Auf dem Mobile World Congress präsentiert Microsoft den Nachfolger für das veraltete Handy-Betriebssystem Windows Mobile: Mit einer komplett neuentwickelten Software namens Windows Phone 7 will Konzernchef Ballmer endlich gegen Apple und Google punkten.
„Das iPhone ist doch nur ein gewöhnliches Telefon“, sagte Microsoft-Chef Steve Ballmer im Interview mit der WirtschaftsWoche: „Ich garantiere Ihnen, dass sich das iPhone nicht sonderlich verkaufen wird.“ Das war Anfang Juni 2007, also wenige Wochen bevor Apple sein erstes Handy in den USA auf den Markt brachte. „Microsofts Anspruch mit Windows Mobile lautet dagegen, Hunderte Millionen Geräte jährlich zu verkaufen.“ Selten zuvor dürfte sich Ballmer mit einer Prognose derart geirrt haben – und das gleich doppelt.
Wie sehr Wunsch und Wirklichkeit gerade einmal zweieinhalb Jahre später tatsächlich auseinander klaffen, beweisen die Marktzahlen für Smartphones – das sind Handys mit Computereigenschaften wie eben das iPhone -, die das britische Marktforschungsunternehmen Canalys Anfang Februar veröffentlicht hat: Demnach brach 2009 der Anteil von Mobiltelefonen, die Microsofts Handy-Betriebssystem Windows Mobile unter der Haube haben, geradezu dramatisch von 13,9 auf 8,8 Prozent ein. Parallel dazu stieg das iPhone des Erzrivalen Apple von 9,6 Prozent im Jahre 2008 auf 15,1 Prozent im vergangenen Jahr.
Mobilgeschäft wichtiger Zukunftsmarkt
Der Mobilfunkmarkt und das mobile Internet sind vielleicht die wichtigsten Zukunftsmärkte in der IT- und Hightech-Industrie überhaupt, wie etwa der Hype rund um den Start des Tablet-Computers iPad von Apple vor wenigen Wochen beweist. Und in jenem Multi-Milliarden-Dollar-Geschäft fällt Microsoft immer mehr zurück. Selbst Google hat Anfang Januar mit dem Nexus One sein erstes Smartphone unter dem eigenen Label auf den Markt gebracht, um dadurch das eigene Handy-Betriebssystem Android voran zu bringen.
Kein Wunder also, dass Microsoft geradezu zum Handeln gezwungen ist. Das sieht Konzernboss Ballmer offenbar ebenso: So lässt er es sich nicht nehmen, höchstpersönlich nach Barcelona zu reisen, wo am Montag die weltgrößte Mobilfunkmesse World Mobile Congress (WMC) startet. Denn dort soll er erfolgen, der lang erwartete Gegenschlag von Microsoft: Dem Vernehmen nach will Ballmer am Montagnachmittag Windows Mobile 7, den Nachfolger der missratenen und fehlergeplagten Vorgängerversion 6.5 vorstellen. Um bei der Benutzeroberfläche und Bedienbarkeit wenigstens halbwegs wieder mit der Konkurrenz gleichzuziehen, soll Windows Mobile 7 offenbar eine Neuentwicklung sein und optisch an Microsofts Multimedia-Spieler Zune HD erinnern.
Darüber hinaus halten sich seit Wochen Gerüchte, dass Microsoft obendrein auch die bisher propagierte Linie verlässt, keine eigenen Geräte auf den Markt zu bringen, weil das ein Affront gegen die Lizenznehmer von Windows Mobile auf der Geräteherstellerseite wäre. Demnach könnte Ballmer auf dem WMC auch die ersten Handys unter eigener Microsoft-Flagge vorstellen – vielleicht sogar eine ganze Produktreihe unter dem Label „Windows Phone 7 Series“, wie jüngst entdeckte Plakate aus Barcelona zeigen. Möglicherweise hat der Microsoft-Chef dann ja auch noch eine echte Killer-Applikation mit im Gepäck: Angeblich soll Windows Mobile 7 mit der Microsofts Online-Spieleplattform Xbox Live verknüpft werden. Microsoft-Smartphones würden so zu veritablen mobilen Daddel-Maschinen – zumindest für einen Teil der Konsumenten ein durchaus zugkräftiges Kaufargument.
Klassiker Windows und Office dominieren
Mit einem derartigen Smartphone könnte Microsoft glatt auch einen Gegenbeweis aufstellen gegen Aussagen wie etwa jene des einflussreichen US-Technologieanalysten Mark Anderson. Der hatte Microsoft im vergangenen Dezember in seiner traditionellen Weihnachtsansprache attestiert, mittlerweile jegliches Gespür für den Massenmarkt verloren zu haben: „Außer beim Gaming heißt’s ‚Game over‘ für Microsoft im Geschäft mit Endkunden.“
Denn irgendwie stimmt es ja auch: Trotz vieler Versuche, in neue Märkte und neue Geschäftsfelder vorzustoßen, ist Microsoft bis heute weigehend ein reinrassiger Softwareanbieter für die traditionelle Computerindustrie geblieben. Den Großteil des Gewinns werfen weiterhin die Klassiker Windows und Office ab. Auch wenn die derzeit noch weiter ordentlich sprudeln, wie der aktuelle Erfolg von Windows 7 beweist, spielt künftig die wahre Musik – sprich das deutlich größere Wachstum – im Segment der mobilen Geräte.
Denn Handy, Tablet & Co. nehmen zunehmend die Rolle als zentraler Eingang in die virtuelle Mobilwelt ein. Nur wer selber eine wohlgestaltete Pforte im Angebot hat, kann dahinter Reibach mit neuen Produkten und Diensten machen. Lehrmeister ist auch hier einmal mehr Apple: Allein mit den kleinen Softwareschnipseln fürs iPhone – den so genannten Apps – setzte die Apfel-Company im vergangenen Jahr geschätzt 2,5 Milliarden Dollar um. Welche Art von Handys Steve Ballmer in Barcelona auch immer präsentieren wird – ob eher Business-orientierte Smartphones für den Geschäftsnutzer oder eine mobile Daddelmaschine: Microsoft ist zum Erfolg im Mobilfunkgeschäft geradezu verdammt. Sonst ist die Konkurrenz von Apple, Google & Co. möglicherweise uneinholbar enteilt.

*Kopfschütteln*
Wat dat nun wieder soll.
224 Mrd USD schwer und kein Stückchen weise.
Mal wieder Microsoft. Mit der Größe wird man träge 🙂 Irgendwie wiederholt sich die Geschichte, erst den Suchmaschinen (Bing, ehemals MSN) Markt verschlafen und nun den mobilen Trend. Was kommt als nächstes?