Der deutsche Marktführer in der D&O-Beratung für Managerhaftung, Hendricks & Co. schließt sich mit der britischen Howden-Gruppe zusammen, die selbst Marktführer unter den Spezialisten weltweit ist. Michael Hendricks, D&O-Pionier hierzulande, erklärt, warum er mit den Versicherern laufend einen Wettlauf wie dem zwischen Hase und Igel absolvieren muss. Herr Hendricks, Ihr Beratungsunternehmen Hendricks & Co. fusioniert jetzt mit dem britischen Versicherungsmakler Howden Broking der zum Londoner Hyperion-Konzern gehört und der spezialisiert ist auf D&O-Versicherungen sowie Berufshaftpflichtversicherungen für Anwälte, Notare und Banker.
Was ist ihr Ziel?
Internationale Präsenz. Tritt bei einem unserer Kunden etwa in Australien oder Indien ein Schadensfall ein, können wir ihn beziehungsweise seine Manager künftig vor Ort direkt beraten und begleiten, sei es wenn er in Haft oder in Regress genommen wird. Ich werde möglichst viel Know-how aus der Howden-Gruppe auf unser Unternehmen für D&O-Beratung sowie D&O-Vertragsvermittlung übertragen, um es unseren Kunden zur Verfügung zu stellen. Denn in den angelsächsischen Ländern ist das Thema D&O viel weiter als in Deutschland. Die Produkte sind internationalisiert und weiter fortentwickelt, sie haben bereits mehr Fälle erlebt, kennen mehr Risiken und Absicherungsmechanismen.
Und was ist mit neuen Zielgruppen?
Die können wir jetzt auch erschließen und ausbauen: Und zwar die großen börsennotierten Unternehmen aus den Dax-Segmenten, Finanzdienstleister und die Freiberufler.
Sie wollen also in die Domaine der weltweit tätigen Großmakler wie Aon, Marsh oder Willis eindringen und denen Konkurrenz machen?
Durchaus. Wir haben heute schon etliche internationale Kunden, die wir mit diesem neuen Netz auch weltweit bedienen können. Howden ist in den wichtigen Industrieländern – es sind insgesamt 18 Länder – vertreten und dieses Netzwerk expandiert jedes Jahr zweistellig.
Und zwar wie hoch genau?
Die Zuwachsrate beim Umsatz von Howden ist seit über zehn Jahren in einem hohen zweistelligenBereich.
Sie und David Howden, der Gründer der Howden Gruppe sind 1994 mit exakt derselben Geschäftsidee unabhängig voneinander am Markt gestartet- sie in Deutschland, er zunächst in Großbritannien. Purer Zufall?
Das ist schon ein Kuriosum, dass wir exakt im selben Jahr denselben Trend erkannt und zur Geschäftsidee gemacht haben. Damals wurde mir und anscheinend auch ihm bewusst, dass die D&O-Versicherung nach ihrem Aufstieg in Amerika, auch in Europa und später weltweit eine große Zukunft haben würde. Seither hat die D&O-Versicherung immer mehr Ziel- und Risikogruppen erobert. Bis hin zum ehrenamtlichen Kirchenvorstand, Karnevalspräsidenten und Beiratsvorsitzenden der Wohneigentümergemeinschaft.
Welches Know-how bringt Howden konkret mit?
David Howden ist sehr innovativ in der Entwicklung und Konzeption von Spezialpolicen zum Beispiel für Fonds- oder Private-Equity-Gesellschaften, mit denen die Unternehmen sowie die Manager persönlich vor Haftung geschützt werden sollen. In diesem Segment hat sich ein gewaltiger Bedarf entwickelt, den Howden erkannt hat. Er war dann rechtzeitig mit den richtigen Produkten da. Für seinen Erfolg wurde er sogar mit dem Queens-Award vom britischen Königshaus ausgezeichnet, weil er zu den Unternehmen in Großbritannien gehört, die am stärksten wachsen und ausgesprochen profitabel sind.
