Google+ zweitgrößtes soziales Netzwerk in den USA vor Twitter – wirklich?

Angeblich hat Google+ im Heimatmarkt den Kurznachrichtendienst Twitter überholt. Aber wieder einmal lohnt der Blick auf die Nutzungszahlen.

Auf den ersten Blick mal wieder positive Nachrichten für Google+: Laut einer Erhebung des amerikanischen Internet-Anzeigen-Netzwerks Burst Media ist das soziale Netzwerk aus dem Hause Google inzwischen beliebter als der Kurznachrichtendienst Twitter – und rangiert auf dem zweiten Rang aller sozialen Plattformen hinter Facebook.

Das jedenfalls hat laut Burst Media eine im März 2013 durchgeführte Umfrage unter 2577 Amerikanern ergeben. Demnach haben in den USA 26 Prozent aller Frauen und knapp 25 Prozent aller Männer ein Konto bei Google+ (das komplette PDF der Studie gibt’s hier).

Angesichts solcher Zahlen reibe ich mir, ehrlich gesagt, verwundert die Augen. Denn selbst wenn das Verhältnis von Google+ zu Twitter hinkommt – es geht (wie bei vielen solcher Studien) hier mal wieder „nur“ um die Zahl der Konten beim jeweiligen Dienst, nicht um die aktive Nutzung.

Quelle: Burst Media

Einmal mehr ist es daher wichtig, sich vor Augen zu führen, was genau Google+ ist: Eine Art sozialer Layer zwischen den verschiedenen Google-Diensten wie YouTube oder Gmail. Sobald man ein Konto bei einem jener Dienste anlegt, erhält man automatisch einen Account bei Google+. Gleiches gilt für jedes neu aktivierte Android-Smartphone.

Mehr noch: Sobald man bei einem jener Dienste eingeloggt ist, zählt dies auch als „aktive Nutzung“ von Google+. Das bedeutet: Selbst die Nutzungs-Zahlen – so sie Google denn überhaupt mal wieder herausrückt – sind künstlich aufgebläht. Laut eines Berichts der Nachrichtenagentur „Reuters“ von Anfang Mai verfügt Google+ über 500 Millionen Konten und 135 Millionen aktive Nutzer.

Genau in jener Analyse beklagen sich Markenhersteller aber auch über mangelndes Engagement der Nutzer auf Google+. Demnach hätte sich der durchschnittliche US-Nutzer im März nur 6 Minuten 47 Sekunden dort aufgehalten; beim Erzrivalen Facebook dagegen mehr als sechs Stunden, zitiert „Reuters“ eine Studie von Nielsen Media Research.

Dies deckt sich mit meinem – zugegebenermaßen rein subjektiven – Eindruck: Mitte Mai hat Google auf seiner Entwicklerkonferenz I/O ein neues Layout für Google+ vorgestellt. Seitdem habe ich festgestellt, dass das Engagement der Nutzer, etwa auf Blog-Posts von mir, spürbar zurückgegangen ist – vor allem, weil die Übersichtlichkeit gelitten hat.

Dieses Gefühl scheint nicht nur mich zu beschleichen: Ende Mai hat etwa Martin Mißfeldt in seinem Blog Google+ wegen des misslungenen Redesigns einstweilen Tschüss gesagt. Ich bin gespannt, wie es mit dem sozialen Netzwerk weitergeht.



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Alle Kommentare [15]

  1. Hallo Herr Kroker,

    ich schätze es sehr, wenn Studien hinterfragt werden.

    Allerdings glaube ich gar nicht, dass für Google das wichtigste Ziel ist, eine hohe Aktivitätsquote im Stream zu haben. Hierzu gibt es übrigens aktuelle Zahlen: Vic Gundotra hat auf der Google I/O zwei Zahlen bekannt gegeben:

    1. Es gibt 190 Mio. Accounts, die mindestens einmal im Monat den Stream & seine Funktionen nutzen. Diese Accounts sind also tatsächlich im Netzwerk aktiv.
    2. Es gibt 390 Mio. Accounts, die Plus-Funktionen nutzen (Play Store, +1 auf Webseiten etc.).

