Die Amazon Cloud – das am schnellsten wachsende Software-Geschäft der IT-Geschichte

Seit dem Erreichen der Umsatzschwelle von einer Milliarde Dollar wächst AWS deutlich stärker als etwa Microsoft oder VMWare zu jenem Zeitpunkt.

Immer noch dürfte außerhalb der IT vielen Beobachtern weitgehend unbekannt sein, dass Amazon nicht nur der alles dominierende Online-Handelsgigant ist: Jede Minute erzielt das US-Unternehmen E-Commerce-Umsätze von fast 200.000 Dollar.

Zudem hat Amazon-CEO Jeff Bezos in den vergangenen Jahren aus einer Not – nämlich für boomende Geschäfte etwa bei Thanksgiving oder in der Vorweihnachtszeit eine gigantische IT-Infrastruktur vorhalten zu müssen, weil diese Handelsspitzen praktisch kein anderer Dienstleister abfedern kann – eine regelrechte Tugend gemacht.

So vermietet Bezos die überschüssigen IT-Kapazitäten von Amazon in Form von Cloud Computing bereits seit Ende 2006 an andere Unternehmen. Wie erfolgreich dieser Amazon Web Services (AWS) getaufte Dienst tatsächlich bereits ist, hat eine Studie der US-Investmentbank Pacific Crest Securities deutlich:

AWS_Teaser

Quelle: Businessweek

Demnach ist AWS eine der am schnellsten wachsenden Software-Sparten der IT-Geschichte. Dazu hat Pacific Crest die Entwicklung verschiedener Anbieter wie etwa Google, Yahoo, Microsoft oder VMWare nach dem Erreichen des Umsatz-Meilensteins von einer Milliarde Dollar untersucht.

In dem Ranking verzeichnet nur Google ein noch steileres Umsatzwachstum als AWS. Berücksichtigt man dann noch, dass der Google-Umsatz zu fast 95 Prozent aus Anzeigenerlösen stammt – und nicht aus dem Geschäft mit Google-Apps, also dem eigentlichen Cloud-Geschäft, lässt sich sogar sagen: Die Amazon-Cloud ist sogar DAS am schnellsten wachsende Software-Geschäft der IT-Geschichte.

Allein in diesem Jahr sollen die Umsätze laut Pacific Crest von 3,1 Milliarden Dollar 2013 um satte 58 Prozent auf gut fünf Milliarden Dollar nach oben schnellen. Bis Ende 2015 erwarten die Analysten dann AWS-Erlöse von fast sieben Milliarden Dollar.

Interessanter Nebenaspekt: Bei einem Quartalsumsatz von 1,25 Milliarden Dollar erlöst AWS mit dem Vermieten von Computing-Power übrigens bald so viel wie traditionelle Server-Hersteller mit dem Verkauf ihrer grauen Rechenknechte: Laut US-Marktforscher Gartner lagen im ersten Quartal 2014 nur Hewlett-Packard (2,9 Milliarden Dollar), IBM (2,2 Milliarden Dollar) und Dell (2,0 Milliarden Dollar) vor dem Amazon-Cloud-Geschäft.

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Alle Kommentare [2]

  1. Moin,

    AWS ist in der Tat eine echte Erfolgsgeschichte: das wahrscheinlich beste Recycling der IT-Geschichte 🙂
    Dennoch zwei Anmerkungen: Es ist nnatürlich nicht ganz fair den Rechnerverkauf von IBM und HP mit den Services von Amazon zu vergleichen. Die beiden unterhalten auch Serviceeinheiten, die traditionell ein Vielfaches des Amazonumsatzes machen. Dass sich das in den nächsten Jahren durch den Cloudtrend ändern kann, ist keine Frage. Aber noch ist Amazon auf den Verfolgerrängen.
    Zum zweiten: Ich habe versucht, die Originalquelle der Amazon-Umsatzaussage zu finden, die in der Infografik angegeben ist. Typisches Mobilproblem: Ich sah sie nicht. Wir sitzen auch gerade an einer aktuellen 60-Sekunden-im-Internet-Grafik und haben dazu auf den Geschäftsbericht Q1/2014 zurückgegriffen. Dort heißt es „“Net sales increased to 19,74 bn in the first quarter.“ Das sind dann aber „nur“ 152.000 Dollar pro Minute.

    Beste Grüße
    Martin Reti

  2. Die Zahlen sind in der Tat beeindruckend. Aber ohne sie im Detail zu kennen, vermute ich, dass nur ein kleiner Teil der Unternehmen, die die Lösungen von Amazon nutzen, aus Deutschland kommen. Die Skepsis der Unternehmen hier ist dem Cloud Computing gegenüber leider noch immer viel zu hoch. Natürlich, blindlings Kapazitäten bei einem Großanbieter zu beziehen, ist nicht die richtige Herangehensweise. Es geht um das Abwägen von Vor- und Nachteilen bei der Cloud-Nutzung und darum Services gezielt auszuwählen – nach einer Priorisierung der eigenen Daten. Die Ergebnisse des Cloud Vendor Benchmark lassen darauf hoffen, dass die deutsche Wirtschaft hier auf einem guten Weg ist: Das Marktvolumen im Bereich Cloud Computing wird sich von 4,52 Milliarden Euro 2013 auf über 9 Milliarden Euro im nächsten Jahr erhöhen: https://andrekiehne.com/2014/07/18/cloud-computing-marktvolumen/