Die Strategie von Howden ist, international spezialisierte Makler und Berater zu suchen und zu seinem Netz hinzuzufügen. Mein Unternehmen, Hendricks & Co ist nun die bislang größte Akquisition für Howdens Gruppe.
Wie groß ist Howden jetzt?
Das Unternehmen hat 700 Mitarbeiter an 51 Standorten und machte 2007 immerhin 21 Millionen britische Pfund Provisionsumsatz. Tendenz stark steigend. Gegründet wurde es vor 15 Jahren. Die Beteiligungsgesellschaft 3i ist seit kurzem Investor, jedoch mit einer Minderheitsbeteiligung.
Zu welchem Prozentsatz ist Howden nun bei Hendricks & Co. eingestiegen und warum ist diese Fusion so spannend?
Mit 75 Prozent. Spannend ist sie, weil es weltweit kein anderes Netz gibt, das beim Segment D&O derart hochspezialisiert ist. Wir haben von jetzt auf gleich eine multinationale Plattform.
Wie wirkt sich Ihre Fusion auf den deutschen Markt aus?
Wir waren in Deutschland schon immer Marktführer in der D&O-Beratung und der Policenvermittlung. Durch unsere Spezialisierung und unsere starke Position können wir bei den Versicherern für unsere Kunden Bedingungen durchsetzen, die sonst nicht zu haben sind. Mit unserem Know-how von mittlerweile 16 D&O-Juristen entwickeln wir immer wieder wichtige Deckungserweiterungen, die den Schutz der Manager sicherstellen. In den 90-er Jahren haben die Versicherer ausgerechnet die Hauptfallgruppe – die Klage des Aufsichtsrats gegen den Vorstand – ausgeschlossen. Das haben damals viele Kunden nicht einmal realisiert, weil die Versicherungsbedingungen so schwer verstehbar formuliert sind und solche Fallen auch gut versteckt werden. Anderes Beispiel: Endete damals der D&O-Vertrag, gab es keine Nachhaftung. Fälle die also in der Laufzeit passiert waren, durften danach nicht mehr geltend gemacht werden. Auch das Hauptrisiko eines Vorstands – das Tagesgeschäft – hatten die Versicherer ausgeklammert. All diese Absurditäten und existenzbedrohende Gefahren für Manager haben wir nach und nach wegverhandelt zu Gunsten unserer Kunden. Viele Versicherungsmakler durchschauen bis heute die Verträge für ihre Kunden nicht und übersehen die Deckungslücken. Heraus kommt das aber erst dann, wenn ein Schaden passiert und der Haftungsfall eingetreten ist, mithin zu spät.
Wo sehen Sie Marktpotenziale für D&O?
Die Aufsichtsräte haben inzwischen verstanden, dass sie selbst verklagt werden können, wenn sie einen Vorstand, der fehlerhaft gehandelt hat, nicht auf Schadenersatz verklagen.
So wie jetzt auch die Telekom, die von Klaus Zumwinkel und Kai-Uwe Ricke Schadensersatz verlangt?
Ja, diese Fall-Konstellation wird künftig immer häufiger werden. Aufsichtsräte überlegen es sich heute deshalb auch doppelt und dreifach, ob sie eine Aufsichtsposition annehmen wollen – um nicht selbst eines Tages haften zu müssen. Denn selbst wenn sie nur ein kleines Geld für ihre Tätigkeit erhalten – sie haften unbegrenzt.
Welche Minenfelder gibt es noch in den kleingedruckten Versicherungsbedingungen?
Täglich entstehen neue Risiken – Stichwort Compliance – und damit neue Deckungslücken. Das ist vergleichbar mit der Automobilindustrie, deren Autos auch von Jahr zu Jahr sicherer werden. Nicht umsonst hat kürzlich der D&O-Entwicklungschef von einem der renommiertesten Versicherungsmakler unsere Bedingungen zu einem Versicherer getragen und aufgefordert, von uns alle Neuerungen komplett in seine Verträge zu übernehmen. Er selbst hatte nämlich nicht einmal verstanden, was neu war und warum.
Die Fragen stellte Claudia Tödtmann
