal gefunden worden war beim angeblichen Dieb.
Doch irgendwer im Unternehmen hat gerade noch rechtzeitig die Notbremse gezogen – und kurzerhand die Kündigung des langjährigen Mitarbeiters rückgängig gemacht. Diese einfachste Lösung entpuppte sich als guter Schachzug: „Glückliches Ende im Milchtüten-Fall“ überschrieb die „Rheinische Post“ das riesige Foto des strahlenden Ehepaares und schilderte in allen Einzelheiten, wie der gefeuerte Mitarbeiter telefonisch überrascht wurde von der Rücknahme seiner Kündigung. Und dass die Rücknahme der Kündigung „Respekt verdiene“ und die Company ein „verantwortungsvoller Arbeitgeber“ sei www.rp-online.de/duesseldorf/duesseldorf-stadt/nachrichten/Glueckliches-Ende-im-Milchtueten-Fall_aid_891091.html .
Ganz abgesehen davon, dass in Zeiten angeblichen Facharbeitermangels solch eine Kündigung ohnehin nur schwer verstehbar ist. Und: Die näheren Umstände des Milchtüten-Diebstahls waren ohnehin merkwürdig. Wurden die Milchtüten wohl jahrelang einzeln ausgegeben, so sollte sich dann irgendwann jeder selbst seine Milchtüte nehmen. Vermutlich, weil an der Stelle schon Mitarbeiter eingespart und entlassen worden waren. Das corpus delicti wurde nie gefunden, nur zwei Kollegen wollten etwas beobachtet haben.
Wäre der Fall monatelang weiter durch die Presse gegangen, hätte sich das Image von Schmolz+Bickenbach kaum verbessert.
den langjährigen Mitarbeiter, der – möglicherweise zu Unrecht des Diebstahls verdächtigen