    Meiner Meinung nach ist es für Google deutlich wichtiger, die zweite Zahl zu erhöhen. Das liegt an den unterschiedlichen Zielen von bspw. Facebook & Google+. Facebook braucht Besucher im Stream, da nur dort Geld verdient wird. Das hat Google nicht nötig. Für Google ist es viel wichtiger, den riesigen Datenschatz mit echten Menschen/Profilen in Verbindung zu bringen. Und das schafft G+ durch die Layer-Funktion.

    Meine Gedanken dazu finden Sie auch hier: http://www.socialmediastatistik.de/190-millionen-monatlich-aktive-nutzer-google-plus/

  2. Google+ ist tot. Punkt.
    Einzig ein paar Nerds und Online-Marketer tummeln sich dort.
    Otto-Normal-Verbraucher ist und bleibt bei Facebook.
    Da kann sich Google die Zahlen noch so schön reden.

  3. Tatsächlich ist aber die Nutzung in den USA mit der in Deutschland und Österreich überhaupt nicht zu vergleichen. Hier bei uns posten Leute Links, um sie gut für die Suchmaschine zu positionieren. Dort wird richtig kommuniziert. Seit ich viele Amerikaner in meinen Kreisen habe, ist Google Plus für mich persönlich ebenfalls zur Social Media Plattform Nummer 1 mutiert, auf Kosten auch von Twitter, das muss ich zugeben. Aber die ganze Aktivität kommt von Englischsprachigen. Wenn ich mir nur meine deutschsprachigen Kreise ansehe, dann liegen die nach wie vor am Boden. Blog-Posts von dir sind also – leider – kein relevanter Maßstab. (Sorry)

  4. Irgendwie ist das ja alles kein Nullsummenspiel. Ich denke ich bin alles in allem nicht deutlich weniger bei Twitter unterwegs, seit ich G+ nutze.

  5. @Stefan Keuchel: Tja, wenn das alles ist, was Google zu dem Thema zu sagen hat, ist es wohl an der Zeit, sich noch mal was ausgiebiger mit dem Thema zu beschäftigen… ;-)

  6. Meine Meinung: Das permanente Schlechtreden und Verdrehen der Zahlen ins Negative wird aber wirklich langsam langweilig… Auch in der gestern zitierten Studie stieg G+ gut aus, was freilich im Blog (wieder einmal) verschwiegen wurde. Und so geht’s dahin. Von journalistischer Objektivität keine Spur… bei jeder Gelegenheit einfach Google+-Bashing. Sorry, so sehe ich das mittlerweile.

  7. PS: Und ich finde das sehr schade. Denn ich schätze die oft fundiert und sorgsam aufbereiteten Beiträge zu anderen Themen durchaus sehr.

  8. Hallo @Michael Kroker das ist (wie Du Dir denken kannst) nicht Googles Statement dazu, sondern mein ganz eigenes (privates). Dein andauerndes G+ Gebashe langweilt nicht nur mich. Aber in der Tat wäre es keine schlechte Idee, wenn Du Dich tatsächlich einmal ausgiebiger mit G+ beschäftigst. Dann wird sich auch dein subjektives Empfinden vielleicht irgendwann einmal ändern :-)

    Die Zahlen in Deinem Post sind übrigens nicht ganz richtig, Im Rahmen der I/O hat Google bekannt gegeben, dass es inzwischen 190 Mio mtl aktive Nutzer gibt, nicht 135 wie Du fälschlicherweise schreibst. Tendenz: Weiter steigend.

    Und auch in Deutschland passiert einiges. Hier ist was ComScore im April 2013 bekannt gegeben hat

    Die Nummer 2 (der sozialen Netzerke in DE) heißt inzwischen Google+, nachdem man auch Xing hinter sich gelassen hat. Mit einem Sprung um 82,0% gegenüber August erreichte Google+ im März bereits fast 6,7 Mio. Nutzer

    Mit den 6.7 Mio Unique User liegt G+ in DE also deutlich vor Xing (5,2 Mio) und auch Twitter (3,2 Mio). Und das sind wie erwähnt Unique User. Also hilft hier auch Dein übliches Argument, dass das ja alles nur erzwungene Nutzer sind, nicht weiter.

