Krokers RAM: Xerox gegen HP – oder: zwei Hinkende ergeben keinen Sprinter

Mein Rant am Morgen: Der Zusammenschluss von Xerox und HP wäre keine Vermählung von zwei Kraftprotzen, ganz im Gegenteil. Ein Stück weit wiederholt sich sogar die Geschichte, wie ein Blick in die Vergangenheit zeigt.

Schon seit einigen Monaten schwelt der Übernahmekampf zwischen den IT-Rivalen Xerox und HP Inc.: Anfang November 2019 sickerte durch, dass kleinere Druckerhersteller eine Übernahme des größeren Computerkonzerns plant.

Doch trotz eines Kaufangebots in Höhe von zuletzt 33 Milliarden Dollar lehnte der HP-Verwaltungsrat die Offerte Mitte November ab – worauf Xerox keine zwei Wochen später ankündigte, nunmehr ein feindliches Übernahmeangebot vorzubereiten.

Dabei ist altehrwürdige, bereits im Jahr 1906 gegründete IT-Dino in dieser Woche ein gutes Stück weit vorangekommen: Denn mehrere Banken habe sich verbindlich bereiterklärt, dem Angreifer einen Milliardenkredit in Höhe von 24 Milliarden Dollar für die Übernahmeschlacht zur Verfügung stellen zu wollen.

Egal wie jenes Ringen auch ausgeht – eins ist jetzt schon klar: Der Zusammenschluss von Xerox und HP wäre keine Vermählung von zwei Kraftprotzen, ganz im Gegenteil. Beide Unternehmen bewegen sich in Märkten, die seit Jahren unter Druck und im Rückwärtsgang sind: Xerox im umkämpften Druckergeschäft, dito HP – plus da zusätzlich auch das seit geraumer Zeit schwächelnde PC-Segment.

Das Hauptmotiv von Xerox für die Fusion zielt vor allem auf Größe und somit auf Skalenfaktoren im Einkauf und in der Fertigung – die grundsätzlichen Probleme im Kerngeschäft bleiben davon unberührt. Oder prägnanter ausgedrückt: Zwei Hinkende ergeben zusammen keinen Sprinter, leider.

Das beweist auch ein Blick in die Vergangenheit – denn ein Stück weit wiederholt sich hier die Geschichte: Schon vor fast 20 Jahren stand das PC-Geschäft schon einmal unter Preis- und Margendruck, weil sich die grauen Kisten vom sexy Begehrgut hin zum austauschbaren Massenprodukt wandelten – Stichwort Commoditisierung.

Im Jahr 2001 reagierten zwei angeschlagene IT-Giganten darauf mit einer Fusion, die auf dem Papier den weltgrößten Anbieter von PCs und Servern schaffte. Die Namen der im Unterschied zu heute freundlich vermählten Konzerne: Hewlett-Packard und Compaq – die Älteren unter Ihnen werden sich erinnern. Die Lektüre meiner WiWo-Analyse vom September jenen Jahres erzeugt ein Deja-vu: Eine Hochzeit der Verlierer – hier der komplette vierseitige Ressort-Aufmacher von damals bei Tumblr.

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Alle Kommentare [2]

  1. HP im „schwächelnden“ PC-Segment? Hat da jemand seine Hausaufgaben nicht gemacht und Markt- und HP-Verkaufzahlen der letzten Jahre ignoriert? HP als übrigens grösster PC-Hersteller der Welt ist seit Jahren im Wachstum, sei es bei Umsatz, Marktanteilen, Marge, etc. Wäre ziemlich einfach gewesen, dies zu recherchieren. Schade. Qualitätsartikel sehen anders aus, als dass man 10-jähriges Wissen als „wird schon noch so sein“ verkauft.

  2. Hallo Herr Grunder, danke für Ihren Kommentar. Ja, das PC-Segment schwächelt: Auch wenn der Markt jüngst einen Anstieg von 2,3 Prozent verzeichnete – das war das erste Plus nach sieben Jahren Schrumpfung. Da darf man dann wohl noch von einem schwächelnden – im Gegensatz zu einem boomenden – Markt sprechen.

    Und Weltmarktführer ist übrigens nicht HP, sondern Lenovo – das nur zum Thema Hausaufgaben. Quelle – Gartner vom 13.01.2020: https://www.gartner.com/en/newsroom/press-releases/2020-01-13-gartner-says-worldwide-pc-shipments-grew-2-point-3-percent-in-4q19-and-point-6-percent-for-the-year

    Beste Grüße Michael Kroker