Hälfte des deutschen Mittelstands will veränderte Geschäftsmodelle – in China 80 Prozent

Digitaler Wettlauf zwischen DACH und China: Die mit der Digitalisierung einhergehende strategische Veränderung von Geschäftsmodellen wird im Reich der Mitte offensiver gelebt als in der deutschsprachigen Region.

Erfolgreiche Digitalisierung funktioniert nur mit einer nachhaltigen IT-Ausstattung – das galt schon vor der Corona-Pandemie, das gilt erst recht jetzt und danach. Generell erwarten die Unternehmen starke strategische Umwälzungen durch die Digitalisierung.

Mehr als die Hälfte der Führungskräfte in der Region Deutschland, Österreich und Schweiz (DACH) sehen eine Veränderung des Geschäftsmodells als notwendig an (55 Prozent). Dies wird freilich in China noch offensiver gelebt: Dort sehen sogar 80 Prozent der Unternehmen eine notwendige Veränderung im Geschäftsmodell.

Das ist einer der zentralen Befunde der Infrastruktur-Studie, die die Marktforscher von Techconsult im Auftrag des Schweizer Technologieanbieters Dätwyler Cabling Solutions in DACH und in China durchgeführt haben. Die Befragung erfolgte branchenübergreifend von Dezember 2019 bis Januar 2020 bei Führungskräften in mittelständischen Unternehmen.

„Kroker’s Look @ IT“ veröffentlicht die Ergebnisse der Studie heute exklusiv vorab.

Die Untersuchung wurde also vor der Corona-Pandemie durchgeführt – allerdings hat die Krise nochmals bestätigt, wie überlebenswichtig eine verlässliche Technologiebasis für funktionierende digitale Prozesse ist.

So halten in der Dach-Region acht von zehn Befragten die IT-Infrastruktur für entscheidend oder wichtig für den digitalen Veränderungsprozess (83 Prozent), in China ist es sogar praktisch jedes Unternehmen (98 Prozent).

Auf die Frage, in welchen Bereichen die Unternehmen aktuell Digitalisierungsprojekte umsetzen, gaben die Befragten in DACH an, dass sie Sicherheitsrichtlinien (42 Prozent) implementieren oder mobile Lösungen (42 Prozent) einrichten.

In China setzen 43 Prozent auf Security-Projekte und 42 Prozent auf mobile Lösungen. Im Laufe dieses Jahres stehen dann in DACH die Bereiche Smarte Produkte mit 39 Prozent und Künstliche Intelligenz (KI) mit 38 Prozent an erster Stelle. China plant 2020 mit jeweils 46 Prozent Internet-of-Things- (IoT) und KI-Projekte.

Insgesamt zeigt sich in beiden Regionen ein hohes Investitionsniveau in die IT-Infrastruktur – in den kommenden 12 Monaten und darüber hinaus. Allerdings bleibt die Frage, wie Corona jene Werte jetzt beeinflusst. In DACH planten jedenfalls vor der Krise 81 Prozent der Unternehmen in den nächsten 12 Monaten, in Ihre IT-Infrastruktur zu investieren.

In die Cloud wollen in den deutschsprachigen Ländern insgesamt 54 Prozent der Unternehmen investieren, in Rechenzentren knapp 53 Prozent der Befragten. Das zeigt eine leichte Tendenz in Richtung Cloud-Computing.

In China liegt die Anzahl der Unternehmen, die ihre IT-Infrastruktur modernisieren möchten, sogar bei 99 Prozent. 64 Prozent investieren in diesem Jahr in Datacenter, gefolgt von IaaS (56 Prozent) und hybriden Cloud-Modellen (48 Prozent).

Weitere Ergebnisse zum Stand der Digitalisierung in der DACH-Region und in China in der folgenden Infografik – zum Vergrößern zwei Mal anklicken:

Quelle: Datwyler

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Alle Kommentare [2]

  1. Hochinteressanter Beitrag. Er zeigt, wie wichtig für Unternehmen das Thema Business Reinventing wird. Denn Cost-Cutting alleine schafft weder neue Nachfrage noch neue Märkte. Wobei die Digitalisierung eine wichtige Stellschraube sein wird, die Beschleunigung der Organisation in der Umsetzung eine andere zentrale Rolle einnimmt. Man denke nur an Firmen wie Haier in China.

  2. Sehr guter Beitrag, der unsere eigenen Untersuchungen von ADVYCE und InterChina Consulting nur bestätigt: China ist Deutschland in der Digitalisierung von Geschäftsmodellen weit voraus! Das hat aus unserer Perspektive hauptsächlich folgende drei Gründe: erstens, sind „Industrial Internet of Things“ und „Smart Manufacturing“ stark in Chinas Industrieentwicklungspolitik verankert. Es wird extrem großer Wert darauf gelegt, dass kleine und mittlere Hersteller frühzeitig die Chancen der Digitalisierung nutzen können. Zweitens, große Staatsunternehmen (z.B. Sinopec, State Grid, Shanghai Electric etc.) haben digitale Plattformen für den eigenen Gebrauch geschaffen und beginnen nach und nach, diese mit anderen Unternehmen zu teilen. Und drittens, starke und verlässliche Finanzierungskonzepte – speziell für die Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle – werden gezielt gefördert (z.B. die von der Regierung und großen Staatsunternehmen unterstützte „Tian Yan Cha-App“ ist zu einem sehr beliebten Tool geworden, um Unternehmensinformationen zügig und bequem zu überprüfen). Da können wir uns definitiv etwas abgucken…