Krokers RAM: Bürokratiemonster XRechnung – warum Deutschland keine Digitalisierung kann!

Mein Rant am Morgen: Was falsch läuft bei der digitalen Transformation von Behörden in Deutschland, zeigt sich geradezu exemplarisch bei der Einführung der elektronischen Rechnung, die ab Herbst verpflichtend für Auftragnehmer wird. Die Vorschrift wird als föderaler Flickenteppich umgesetzt.

Erst in der vergangenen Woche habe ich hier über den enormen Rückstand von Deutschland in der Digitalisierung der Verwaltung beklagt – trotz des Corona-Rückenwinds, den die übrige Wirtschaft gerade erfährt.

Wie schlecht es um die digitale Transformation in Behörden tatsächlich bestellt ist, zeigt exemplarisch ein aktueller Fall: Die Einführung der elektronischen Rechnung, die ab dem Herbst bei Geschäften mit dem Staat für Auftragnehmer verpflichtend werden.

Im Prinzip eine gute und fortschrittliche Idee, die auf eine europaweite Richtlinie der EU zurückgeht. Doch statt die Vorschrift einheitlich bundesweit umzusetzen, kochen Bund, Länder und Kommunen ihr eigenes Süppchen.

Beim Bund wird die Nutzung der XRechnung – so der Name des digitalen Formats – verpflichtend, manche Bundesländer verfahren ebenso, andere Länder wie etwa Bayern begnügen sich mit einer Kann-Regelung und akzeptieren weiterhin auch Rechnungen auf Papier.

Kurzum: Selbst bei so einem vermeintlich simplen Thema wie elektronischen Rechnungen existiert ein intransparenter föderaler Flickenteppich, die eine Vorbereitung seitens der Unternehmen enorm erschwert – und das eigentliche Ziel der EU-Verordnung auf einfache und durchgängige elektronische Prozesse letztlich total konterkariert.

Damit droht die XRechnung, als weiteres Bürokratiemonstrum für die Unternehmen zu enden – wie zuletzt die Einführung der Bonpflicht im Einzelhandel, wie ich kürzlich in einer WiWo-Geschichte dargelegt habe. Deutschland kann offenbar keine Digitalisierung, zumindest die öffentliche Hand nicht.

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Alle Kommentare [1]

  1. Einspruch!

    In diesem Fall muss man den Bund und der Kosit (Koordinierungsstelle für IT-Standards) und deren Ideen zu der Thematik in Schutz nehmen.

    Es liegt tatsächlich am Föderalismus und die dazugehörige Kleinstaaterei.
    Tatsächlich sind die Vorschläge des Bundes durchaus gut durchdacht, machen Sinn und würden die Digitalisierung beschleunigen.
    Auch das digitale Format „XRechnung“ ist zukunftsweisend, immer im Hintergrund dass das Format mit Peppol (Netzwerk um Rechnungen digital zu tauschen) kompatibel ist. Darauf lässt sich was entwickeln.

    Leider sind die Gesetzgebungen der Bundesländer unterschiedlich. Die Verpflichtungen, Transportwege oder Bagatellgrenzen. Ein Bundesland ist sogar so aufgestellt, dass es die Verpflichtung jeder Behörde einzeln überlässt ggfs. sogar den Transportweg. Diese Variabilität kann nur schief gehen – auf beiden Seiten.

    Digitalisierung braucht Prozesse, die klar definiert sind mit so gut wie keinen Ausnahmen!

    Aufgrund meiner beruflichen Tätigkeit sehe ich, dass es auch anders geht. Die Skandinavischen Länder insbesondere Norwegen nutzen Peppol immer mehr, um alle Rechnungsprozesse mit Behörden bzw. privatwirtschaftlich abzubilden.

    Historisch ist Deutschland immer noch in Kurfürstentümer, Grafschaften aufgeteilt, deren „Fürsten“ und Verwaltungen ihre Macht auch nicht aufgeben wollen.
    Leider wird nicht verstanden, dass es hier nicht um politischen Willen geht, sondern um Prozesskosteneinsparpotentiale bei Behörden und in der Privatwirtschaft. Jede Abweichung kostet und die eigentliche Idee der EU Direktive wird damit in Deutschland zunichte gemacht, sofern die Bundesländer nicht auf die Linie der KOSIT und des Bundes schwenken.