Erste Trendwende bei Microsoft und Nokia gelungen – in der öffentlichen Wahrnehmung

Die Smartphone-Partnerschaft der beiden IT-Riesen trägt erste bescheidene Früchte: Die US-Premiere der Finnen mit Handy-Windows wurde überraschend positiv aufgenommen – der Beginn einer Aufholjagd?

Die Gegenwart sieht geradezu noch bescheiden aus, vorsichtig ausgedrückt. Laut den jüngst veröffentlichten Marktzahlen des amerikanischen Marktforschungshauses NPD Group hat Microsoft zuletzt gerade mal knapp drei Prozent aller US-Käufer dazu bewegt, sich ein Gerät mit dem Smartphone-Betriebssystem Windows Phone zuzulegen. Gemessen an den Ambitionen der Redmonder, soviel muss man konstatierten, ist das Handy-Windows auch rund 15 Monate nach seinem Marktstart ein Flop.

Einen Pfeil hat Microsoft-Boss Steve Ballmer freilich noch im Köcher – den vielleicht wichtigsten überhaupt: Die im Februar des vergangenen Jahres verkündete Partnerschaft mit dem angeschlagenen Handy-Pionier Nokia. Ende Oktober haben die Finnen die beiden ersten Geräte mit Windows Phone in Europa auf den Markt gebracht. In der vergangenen Woche hat Nokia-Chef Stephen Elop auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas mit dem Lumia 900 jetzt das erstes Windows-Handy für den US-Markt präsentiert.

Und zum ersten Mal, seit die beiden IT-Riesen ihre Kräfte im Mobilfunk gebündelt haben, erkennt der neutrale Beobachter so etwas wie eine Trendwende – zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung: Die Webseite des Kult-Tech-Magazins „Wired“ konstatiert nach der Vorstellung, Nokia und Microsoft hätten mit dem Lumia 900 einen ersten „Brückenkopf im Mobilfunk-Krieg eingeschlagen“. Das amerikanische Wirtschaftsmagazin „Forbes“ findet immerhin „fünf Gründe, warum Microsoft mit Windows Phone“ doch noch ein Paukenschlag gelingen könnte. Und in der Technologie-Sektion der altehrwürdigen „New York Times“ wundert man sich: „Die Kritiker geraten ins Schwärmen… für Microsoft?“

Quelle: All Things D/Morgan Stanley

Solche Töne konnte man bisher kaum vernehmen, werde dies- noch jenseits des Atlantiks. Die Krönung in Form des höchsten Lobes kommt nach dem Ende der Messe CES einmal mehr von der Tech-Bibel „Wired“: „Warum Windows Phones die spannendsten Mobilgeräte auf der CES sind.“, ist das Messefazit überschrieben. Der zumindest bei Microsoft und Nokia lang herbeigesehnte Anfang einer Aufholjagd auf die inzwischen ja fast schon uneinholbar enteilten Smartphone-Marktführer Google und Apple? Dies final zu beantworten, ist noch etwas früh.

Fakt ist immerhin: Dem angeschlagenen Duo Microsoft/Nokia ist es erstmals gelungen, im größeren Stil die Aufmerksamkeit weg von der Konkurrenz hin zu den eigenen Produkten zu lenken. Geradezu bezeichnend dafür ist eine Aussage in dem Beitrag der „New York Times“: Die aktuellen Schwärmereien würden nicht einem Produkt aus dem Hause Apple gelten, sondern „einem neuen Produkt von Microsoft“. Für die NYT-Autoren wie für viele andere Beobachter wirkt Windows Phone also neu, obwohl es bereits im Oktober 2010 auf den Markt kam.

Möglicherweise ist das Timing von Microsoft und Nokia spät – aber für einen Nachzügler eben doch gerade richtig. Grund: Aktuell nimmt die Kritik an Google mit seinem Smartphone-System Android zu. Weil jene Software offen ist und von Handy-Herstellern wie Mobilfunkbetreibern beliebig verändert werden darf, wächst nicht erst seit gestern ein bunter Zoo aus unterschiedlichen Android-Versionen. Diese Fragmentierung erschwert unter anderem den Programmierern von Apps ihr Geschäft. Aus diesem und anderen Gründen hat der renommierte amerikanische Tech-Blogger MG Siegler erst vor Wochenfrist eine Brandrede in seinem Blog veröffentlicht. Dessen Überschrift: „Warum ich Android hasse.“

Auch erste Investmentbanken prophezeihen bereits eine Rückkehr des Mobilfunkgespanns Nokia und Microsoft. Laut einer in der vergangenen Woche veröffentlichten Schätzung von Morgan Stanley soll Nokia in diesem Jahr bereits rund 37 Millionen Windows Phones verkaufen; 2013 erwarten die Analysten bereits ein Absatzpotenzial von 64 Millionen Geräten. Sollten diese Schätzung auch nur halbwegs eintreffen, könnte beiden tatsächlich noch im letzten Augenblick ein Turnaround gelingen. Im vergangenen Jahr hat Microsoft dafür jedenfalls heimlich, still und leise die Voraussetzungen geschaffen: Inzwischen verfügt das Handy-Windows beispielsweise über mehr als 50.000 Apps. Jeder Windows-Phone-Nutzer lädt im Schnitt 48 Apps herunter. Diese und weitere Daten in der Infografik – zum Vergrößern zwei Mal hintereinander auf die Grafik klicken (wird beim ersten Mal kleiner):

 

Quelle: Microsoft

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Alle Kommentare [2]

  1. Was soll man auch anderes sagen. Windows Phone hat die Aufmerksamkeit absolut verdient. Bin seit den Anfängen der Smartphones dabei und WP7 ist mit Abstand das beste Betriebssystem auf dem Markt. Es steht noch am Anfang, aber der Siegeszug ist eigentlich sicher.