Weiterhin trübe Aussichten im Smartphone-Geschäft für Nokia und Microsoft

Eigentlich wollte sich das finnisch-amerikanische Gespann gemeinsam aus der Krise im Smartphone-Geschäft katapultieren. Doch eine Kehrtwende ist bisher nicht in Sicht – weder bei Nokia noch bei Microsoft.

Während Apple von Quartal zu Quartal neue Geschäftsrekorde einfährt, ist die Lage beim finnischen Rivalen Nokia seit geraumer Zeit trübe – sie verdüstert sich sogar weiter: Erst schockiert Nokia in der dritten Aprilwoche die Märkte mit einem Quartalsverlust in Höhe von fast einer Milliarde Euro.

Ende April die nächste Hiobsbotschaft: Das Marktforschungsunternehmen IHS iSupply meldet die Wachablösung im weltweiten Handy-Geschäft. Samsung hat Nokia vom Thron als weltgrößter Handyhersteller verdrängt – eine Position, welche die Finnen seit 14 Jahren ununterbrochen inne hatten.

Quelle: Statista

Anfang vergangener Woche kommen schließlich Deutschlandzahlen des Marktforschers Comscore heraus, wonach Nokia im März von Samsung und Apple gleichzeitig überholt wurde. Danach rangieren die Finnen im hiesigen Smartphone-Markt – trotz des globalen Niedergangs haben sich die Finnen hier lange an der Spitze halten können – nur noch auf dem dritten Platz.

Ein Turn-around durch den Anfang 2011 eingeleiteten Nokia-Umstieg vom hauseigenen Smartphone-Betriebssystem Symbian auf das moderne, aber noch weitgehend bedeutungslose Windows Phone aus dem Hause Microsoft scheint noch in weiter Ferne. Mehr noch: Inzwischen ist ersten Aktionären ob des ausbleibenden Umschwungs gar der Geduldsfaden gerissen: Wie Ende vergangener Woche bekannt wurde, hat eine amerikanische Anwaltskanzlei eine Sammelklage gegen Nokia vor dem US-Bundesgericht New York Süd eingereicht.

Quelle: Statista

Die letzte Hoffnung der Finnen ist nun, dass das mit allerlei Vorschusslorbeeren bedachte Smartphone Lumia 900 in den USA doch noch durchstartet. Zu Ostern auf den Markt gebracht, misslang der Verkaufsstart – inzwischen haben sich die Geschäfte aber stabilisiert. Darauf muss auch Partner Microsoft hoffen, schließlich sind die Finnen trotz aller Probleme bereits heute der größte und wichtigste Partner für das Smartphone-Geschäft. Dies zeigt sich nicht zuletzt daran, dass die Redmonder den Finnen allein im ersten Quartal einen so genannten „Platform Support“ in Höhe von 250 Millionen Dollar für die Nutzung der Mobilsoftware Windows Phone überwiesen haben.

Seit der Präsentation des komplett neu konzipierten Smartphone-Betriebssystems Windows Phone 7 auf dem Mobile World Congress im Februar 2010 und den ersten Seriengeräten im Herbst des gleichen Jahres wartet auch Microsoft auf den Turnaround im seit langem krisengeschüttelten Handy-Geschäft. Einen entscheidenden Schub nach vorne haben sich die Redmonder daher gerade von Partner Nokia erhofft, dessen erste Lumia-Smartphones Ende Oktober 2011 auf den Markt kamen.

Quelle: RWW/Comscore

Der freilich ist noch nicht eingetreten – ganz im Gegenteil: Betrachtet man die US-Marktanteile im Langfristvergleich seit Ende 2005, erkennt man einen geradezu dramatischen Bedeutungsverlust. Lag der Windows-Phone-Vorgänger namens Windows Mobile in der Spitze Ende 2007 sogar bei 36 Prozent, ist dieser Anteil bis Ende letzes Jahr auf fünf Prozent zusammen geschmolzen.

Parallel dazu sind Apple und insbesondere auch Google mit Android stark angewachsen. „Microsofts Mobil-Comeback sieht schrecklich aus“, hat Dan Frommer vom Technologieblog „ReadWriteWeb“ seinen Beitrag betitelt. Wohl war – eine Kehrtwende im Smartphone-Geschäft ist bisher nicht in Sicht – weder bei Microsoft noch bei Nokia.

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