    Hier zum nachlesen: http://meedia.de/internet/die-top-20-der-sozialen-netzwerke-in-deutschland/2013/04/26.html

    Aber wie schon gesagt: Ich kenne ja Deine Position/Meinung. Sie langweilt mich. Nichts für ungut… :-) 

  9. Ich finde auch, dass die Übersichtlichkeit etwas gelitten hat, aber nicht so stark, dass das zu so viel geringerer Interaktion führt… die Optik macht irgendwie trotzdem einiges her :)

  10. Lieber Gerold Wagner: Ich betreibe weder G+ „Bashing“ noch Studien-Verdrehung, sondern setze mich kritisch mit Studien auseinander, die ich nicht selber angefertigt habe. Will sagen: Account-Anzahl mit Zwangsaktivierung und tatsächliche Nutzung sind halt Unterschiede. Und ich habe eben auch meine eigene – natürlich subjektive – Beobachtung.

    Und Stefan Keuchel: Die Zahlen, die ich zitiert und NATÜRLICH verlinkt hatte, stammen aus der Reuters-Analyse. In der beschweren sich Marken-Hersteller übrigens über mangelhafte Nutzer-Akzeptanz – und die dort erwähnten Nielsen-Zahlen sind wahrlich auch kein Ruhmesblatt.

    Will sagen: Hätte ich bashen wollen, hätte ich noch GANZ anders getitelt. So habe ich aber ein so sachlich wie möglich geschriebene kritische Analyse irgendwelcher Zahlen/Studien gemacht. 

  11. @Michael Kroker: Nur zur Begriffsklärung: Eine kritische Auseinandersetzung / kritische Würdigung beinhaltet die Behandlung umfangreicher Aspekte, nicht nur der negativen. Ich vermag dies bei den auf Google+ bezogenen „kritischen Analysen“ nicht mehr zu erkennen – sorry. Es gelingt doch bei anderen Themen so hervorragend… aber hier …

  12. @Gerold Wagner: Ich weiß nicht, warum die Google-Leute um Stefan Keuchel so dünnhäutig sind, wenn’s um G+ geht. Aber was die umfassende Beleuchtung verschiedener Aspekte betrifft, glaube ich schon, dass ich mich da mindestens mal drum bemühe – siehe etwa hier

    http://blog.wiwo.de/look-at-it/2012/10/01/soziale-netzwerke-in-deutschland-twitter-fallt-hinter-google-zuruck/

    oder dort

    http://blog.wiwo.de/look-at-it/2012/07/20/aktuelle-nutzungszahlen-dreht-sich-gerade-der-wind-bei-googleplus/ 

  13. @Michael Kroker: Weiß ich auch nicht, da ich weder ihn noch die Leute um ihn herum kenne. Und es freut mich, wenn im Blog trotz subjektiver Sichtweise auch mal Positives berichtet wird. So nähert es sich wenigstens einer neutralen Berichterstattung und der üblicherweise hohen Qualität der Beiträge an.

  14. Ich weiss gar nicht, was ich davon halten soll, dass Du die Kommentare von G+ einfach hier rueber kopierst ohne die Kommentatoren darueber zu informieren. Nicht so die feine englische, oder???

    Wie dem auch sei. Mir ist aufgefallen, dass neben der falschen Information, dass G+ 135 Mio aktive Nutzer hat (es sind 190 Mio mtl aktive Nutzer / ware toll, wenn Du das richtig stellen koenntest) auch die Information das Martin Missfeldt G+ verlassen haette, nicht stimmt. Ein Blick auf sein G+ Profil haette Dir das uebrings gezeigt: https://plus.google.com/u/1/115799574439693399323/posts

    Recherche, Recherche, Recherche – das sollte ein WiWo Redakteur doch besser drauf haben, oder? :-)