Mein CeBIT-Fazit: Schwieriger Spagat zwischen Qualität und Quantität

Die weltgrößte IT-Messe will nur noch Business-Publikum ansprechen. Das Problem für den Ausrichter: In der Wahrnehmung der Öffentlichkeit schrumpft die Veranstaltung weiter – obwohl das von den Ausstellern so gewünscht ist.

Zum nunmehr achtzehnten Male habe ich in den vergangenen zweieinhalb Tage die weltgrößte IT-Leistungsschau CeBIT in Hannover besucht. Meine persönliche Messe-Volljährigkeit geht dabei einher mit einem gewissen Erwachsenwerden seitens der CeBIT selber.

Denn was gab es seit dem Boom um die Jahrtausendwende nicht für ein Auf und Ab, ein ständiges Hin und Her bei der jeweiligen Messe-Strategie: Mal sollten mehr IT-Privatanwender angesprochen werden, dann sollten vor allem IT-Professionals angesprochen werden. „Raus aus den Kartoffeln, rein in die Kartoffeln“, titulierte ich meinen Blog-Post über die CeBIT im Jahre 2010.

Was ein Stück weit noch heute zutrifft. Jedenfalls gilt in diesem Jahr: Die CeBIT hat dem Verbraucher den Rücken gekehrt und will sich nur noch als hundertprozentige Business-Veranstaltung verstanden wissen. Eine Ausrichtung, die mehrere Aussteller, mit denen ich während der Messe sprach, positiv bewertet haben – und zwar IT-Dickschiffe wie Startups gleichermaßen.

Quelle: Statista

Gleichzeitig muss sich der CeBIT-Veranstalter Deutsche Messe AG aber weiterhin in einem schwierigen Spagat zwischen Qualität und Quantität üben: Obwohl die Mehrzahl der IT-Anbieter den Business-Schwenk begrüßen, legen externe Beobachter wie auch Medien ihr Hauptaugenmerk bei der Bewertung der Messe rein auf die Besucherzahl. Ein Umstand, bei dem ich mich nicht ausnehmen möchte, wie mein letztjähriger Blog-Beitrag zeigt.

Dabei ist klar, dass die diesjährige Besucherzahl weiter fallen muss – allein durch das Vorziehen des Beginns auf den Montag bei gleichzeitigem Verzicht auf den Samstag, der meist den Privatbesuchern vorbehalten waren. Dass die durch die Hallen vagabundierenden, von den Ausstellern hinter vorgehaltener Hand abfällig „Beutelratten“ genannten Menschenscharen nun wegbleiben, ist von allen Seiten gewollt.

Und trotzdem starren viele nun darauf, ob die CeBIT erstmals die magische Schwelle von 200.000 Besuchern nach unten reißt. So oder so: Ich persönlich habe schon deutlich schwächere Messen erlebt. Die diesjährigen Schwerpunktthemen der CeBIT mit Big Data, Cloud Computing und Startups sind nah am Puls der Zeit. Für mich gibt’s jedenfalls aktuell keinen Grund, im kommenden März nicht wieder nach Hannover zu fahren.

Verwandte Artikel:

Gelingt der CeBIT endlich die Trendwende bei den Besucherzahlen? (März 2013)

Exklusiv: Polen wird CeBIT-Partnerland 2013 (Juni 2012)

Mein CeBIT-Fazit: Real schlägt virtuell (März 2012)

Neuer Bitkom-Chef: Mehr Frauen in die IT (Juli 2011)

CeBIT: Raus aus den Kartoffeln, rein in die Kartoffeln (Februar 2010)

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Alle Kommentare [1]

  1. Ich hatte nicht den Eindruck, dass die Zahl der Beutelratten gesunken ist. Wenigstens hat man sie dieses Jahr mit weißen Samsung Hüten deutlich markiert.
    Ab 14 Uhr waren ein Messerundgang und ungestörte Gespräche mit den Ausstellern kaum mehr möglich.