Jeder zweite Deutsche fürchtet sich vor Identitätsdiebstahl im Internet

Die Deutschen lassen sich trotz vielfacher Krisen nicht aus der Ruhe bringen – aber die Bedrohung durch Internetsicherheit wird von vielen ernst genommen.

Drei von vier Deutschen haben keine Angst um Leib und Leben (73 Prozent). Der persönliche Sicherheitsindex geht nach einem Höhepunkt von 129 Punkten im Jahr 2020 (+8 im Vergleich zu 2019) zurück auf 125 Punkte. Allerdings fürchten sich knapp jeder Zweite vor Identitätsdiebstahl (47 Prozent), in Internetviren und Hackerangriffen sehen 41 Prozent eine Bedrohung. Die Sorge um die Internetsicherheit verzeichnet insgesamt den größten Anstieg und steht jetzt mit 130 Punkten (+9) an der Spitze.

Das sind die zentralen Befunde des Unisys Security Index 2021, den das amerikanische IT-Beratungsunternehmen Unisys bereits seit 15 Jahren erhebt. „Kroker’s Look @ IT“ veröffentlicht die Ergebnisse heute exklusiv vorab.

Insgesamt ergibt der diesjährige Report: Die Deutschen lassen sich trotz vielfacher Krisen nicht aus der Ruhe bringen. Der Sicherheitsindex stieg seit dem letzten Jahr zwar leicht an (+3 Punkte), doch im Ländervergleich des Berichts, für den 11.000 Verbraucher weltweit befragt wurden, bewegt sich Deutschland mit 125 Punkten deutlich unter dem globalen Durchschnitt, der bei 162 Punkten liegt.

Nach gut einem Jahr Erfahrung mit Remote-Work, Videokonferenzen und Teamchats sind fast sechs von zehn Deutschen bereit, die Verantwortung für die Datensicherheit im Home-Office selbst zu übernehmen (57 Prozent). Die Frage ist: Sind sie wirklich gewappnet? Denn jeder Zweite gibt zu, nicht vor verdächtigen Links in Textnachrichten, Mails oder Apps auf der Hut zu sein (50 Prozent).

Gefährliche Wissenslücken tun sich vor allem bei neuen Cyberbedrohungen auf. So ist sich nur ein Drittel der Befragten der Bedrohung durch SMS-Phishing oder Smishing bewusst (32 Prozent). Dabei locken beispielsweise Spam-SMS mit Nachrichten über angebliche Paketsendungen die Nutzer auf dubiose Internetseiten, um persönliche oder finanzielle Daten abzugreifen oder Schadsoftware zu verbreiten. An wen sie sich im Falle einer Cyberattacke wenden sollen, wissen nur 15 Prozent. Von der sogenannten SIM-Jacker-Methode, bei der Angreifer die SMS-Karte ihres Opfers kapern, haben gerade mal 12 Prozent gehört.

Zwar sind die Bundesbürger in Bezug auf gesundheitliche Bedrohungen recht entspannt, wenn es aber um die Bereitschaft geht, Auskunft über die eigenen Gesundheitsdaten zu geben, ist es mit der Gelassenheit vorbei – selbst dann, wenn es dabei um die Gewährleistung von Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz geht. Der Schutz vor einer Ansteckung am Arbeitsplatz ist für mehr als die Hälfte der Deutschen kein Grund, den Arbeitgeber über ihren Impfstatus gegen Corona zu informieren (56 Prozent). Auf noch geringere Zustimmung stoßen Maßnahmen wie tägliche Temperaturmessungen oder biometrische Zugangskontrollen (beides 19 Prozent).

Ein hybrides Arbeitsmodell, bei dem die Mitarbeiter flexibel zwischen Büro und Home-Office wählen können, wird von den meisten Arbeitnehmern bevorzugt. Im Rahmen dieser neuen Freiheit erwarten sie einen vertrauensvollen Umgang von ihren Vorgesetzten. So ist eine Mehrheit von fast zwei Drittel gegen Kontrollen ihrer Arbeitszeiten im Homeoffice, etwa durch die Erhebung von Login- und Logout-Daten (62 Prozent). Das deckt sich mit einer anderen Studie zur Mitarbeiterüberwachung, über die ich Mitte des Jahres hier im Blog berichtet hatte.

Auch Sicherheitsaspekte können nicht von Monitoringmaßnahmen überzeugen: Gesichtserkennung als Zugangsschutz für den Rechner am heimischen Arbeitsplatz lehnen 86 Prozent der befragten Beschäftigten ab.

Die Ergebnisse der Vorjahre 2020 und 2019 gibt’s ebenfalls hier bei mir Blog. Und weitere Zahlen & Fakten aus dem diesjährigen Unisys Security Index in der folgenden Infografik:

Quelle: Unisys

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