Ladies´ Lunch mit Henkel und Douglas

„Charity Ladies´ Lunch“ mag nach Sue Ellen Ewing von Dallas klingen. Nach gelangweilten Ehefrauen reicher Männer, die sich darauf verlegen, Gutes zu tun und zum Beispiel Geld einzusammeln für wohltätige Zwecke. Mangels eigenen Jobs. Muss es aber nicht sein. In Düsseldorf fand am Freitagmittag im NRW-Forum ein Charity Ladies´ Lunch von DKMS Life statt. Anwesende Promis: die Schauspielerinnen Veronica Ferres und Katharina Schubert. Der Zweck der guten Sache: Kosmetikseminare für Krebspatientinnen. Wirklich eine gute Sache. Denn wem durch die monatelange Chemotherapie nach und nach nicht nur die Kopfhaare, sondern schlussendlich auch seine Wimpern und die Augenbrauen ausgehen, dem hilft so etwas ungemein. Die ausgehenden Kopfhaare lassen sich noch halbwegs kaschieren, mit Perücken oder schicken Hermès-Tüchern etwa. Aber Augenbrauen und Wimpern? Künstliche Wimpern – so erfuhr frau in Düsseldorf – halten nämlich dann nicht mehr, wenn es gar keine eigenen Wimpern mehr gibt. Und was klingt wie eine Kleinigkeit, ist für die Betroffenen tatsächlich etwas ganz Entscheidendes: Wenn nicht mehr für jeden anderen erkennbar ist, dass sie Opfer, Kranke und Betroffene sind. Sondern wenn sie ihre Krankheit wegschminken können. Das hilft. Wenn sie nicht mehr für jedermann sichtbar Chemopatient sind. Wenn sie nicht jedem Rede und Antwort stehen müssen, weil ihre Krankheit für jeden erkennbar ist. Weil gute, dekorative Kosmetik die Krankheit vertuschen hilft.
Und deshalb haben sich Henkel Schwarzkopf, Douglas und etliche Markenhersteller von Shiseido über Christian Dior bis Art Deco dieser Sache als Sponsoren angenommen – weil es zu ihnen passt: Wenn die Betroffenen in der Klinik eine Tasche mit ihren Produkten bekommen und die Anleitung durch eine Frau vom Fach, wie sie die Dinge einsetzen müssen.
So ähnlich wie Wöchnerinnen, die in etlichen Kliniken nach der Entbindung eine Tasche mit diversen Baby-Produkten diverser Firmen mit auf den Weg bekommen.
Und Veronica Ferres sagte denn auch etwas Kluges: Es ist der bessere Ansatz, „nicht den Krebs zu bekämpfen, sondern das Beste aus der Situation zu machen.“
Schade nur, dass den anwesenden Damen offenbar nicht klar war, dass auch sie selbst am nächsten Tag Opfer sein können, weil jährlich 200 000 Frauen an Krebs erkranken. Sondern dass sie arg distanziert zum eigentlichen Thema waren. Gefhlt hat eine Betroffene, am besten Prominente.
Erfrischend ehrlich dann die Henkel Top-Managerin Tina Müller, die als Gastgeberin fungierte und Grundzüge des Marketing darlegte: Müller betonte erst mal, dass „man ein Match braucht zwischen der Marke und der Person, die dafür wirbt.“ Dass sonst ein Vampir-Effekt entstehe, und die Konsumenten sich nur noch an den Promi erinnern, aber leiderleider nicht mehr an das Produkt. Und schwupps, ehe man sich versah, war auch gleich die Kurve zum ganz allgemeinen Thema der berufstätigen Mütter genommen. Veronica Ferres erzählte, dass erst ihr Gynäkologe sie überzeugte, berufstätig zu bleiben, als ihre Tochter Lilly im Anmarsch war. Dass „eine Tochter ein Anrecht auf eine glückliche Mutter hat“ –und dass sie genau das nicht mehr wäre, wenn sie selbst ihren Job, die Schauspielerei, an den Nagel hängt.
In die gleiche Kerbe haute Tina Müller, die ihren obersten Boss Kasper Rorsted zitierte: Dass nur die Frauen dazu neigen, sich immer selbst zu kritisieren. Aber dass jeder Mann dagegen immer eigentlich schon im Vorstand sitzt – und sich alles zutraut. Wie wahr.
http://www.bild.de/BILD/regional/duesseldorf/leute/2009/08/29/ladies-lunch/duesseldorfs-power-frauen-helfen-in-der-not.html

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