Zwei von fünf Managern überwachen Mitarbeiter am Arbeitsplatz mit spezieller Software

Während Beschäftigte den Einsatz von Mitarbeiterüberwachungssystemen kritisch sehen, befürworten Führungskräfte diese mehrheitlich.

Mitte Juni habe ich hier im Blog über eine Studie berichtet, wonach immerhin jeder fünfte Mitarbeiter in kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) in Deutschland mittels spezieller Software am Arbeitsplatz überwacht wird.

Mehr noch: Fast zwei Drittel der Mitarbeiter fühlen sich unter Druck gesetzt, der eigenen Überwachung zuzustimmen. Da ist es im Gegenzug wenig verwunderlich, dass eine derartige Mitarbeiterüberwachung für fast jeden dritten Beschäftigten ein Kündigungsgrund ist.

Die Such- und Vergleichsplattform für Unternehmenssoftware GetApp hat nun die Beweggründe von Managern für den Einsatz von Überwachungssoftware in einer zweiten Studie untersucht. Die befragten Führungskräfte und die Mitarbeiter der ersten Studie stammen dabei aus verschiedenen Unternehmen.

Wichtigster Befund: Zwei von fünf befragten Führungskräfte geben an, ihre Angestellten mit einer Software zu überwachen (39 Prozent), darunter elf Prozent, die es erst seit der Corona-Krise eingeführt haben. Auffällig im Vergleich: Auf Mitarbeiterseite geben nur 21 Prozent an, dass sie in ihrem Unternehmen überwacht werden.

In Unternehmen mit Mitarbeiterüberwachungssoftware waren 70 Prozent der Führungskräfte an der Entscheidung beteiligt, in diese Software zu investieren und stimmten dafür.

Fast drei Viertel der Führungskräfte, die ihre Angestellten mit Software überwachen, geben an, auch in Zukunft in eine solche Software zu investieren (72 Prozent). Zwei Drittel dieser Manager finden die Überwachung allgemein positiv für das Unternehmen (67 Prozent).

Doch auch auf Managerseite gibt es Bedenken gegen den Einsatz von Mitarbeiterüberwachungssoftware:

  • Die größten Bedenken von Managern bei der Überwachung ihrer Mitarbeiter sind Datenschutzregeln (46 Prozent), negative Auswirkungen auf das Vertrauen (38 Prozent) und das Eindringen in die Privatspähre (37 Prozent)
  • Interessant ist auch die Angabe der überwachten Aktivitäten im Vergleich zur ausdrücklichen Zustimmung der Mitarbeiter. 24 Prozent der Führungskräfte geben an, dass sie die digitale Kommunikation (E-Mails, Chats, Videokonferenzen) ihrer Angestellten überwachen, aber nur 14 Prozent der Mitarbeiter gaben hier an ausdrücklich einer Überwachung zugestimmt zu haben. 16 Prozent der Manager überwachen Audiogespräche, aber nur 7 Prozent der Mitarbeiter stimmten dieser Überwachung zu.  
  • Drei von zehn befragten Führungskräfte finden die Vorschriften zur Mitarbeiterüberwachung in Deutschland zu streng und finden, Unternehmen sollten hier mehr Möglichkeiten haben (28 Prozent). Weitere 28 Prozent sind sich unsicher, und 44 Prozent finden die Vorschriften nicht zu streng.

Weitere Zahlen & Fakten zur Managersicht auf die Mitarbeiterüberwachung in der folgenden Infografik – zum Vergrößern zwei Mal anklicken

Quelle: GetApp

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Alle Kommentare [1]

  1. unglaublich – ohne vertrauen funktioniert ein arbeitsverhältnis doch nicht.
    sowas wird gesetzliche geduldet?