Neuer Bitkom-Chef: Mehr Frauen in die IT

Der neue Präsident des ITK-Branchenverbanes Bitkom, Dieter Kempf, will den Schwerpunkt seiner Arbeit auf Breitband-Internet, Datensicherheit sowie die Lösung des Fachkräftemangels legen.

Am Donnerstag vergangener Woche beging der deutsche ITK-Branchenverband Bitkom sein schon traditionelles Sommerfest im Herzen von Berlin. Rund 1000 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Medien kamen im Hamburger Bahnhof/Museum für Gegenwart bei Gegrilltem und Getränken zusammen. Seinen ersten öffentlichen Auftritt im neuen Amt als Bitkom-Präsident beging dabei Dieter Kempf: Der 58-jährige Chef des Nürnberger IT-Dienstleisters Datev hatte Mitte Juni turnusgemäß seinen Vorgänger August-Wilhelm Scheer abgelöst.

kempf

In seiner Begrüßungsrede skizziert Kempf die Schwerpunkte seiner Arbeit in den nächsten zwei Jahren. So will er auf politischer Ebende vor allem den flächendeckenden Ausbau einer Breitband-Infrastruktur vorantreiben, IT-Sicherheit und den Datensicherheit verbessern sowie die Grundlagen für intelligen Netze („Smart Grids“) in Bereichen wie Energie, Verkehr und Gesundheit schaffen. Und schließlich will Kempf sich dem Thema Fachkräftemangel widmen: Das Fehlen gut ausgebildeter Experten ist gerade für die deutsche ITK-Industrie seit Jahren ein Problem, das auch den Bitkom immer wieder beschäftigt.

In diesem Zusammenhang treibt ihn neuerdings aber noch ein anderes Thema um, wie Kempf mir später am Abend im persönlichen Gespräch verrät. So will er sich höchstpersönlich dafür stark machen, dass der seit langem auf niedrigem Niveau dahindümpelnde Anteil weiblicher Führungskräfte auch und gerade in der deutschen Hightech-Branche endlich steigt. „Das Thema haben wir lange unterschätzt und einfach so laufen lassen“, so Kempf geradezu selbstkritisch. „Da muss sich was ändern.“

Absage an die Quote

Dass ihm ernst mit solchen Beteuerungen ist, unterstreicht er mit einer Anekdote aus dem eigenen Unternehmen. Als eine junge Datev-Managerin aus der ersten Führungsebene Anfang der Neunzigerjahre ihr erstes Kind erwartete, habe man unbürokratisch und flexibel die Rahmenbedingungen geschaffen, damit sie auch mit Nachwuchs ihren Job schnell wieder aufnehmen könne. „Mittlerweile ist die Frau Mutter von zwei Kindern – und arbeitet immer noch für uns“, so Kempf.

Derlei Beispiele müssten in allen Unternehmen die Regel werden, um Frauen den Spagat zwischen Kinderwunsch und beruflichem Fortkommen zu ermöglichen. Unter anderem durch solche Bemühungen könne die ITK-Branche dann auch ihre Attraktivität für weibliche Nachwuchskräfte verbessern, lautet Kempfs Hoffnung. Von einer gesetzlichen Quotenregelung, insbesondere für Aufsichtsräte, will er freilich dennoch nichts wissen: „Die würden wir wie eine Monstranz vor uns hertragen, ohne dass sich in den Unternehmen wirklich nennenswert etwas ändert.“

Trotz dieser Absage an die Quote – welche ungewohnten, ja geradezu revolutionären Töne aus dem Munde eines Bitkom-Granden. Zur Erinnerung: Es ist gerade mal etwas mehr als ein Jahr her, als der ansonsten von mir sehr geschätzte Bitkom-Altpräsident Scheer auf der CeBIT mit beinahe schon kruden Thesen über die vermeintlichen Unterschiede von männlichen und weiblichen Gehirnen auffiel. Vielleicht hat ja auch meine gewiss zugespitzte damalige Blog-Geschichte ein bisschen zu jenem Umdenken beigetragen. Jetzt bin ich freilich gespannt, wie Kempf seine Beteuerungen in die Praxis umsetzen will. Warten wir’s ab.

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Alle Kommentare [1]

  1. Da bin ich aber auch sehr gespannt. Ich bin selber eine Frau die berufstätig ist und Kinder hat.
    Nicht die Quote fehlte uns, das hat Herr Kempf schon richtig erkannt, es fehlt an Flexibilität und den Willen alte Strukturen aufzubrechen. Das sind exakt meine Erfahrungen.