Nach dem Wachstumseinbruch: Das unerschlossene Potenzial von Facebook

Mit dem ersten Umsatzrückgang in zwei Jahren hat Facebook die Märkte geschockt. Dabei verfügt das soziale Netzwerk noch über enormes Wachstumspotenzial auch bei den bestehenden Nutzern.

Je näher der Mega-Börsengang von Facebook rückt, desto nervöser reagieren die Märkte auf alle Neuigkeiten von der Zuckerberg-Company. Anfang der vergangenen Woche hat Facebook in einer aktualisierenden Mitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC eingestehen müssen, dass der Umsatz im ersten Quartal 2012 im Vergleich zum Vorjahr zwar um 45 Prozent auf 1,06 Milliarden Euro gewachsen sei. Bezogen auf die drei Monate davor hat das soziale Netzwerk jedoch einen Umsatzrückgang um sechs Prozent verbucht – das erste Mal seit zwei Jahren, dass Facebook seinen Umsatz nicht jedes Quartal steigern konnte. Die Woche davor hatte Facebook-Gründer Mark Zuckerberg Freund und Feind mit der Ankündigung überrascht, die Foto-App Instagram für eine Milliarde Dollar zu schlucken.

Der Markt hat jedenfalls mehr als verhalten auf die aktuellen Geschäftszahlen reagiert: „Facebook-Umsatz schwächelt – Ende des Turbowachstums?“, so die Nachrichtenagentur Reuters in der Überschrift ihrer Meldung. Keine zwei Tage später meldet der US-Wirtschaftsdienst „CNBC“ mit Verweis auf unternehmensnahen Quellen, der ursprünglich für den 17. Mai erwartete Börsengang könnte wegen der aktuellen Verwerfungen noch mal verschoben werden. Gleichzeitig ließ Facebook selber verlauten, man wolle sich künftig stärker als bisher auf den Online-Handel konzentrieren, um das Geschäftspotenzial seiner inzwischen 900 Millionen Mitglieder besser ausschöpfen zu können – was Marktbeobachter als klares Indiz dafür werten, das Unternehmen wolle im Vorfeld des IPO seine Wachstumsstory trotz der jüngsten Negativmeldungen aufrecht halten.

Wie groß das unerschlossene Potzenzial bei Facebook in der Tat ist, hat das Marktforschungsunternehmen Statista in einer Infografik aufbereitet. So hat Facebook im ersten Quartal dieses Jahres gut die Hälfte seiner Umsatzes in Nordamerika erzielt, obwohl dort nur gut jeder fünfte Mitglied her stammt. Mit 2,86 Dollar je US-Nutzer ist der Pro-Kopf-Umsatz in Nordamerika mehr als doppelt so hoch wie in Europa und mehr als fünf Mal so hoch wie in Asien. Steigende Umsätze pro Nutzer in den Märkten außerhalb der USA scheinen daher tatsächlich ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg zu sein:

Quelle: Statista

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Alle Kommentare [4]

  1. Man kann sich über viel Sorgen machen, aber über das Wachstums- und Monetarisierungspotenzial von facebook würde ich mir als allerletztes Sorgen machen.

  2. Hallo Martin,

    danke für den Kommentar. Sorgen würde ich mir über das Wachstumspotenzial auch nicht wirklich machen – über die (mutmaßliche) Bewertung beim Börsengang freilich schon. Und das scheint mir eben der Hauptgrund für die Nervosität der Märkte zu sein… gab ja auch gestern erst wieder Berichte, wie „chaotisch“ das Anzeigengeschäft von Facebook aktuell noch laufe, siehe etwa hier bei „Business Insider“:

    As $100 Billion IPO Approaches, Facebook’s Advertising Business Is A Mess

    Gruß, Michael Kroker

  3. Hallo Michael,

    ich habe das Potenzial von facebook schon 2007 gesehen. Die Leute dahinter sind mit nichts zu vergleichen, was hierzulande Startups kaputt wirtschaftet – siehe den Fall StudiVZ.

    Diese Leute sind höchstintelligent und haben den Markt in fünf Jahren im vorraus im Fokus. Deswegen – sollen die Ex-Post Experten in Ihre Excellisten schauen, darauf würde ich keinen Pfifferling geben.

    Wie Buffet – am besten man investiert in das, was man versteht – wenn die Analysten den Markt und fb nicht verstehen, ist dass nicht das Problem von facebook – sondern ein Problem der Analysten.

    Im Endeffekt muss man davon ausgehen, dass das Internet nur ein Fall für Technikfreaks ist und im groben unwesentlich.

    Und mein persönlicher All-Time Favorit:

    „Allein die Zielgruppe Studenten mache StudiVZ zu einem höchst interessanten Internetangebot für Holtzbrinck, sagte Urban. Außerdem drohe auf dem deutschen Markt keine Konkurrenz, auch nicht vom US-Vorbild Facebook. –Quelle:Focus“, Mittwoch, 03.01.2007, 19:29

    Ich glaube, es gibt keine Szene in der so viel Mist mit der Ur-Kraft der Überzeugung gestated wird, wie in der Internetbranche oder dort, wo man die Internetbranche nicht verstanden hat.