Shoppen im Dunkeln

Eine Freundin hatte mich vorgewarnt. Vor dem Shoppen in diesem neuartigen Laden – der die Marketinggrundsaetze in Frage stellt. Abercrombie & Fitch heisst die Marke, die die Teenagerherzen gerade hoeher schlagen laesst und ihre Geldboersen weit oeffnet. In London und New York stehen die Vorbilder. In Toronto hatte ich gerade das Vergnuegen, im Dunklen die Vorzuege dieses Ladens zu erschnuppern – und zu ertapsen.

Denn sehen kann man nicht viel in dem Shop, dafuer wird man ziemlich eingenebelt mit dem Duft, den es praktischerweise an der Kasse auch gleich zu kaufen gibt. Nicht billig, versteht sich, aber dafuer ist die Flasche mit einem maennlichen Astralkoerper verziert.
Fuer Marketingmanager und Werber sollte der Besuch des Laden Pflichtuebung werden, stellt er doch die herkoemmlichen Shoppinggrundsaetze mal so eben auf den Kopf. Grosszuegig braucht der Verkaufsraum nicht sein, auch nicht fuer recht teure – in diesem Fall sportive – Mode. Ungeniert wird der Kunde genoetigt, den Rundgang wie einen Parcour abzulaufen, abkuerzen geht nicht. Billig sind die Pluedden auch nicht, trotzdem sind die Schlangen an den Kassen verdammt lang und die Konsumenten unendlich geduldig. Hauptsache der Schriftzug Abercrombie & Fitch ist in Riesenlettern auf der Kleidung drauf. So gross muss er wohl auch sein, spielt sich das Ganze doch im weniger als Halbdunklen ab.

Stoeren tut das offenbar niemanden, wenn man nicht mal die Farbe des Shirts oder der Hose so richtig erkennt. Auch nicht, wenns ziemlich eng ist in dem Shop. Ahnung haben muessen die Verkaeufer nicht die Bohne – sie geben es netterweise auch gleich zu -, Hauptsache sie sind schoene Menschen.
Und das Frappanteste: Obwohl die Marke in Deutschland keine Werbung macht, so kennen die Teenies sie dennoch. Um nicht zu sagen: sie ist total angesagt. Die Mundpropaganda hat gereicht.

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*